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Veranstalter der Rundreise war das deutsche Unternehmen Travel-to-nature GmbH, das unter anderem die
Website Costa-rica.com betreibt
und früher Waschbär-Reisen hieß.
4. Februar 2004: Carara-Nationalpark und Weiterfahrt nach Quepos
Das frühe Aufstehen fiel im Hotel Villa Lapas nicht schwer. Schon vor Sonnenaufgang
hörte man draußen die ersten Aras rufen - der Name des Hotels war also Programm
(Villa Lapas heißt auf Deutsch "Ara-Dorf"). Für viele Mitglieder meiner
Reisegruppe wurde genau wie für mich ein Traum wahr. Wir beobachteten mehrere
Hellrote Aras, die
über uns in den Bäumen turnten und ihr Frühstück zusammenklaubten. Auch
andere Vögel waren an diesem Morgen im Hotelgarten unterwegs, darunter
Rotkappenspechte und
Schneesichler.
Später stattete dann sogar
ein Schieferschwanztrogon dem
Hotelgarten einen Besuch ab.
Nach dem Frühstück, bei dem wir ständig Aras in einigen Meter Entfernung in
den Bäumen wuseln hörten, spazierten wir durch den Carara-Nationalpark. Das
urtümliche Waldstück, durch welches wir wanderten, wies einen unglaublich dichten
Bewuchs auf. Man hörte es allerorten rascheln, konnte aber die meisten Tiere nicht
erkennen, weil zu viele Blätter im Weg waren. Die Sonnenstrahlen berührten nur
an wenigen Stellen den Boden und es war im Vergleich zur Umgebung des Parks im Wald angenehm
kühl. Besonders schön anzusehen war ein breiter Wasserlauf, den eine Brücke
überspannt. Dank der scharfen Augen unserer Guides Jonathan und Eduardo gelang es uns,
im Dickicht einen Weißzügel-Faulvogel auszumachen. Auch einige Trogone, Tauben,
Kolibris und den für seine Familie recht stattlichen
Rotnacken-Zaunkönig beobachteten
wir im Carara-Nationalpark.
Bevor wir zurück zum Hotel fuhren, um unsere Koffer abzuholen, statteten wir der
"Krokodilbrücke" einen Besuch ab. In der Nähe des Eingangs des Carara-Nationalparks
überspannt eine Brücke den Río Tárcoles. Unter dieser Brücke liegen einige
Dutzend große Spitzkrokodile
im flachen Wasser. Einige Meter von ihnen entfernt hielt sich ein
Kanadareiher auf, der den großen
Reptilien allerdings gebührenden Respekt zollte und sich nicht in ihre unmittelbare
Nähe traute.
Rasch waren die Koffer gepacktund dann ging es mittags mit dem Bus in Richtung Quepos los. In
einem kleinen Restaurant direkt am Pazifikstrand aßen wir zu Mittag. Über uns
zogen Prachtfregattvögel majestätisch ihre Kreiseund auch einige
Braunpelikane gesellten sich zu ihnen. Wir
hatten also unseren ersten Kontakt mit costa-ricanischen Seevögeln, während wir
mittelamerikanisches Fastfood aßen und uns die salzige Meeresbrise um die Nasen wehen
ließen.
Gegen 16 Uhr kamen wir am Hotel Villa Teca in Quepos an. Der Großteil der Gruppe stellte
sein Gepäck in den Zimmern ab und verschwand dann in Richtung Strand. Da ich am Ende der
Rundreise noch einige Tage Badeurlaub am Strand verbringen würde, blieb ich auf meiner
Terrasse und beobachtete von dort aus die niedlichen
Rotrücken-Totenkopfaffen,
die auf dem Hotelgelände in den Bäumen und Palmen turnten. Direkt vor meiner
Terrasse stand ein großer Ficus benjamini, dessen dichtes Blattwerk
bei den Passerinitangaren
als Schlafplatz heiß begehrt war. Mit dem Beginn der Abenddämmerung fand sich eine Schar dieser
lebhaften Vögel auf dem Gebüsch ein, um kräftig um die gemütlichsten
Schlafplätze in der Birkenfeige zu raufen. Zusammen mit meiner Bungalow-Nachbarin Nellie,
die ebenfalls zur Reisegruppe gehörte, beobachtete ich amüsiert das bunte Treiben
der wehrhaften Vögel.
5. Februar 2004: Wanderung im Manuel-Antonio-Nationalpark und Stadtbummel in Quepos
Bereits um 07:45 Uhr, als ich zusammen mit der Gruppe zum nahe gelegenen
Manuel-Antonio-Nationalpark fuhr, war es knapp
30 Grad Celsius heiß. Die hohen Bäume des
leider stark überlaufenen Schutzgebietes spendeten zwar Schatten. Trotzdem war es gegen
10:00 Uhr bereits so heiß, wie wir es zuvor in Costa Rica noch nicht erlebt hatten. Weil
der Nationalpark extrem gut besucht ist, sahen wir dort erheblich weniger Tiere als in anderen
Schutzgebieten, in denen wir zuvor während unserer Reise gewesen waren.
Unter den in Manuel Antonio beobachteten Arten waren beispielsweise Faultiere,
Schwarze Leguane,
Weißgesicht-Kapuzineraffen,
Hörnchen, Braunpelikane,
Krabben- und
Grünreiher. Auf einer kleinen
Sitzgruppe in einem schattigen Bereich übte meine Reisegruppe, wie viele Vogelfans
man auf engstem Raum platzieren kann. Waren das etwa heimliche Proben für "Wetten, dass...?"
Den Nachmittag hatten wir zur freien Verfügung. Die meisten Gruppenmitglieder blieben am
Strand von Manuel Antonio oder schlenderten weiter durch den Nationalpark. Ich fuhr zusammen mit
den Guides und unserem Fahrer nach Quepos. Die drei Ticos hatten dort zu tun und ich wollte
einige Souvenirs für meine Lieben in Deutschland einkaufen. In der Hitze des Mittags bummelte
ich allein durch die Stadt und genoss es, die vielen Eindrücke auf mich wirken zu lassen:
Junge Mädchen, die in engen und knappen Jeanshosen provozierend ihre Hüften wiegten,
um den Chicos zu imponieren, dauerbrabbelnde Geschäftsmänner mit Handys an den
Ohren, Familien beim Einkauf sowie das geschäftige Treiben in der Markthalle sind nur einige Dinge,
die man in Quepos erleben kann. Nach gut zwei Stunden wurde es mir zu anstrengend, durch die Hitze
zu laufen, weshalb ich mit einem öffentlichen Bus (oder sollte ich sagen mit einer rollenden
Sauna?) zum Hotel zurückfuhr.
Nach einer kurzen Siesta ging ich in der mit dichter Vegetation bestandenen Gegend
rund um das Hotel spazieren und entdeckte einige stattliche
Rote Landkrabben, die sich in der
feuchten Erde in der Nähe des Villa Teca wohl zu fühlen schienen. Außerdem gelang es mir
endlich, die zweite in Costa Rica heimische Ani-Art zu beobachten: die
Glattschnabelanis. Abends aß ich
zusammen mit einigen Mitreisenden sowie unseren costa-ricanischen Führern und dem Fahrer
im italienischen Restaurant des Hotels. Selten habe ich so viel gelacht wie an diesem Abend.
Der Humor der Ticos ist klasse, wir hatten alle großen Spaß dabei, uns gegenseitig
ein wenig hochzunehmen.
6. Februar 2004: Weiterfahrt nach Playa Tortuga
Der obligatorische Morgenspaziergang vor dem Frühstück brachte mir heute zahlreiche
schöne Vogelbeobachtungen ein: Balzende
Blauscheitelmotmots,
Talpacotitauben,
Zuckervögel,
Bischofs- und
Passerinitangaren,
Tovisittiche,
Inkatäubchen,
Blauringtauben und ein
Wegebussard waren nur einige der von
mir gesehenen Spezies. Nach dem Frühstück packte ich in Ruhe meinen Koffer, ließ
ihn aber zunächst noch im Zimmer stehen, das ich erst um 12:00 Uhr räumen musste.
Einige meiner Mitreisenden legten sich an den Pool, um die Zeit bis zur Weiterfahrt zu
überbrücken, ich fotografierte derweil einige kleine Reptilien auf dem
Hotelgelände.
Mein Mitreisender Hans wusste von einem Kolibrinest ganz in der Nähe zu berichten, das
er einige Minuten zuvor bei einem Spaziergang mit Christina, einer weiteren Mitreisenden,
entdeckt hatte. Das konnte und wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, also ließ
ich mich von Hans zu jenem Nest führen. Es war brüllend heiß in dem
kleinen Wald und mein Kreislauf spielte zum ersten Mal während des gesamten Urlaubs
nicht mehr mit. Fast wäre ich für die Erstellung des nebenstehend gezeigten Fotos zusammengebrochen.
Auf der Weiterfahrt nach Playa Tortuga konnte ich mich
von dem anstrengenden Spaziergang ein wenig erholen.
Die Straßenverhältnisse waren teilweise sehr schlecht. Über eine staubige
Piste, deren Zustand ich mir in der Regenzeit gar nicht näher anschauen wollen würde,
fuhren wir parallel zur Pazifikküste in Richtung Südwesten. Es ging vorbei an
schier endlosen Ölpalmen-Plantagen, die fest in US-amerikanischer Hand waren. Vor einer
Brücke, die nicht gerade Vertrauen einflößend war, mussten wir gezwungenermaßen
anhalten. Bevor ein schweres Fahrzeug die Brücke passieren konnte, musste jemand die
Balken richten, in unserem Fall übernahm diese wichtige Aufgabe unser Guide Eduardo.
Nach einem kurzen Stopp in einem urigen "Café" am Straßenrand im Nirgendwo erreichten
wir gegen 17:00 Uhr unser Hotel namens "Villas Gaia", das zur Gemeinde Playa Tortuga gehört.
Gleich auf den ersten Blick schien mir die Gegend ein perfekter Platz zum Erholen und zum
Beobachten von Tieren zu sein. Ich sollte mich nicht täuschen, die zwei dort verbrachten
Tage gehörten mit zum Schönsten, was ich in Costa Rica erlebt habe. Nach einem
sensationell guten Abendessen - das Restaurant des Hotels ist schlichtweg genial - schaute
ich mir noch kurz den im Dunkeln leicht silbrig glänzenden Pazifik an, den man von einer
Beobachtungsplattform aus sehen konnte. Der Ausblick von dort oben war wirklich zu jeder
Tageszeit eine Augenweide.
7. Februar 2004: Erkundung der Umgebung von Playa Tortuga
Um 06:00 Uhr traf sich die Gruppe zu einer gemeinsamen Wanderung in die Küstenebene,
über der das Hotel thront. Wir spazierten an einem kleinen Flusslauf entlang, an dem
sich in den kühlen Morgenstunden zahllose Vögel aufhielten.
Wir lauschten den schönen Gesängen der Zaunkönige und
Kapuzenwollrücken, hörten
das muntere Gekreische der Glatzenkopfpapageien
über den Landstrich schallen, sahen Eisvögeln bei der Jagd zu, beobachteten
Gelbkopfkarakaras bei ihren
Flügen entlang der Küste und bewunderten die makellos weißen
Kuhreiher, die wie exotische Blüten in
einem unbelaubten Baum in den ersten Strahlen der Morgensonne aufblitzten. Die Landschaft
ist in dieser Küstenebene einfach atemberaubend schön.
Der Vormittag stand uns zur freien Verfügung. Zusammen mit Nellie wollte ich zum Strand
gehen. Diese Idee hatten auch Jonathan, unser Vogelführerund unser Fahrer Leandro.
Zusammen mit den beiden spazierten wir erst wieder durch die schöne Küstenebene,
dann durch eine Bananenplantage, um anschließend den unberührten, völlig
naturbelassenen Strand von Playa Tortuga zu erreichen. Bald trafen dort auch unsere Mitreisenden
Inge, Gerd und Ferdinand ein. Wir wiesen einander auf besonders schöne Tiere hin und
genossen die Zeit am Strand. Dort hielten sich viele Krabben auf, außerdem
zahlreiche Eidechsen und Vogelarten wie der Drosseluferläufer,
der Große Gelbschenkel,
Talpacotitauben,
Grünfischer und am Himmel die allgegenwärtigen
Raben- sowie
Truthahngeier. Nach gut einer Stunde wurde
es uns am Strand zu heiß, denn der recht dunkle Sand strahlte eine enorme Hitze ab.
Im Schatten der hohen Bäume auf dem Hotelgelände ruhten wir uns in den Mittagsstunden
von diesem ereignisreichen Spaziergang aus.
Am Nachmittag unternahmen wir zum letzten Mal als große Gruppe eine gemeinsame Tour, denn
am nächsten Tag würden Nellie und ich in Richtung Osa-Halbinsel weiterfahren,
während der Rest der Gruppe in die Hauptstadt fahren würde, um bald darauf die
Heimreise anzutreten. Der letzte gemeinsame Ausflug führte die Gruppe zu einer malerischen
Bucht namens "Las Ventanas", die in der Nähe unseres Hotels liegt. Viele Vögel sahen
wir dort zwar nicht, aber die atemberaubende Naturkulisse entschädigte uns dafür reichlich. Anschließend
aßen wir gemeinsam im Restaurant des Hotels zu Abend und genossen noch einmal in einer heiteren,
großen Runde die schmackhafte Küche Costa Ricas.
8. Februar 2004: Abschied von der Gruppe und Weiterfahrt zur Osa-Halbinsel (Poor Man's Paradise)
Es war uns eine lieb gewonnene Tradition geworden, morgens gemeinsam Vögel zu beobachten.
Deshalb versammelte sich ein Großteil der Gruppe auch an diesem Morgen an der
Beobachtungsplattform, um von dort aus das morgendliche bunte Treiben der Vögel zu
betrachten. Halsbandarassaris flogen
in kleinen Gruppen umher, die weißen Kuhreiher
waren auch in größerer Entfernung leicht vor dem grünen Hintergrund zu erkennen.
Auf einem Zweig ganz in unserer Nähe saß minutenlang ein
Weißhals-Faulvogel, den wir
ausgiebig bestaunten. Die Rufe der Swainsontukane
waren ebenso zu hören wie der Gesang der
Kapuzenwollrücken.
An den Baumstämmen huschte ein weiblicher
Rotkappenspecht
auf der Suche nach Nahrung entlang. Bald war es auch für uns Zeit, uns zum Speisesaal
zu begeben.
Um 08:00 Uhr fuhr der Bus mit der Gruppe in Richtung San José ab. Nellie und ich
würden die nächsten Tage auf der Osa-Halbinsel verbringen, sie sogar noch zwei
Tage länger als ich. Unser Taxi traf um 09:00 Uhr ein, es brachte uns während
einer knapp einstündigen
Fahrt nach Sierpe. Diese kleine Ortschaft liegt am Río Sierpe, über den wir per
Boot zu unserem nächsten Domizil an der entlegenen Pazifikküste der
Osa-Halbinsel
gelangen sollten. Nachdem wir eine Stunde auf weitere Hotelgäste gewartet hatten, fuhren
wir zusammen mit vier Kanadierinnen los. Unser Kapitän war niemand anders als der Besitzer des
Hotels, in dem wir wohnen würden.
Zunächst fuhren wir etwa 40 Minuten lang über den ruhig dahin fließenden,
braunen Río Sierpe. Im Mündungsbereich des Flusses trifft das von ihm transportierte
Wasser auf die Fluten des Pazifiks, was zu kleineren Turbulenzen führt. Nachdem wir
den unruhigeren Mündungsbereich passiert hatten, fuhren wir 20 Minuten über den
zum Glück recht ruhigen Pazifik. Bald kam die Nachbarbucht der Bahía Drake in
Sicht, in der unser Ziel liegt: das Hotel "Poor Man's Paradise". Das Boot raste auf den Strand
zu und setzte mit einem Ruck dort auf - wir waren angekommen.
Es war bereits Mittag, als Nellie und ich unseren Bungalow bezogen. Auf der überdachten
Speiseterrasse nahmen wir ein einfaches, aber leckeres Mittagessen ein. Frisch gestärkt,
erkundeten wir das Hotelgelände und stellten zu unserer Freude fest, dass wir nicht nur
im Poor Man's, sondern auch im Birdwatcher's Paradise gelandet waren. Überall gab es
nektarreiche und fruchttragende Pflanzen, die zahllose Vogelarten anlockten. Ich beobachtete
dort einige Arten, die ich zuvor nirgendwo sonst in Costa Rica gesehen hatte, unter ihnen
war beispielsweise
die Panamaammer.
Außer Vögeln gab
es viele andere Tiere, darunter Reptilien, die sich an Blüten gütlich taten.
Endlich wollte ich im Pazifik badenund bei den herrschenden Klimabedingungen (über
35 Grad Celsius und mindestens 90 Prozent Luftfeuchtigkeit) war eine Abkühlung am Nachmittag dringend notwendig.
Der Pazifik lud geradezu dazu ein, sich in seine seichten Wogen zu stürzen. Dummerweise
war das Wasser knapp 30 Grad Celsius warm, von einer Abkühlung konnte also keine Rede sein.
Trotzdem genoss ich mein Bad im Ozean und es tat gut, ein paar Runden zu schwimmen und dabei
die bezaubernd schöne Kulisse zu betrachten. Die einsame Bucht mit ihren vielen Palmen
und dem dahinter liegenden dichten Grün wird der Bezeichnung "Traumstrand" mehr als gerecht. Gegen
18:00 Uhr war es dann so weit: Ein fast schon kitschiger Sonnenuntergang läutete die
Nacht auf der abgeschiedenen Halbinsel ein. Aufgrund der Tatsache, dass im Hotel abends nur stundenweise
(bis etwa 21:00 Uhr) Strom zur Verfügung steht, rechnete ich mit paradiesischer Ruhe. Leider war
dem nicht so. Die Stereoanlage der Hotelbar sorgte für eine abendliche Dauerbeschallung
mit Hits aus den Charts, die die Klänge der nachtaktiven Tiere mühelos übertönte.
Schade, in einem Öko-Hotel hatte ich nicht mit solchen Zivilisationslärm gerechnet.
9. Februar 2004: Schnorcheln und Spaziergänge rund um das Poor Man's Paradise (Osa-Halbinsel)
Getreu dem Motto "Der frühe Vogelbeobachter sieht den Vogel" machten Nellie und ich uns
um kurz nach 06:00 Uhr auf den Weg ins Hinterland des Hotels. Wir stiegen einen steilen,
unbefestigten Pfad empor und gelangten zu einer Landschaft, in der sich Waldgebiete und Viehweiden
abwechselten. Zunächst bekamen wir kaum Vögel zu Gesicht - offenbar stehen die Vögel
der Osa-Halbinsel später auf als ihre Kollegen im restlichen Land. Erst auf dem Rückweg
zum Hotel zeigten sich uns Zaunkönige, Baumläufer,
Kuhreiher, Kolibris,
Kapuzenwollrücken,
Hellrote Aras, eine Sperberweihe,
Graukopfguane und weitere Arten. Außerdem
hörten wir die Rufe der Fischertukane
und der Rotstirnamazonen.
Nach dem Frühstück packte ich meine Schnorchelausrüstung und die Unterwasserkamera
ein, lief gut 40 Minuten zur Nachbarbucht und steckte dort den Kopf ins seichte Wasser.
Leider war die Sicht nicht besonders gut, viele Schwebteilchen vernebelten das Wasser. Trotzdem
gelangen mir einige Aufnahmen von Fischen, die im entsprechenden
Kapitel dieses Reiseberichts zu sehen sind. Der Rückweg durch die pralle Mittagssonne
zog sich in die Länge, ich war sehr erschöpft, als ich pünktlich zum Mittagessen um kurz vor 13:00
Uhr wieder am Hotel eintraf.
Nach dem Mittagessen fühlte ich mich matt, was ich auf die Anstrengungen beim Schnorcheln
und vor allem auf den anschließenden recht langen Marsch durch die pralle Sonne
schob. Ich ging auf dem Hotelgelände spazieren und fand einen Baum, an dem zahllose
kleine, grüne Früchte hingen. Diese zogen scharenweise Vögel wie die
leuchtend rote Sommertangare, die
hübschen Türkisnaschvögel, Gelbbauchelaenien,
Purpurmasken- und Grüntangaren,
Tovisittiche sowie
Bentevis an. Bedauerlicherweise wurde ich immer
schlapper, weshalb ich zum Bungalow zurückging. Unterwegs fing mein Bauch an zu rumoren,
was nichts Gutes verhieß. Gegen 16:00 Uhr lag ich dann danieder, ich hatte offenkundig
etwas Falsches gegessen und war für die nächsten 18 Stunden damit beschäftigt,
ständig die Toilette aufzusuchen. Auch meine Mitreisende Nellie sowie einige weitere
Hotelgäste erwischte es zeitgleich. Diese unschöne Episode namens "Lebensmittelvergiftung"
hätte ich mir rückblickend betrachtet wirklich am liebsten erspart ... Dem Hotelpersonal
ist kein Vorwurf zu machen. Im tropisch-heißen Klima kann es jederzeit passieren, dass
man sich den Magen verdirbt oder gar eine Lebensmittelvergiftung einfängt.
10. Februar 2004: Erkundungen der Tier- und Pflanzenwelt am Poor Man's Paradise
Weil ich mich aufgrund der Durchfallerkrankung sehr ausgelaugt fühlte, war mein Aktionsradius
stark eingeschränkt. Anstatt wie geplant zum Schnorcheln zur Isla del Caño zu
fahren, ließ ich es ruhig angehen und spazierte über das Hotelgelände. Wie
ich am Nachmittag von einer der Kanadierinnen erfuhr, hätte sich ein
Ausflug zur Insel ohnehin nicht gelohnt, denn das Wasser war dort noch trüber als in der
Nachbarbucht, in der ich am Tag zuvor schnorcheln gegangen war. Ich besuchte wieder den
Baum, an dem ich tags zuvor bereits so viele Vögel gesehen hatte. Auch der kleinen
Brackwasserlagune hinter dem Strand stattete ich einen Besuch ab. Dort setzte ich mich in
den Schatten der hohen Bäume und beobachtete Schmetterlinge, die im feuchten Uferbereich
der Lagune Salz zu sich nahmen, darunter die hübsche Art
Marpesia chiron. Den restlichen
Tag verbrachte ich abwechselnd damit, aufgrund starker Bauchschmerzen im Bett zu liegen und
auf dem Hotelgelände ein paar Schritte zu gehen und mich dann erschöpft unter
einen Baum fallen zu lassen, um Vögel zu beobachten.
Am Abend ging ich zusammen mit Nellie zum Strand, um den für mich letzten schönen
Sonnenuntergang dieser Costa-Rica-Reise am Pazifik
zu erleben. An der Brackwasserlagune lief im Licht der sehr tief stehenden Abendsonne am
jenseitigen Ufer ein Neotropischer
Fischotter entlang. Wir hatten großes Glück, diese scheue, meist nur nachts
aktive Tierart zu Gesicht zu bekommen. Außerdem sahen wir einen jugendlichen
Grünreiher, einen
Kanadareiher,
Mangroveschwalben, einen
Krabbenbussard sowie
Grünfischer und die größeren
Rotbrustfischer.
11. Februar 2004: Rückflug nach San José
Irgendwann neigt sich jede Reise ihrem Ende entgegen. Für mich war heute der letzte komplette
Urlaubstag in Costa Rica angebrochen und ich würde aus dem Paradies auf der Osa-Halbinsel
abreisen müssen. Noch immer hatte ich Bauchschmerzen und sah der Bootsfahrt nicht gerade
gelassen entgegen. Um 07:00 Uhr nahm ich Abschied von meiner lieben Mitreisenden Nellie und
stieg zusammen mit zwei ebenfalls bauchschmerz-geplagten Kanadierinnen in das Boot, welches uns drei kränkelnden Frauen
zurück nach Sierpe bringen sollte. Auf dem Meer spürte ich jede Welle in meinen
Eingeweiden, dieser Teil der Bootsfahrt war leider höchst unangenehm und
trieb nicht nur mir die Tränen in die Augen. Einzig die Sichtung
einer Lachseeschwalbe versüßte mir die schrecklichen 20 Minuten, die wir bis zum
Erreichen des ruhigen Flusses durchhalten mussten. Auf dem Fluss ging es mir schlagartig besser,
weil wir nicht mehr über garstige "Bodenwellen" dahinsausten. Am Ufer schlief eine stattliche
Boa in einer Astgabel, die uns der Fahrer
zeigte. Auch chauffierte er uns einige Minuten lang durch einen kleinen Seitenarm des
Río Sierpe, um uns die Mangroven aus der Nähe zu zeigen. Welch wunderschöner
Abschied von der Osa-Halbinsel!
In Sierpe holte mich ein Taxi ab und brachte mich nach Palmar Sur, wo ich gegen 08:45 Uhr am
Flughafen ausstieg. Bis zum Abflug blieb mir viel Zeit, mein Flugzeug sollte um 10:00 Uhr abheben.
Ich schlenderte durch Palmar Sur und betrachtete eine der großen prähistorischen
Steinkugeln näher, deren Bedeutung nach wie vor nicht bekannt ist.
Die Maschine
der SANSA kam zu spät an, so dass der Start nach San José erst um 10:50 Uhr
stattfand. Da es in der Nähe des Flughafens nicht viel zum Besichtigen gibt, wurde die
Zeit bis zum Abflug recht lang und ich versuchte auf einer der schmalen Holzbänke
des "Flughafengebäudes" zu schlafen - leider mit wenig Erfolg. Erst als kurz vor dem
Abflug weitere Passagiere eintrafen, gab es wieder etwas zu tun: Leute beobachten. Obwohl
ich Vögel als Studienobjekte an sich vorziehe.
Von meinem Fensterplatz aus konnte ich während des 40-minütigen Fluges von
Palmar Sur nach San José die ungewöhnliche Perspektive genießen. Einige
unter mir liegende Gegenden habe ich erkannt, weil ich sie während meiner Reise
besucht hatte. So sah ich beispielsweise die "Nervenkitzelbrücke" vom 6. Februar aus
der Luft. Am meisten begeisterte mich aber ein völlig unberührter Strandabschnitt,
auf dem der Ozean bei der letzten Flut mit seinen Wellen ein erstaunlich gleichförmiges
Muster erzeugt hatte. Der gesamte Flug verlief ruhig und auch die Landung in San José
war ausgesprochen sanft. Mit einem Taxi fuhr ich ins Hotel "El Sesteo", welches mir schon vom
ersten Abend in Costa Rica bekannt war.
Nach einer kurzen Verschnaufpause und einem kleinen Snack machte ich mich am frühen
Nachmittag auf den Weg in die Innenstadt von San José. Ich ermüdete rasch, weil mir
noch immer der Bauch schmerzte. Die vielen Autos, die Abgase und das fortwährende Hupkonzert
gefielen mir nicht und ich sehnte mich zurück in den Regenwald, der nur von natürlichen
Geräuschen durchdrungen wird. Meinen letzten Abend in Costa Rica verbrachte ich in meinem
Hotelzimmer in Erinnerungen schwelgend, wobei ich zwei kleine Mangos als Abendessen verspeiste.
Am 12. Februar flog ich über Miami und Madrid zurück nach Düsseldorf.
Danksagung
Diese Rundreise durch Costa Rica hat mir Wunder der Natur offenbart, die ich zuvor kaum für
möglich gehalten habe. Geradezu verzaubert haben mich die vielen herrlichen Eindrücke,
die ich zu einem nicht unerheblichen Teil den drei Mapache-Tours-Mitarbeitern zu verdanken habe, die meine
Reisegruppe begleitet haben. ¡Muchas gracias para todo, Jonathan, Eduardo y Leandro!
Außerdem möchte ich mich bei meinen Mitreisenden bedanken. Angela, Jonny,
Ulla, Werner, Willi, Christian, Inge, Gerd, Ferdinand, Nellie, Hans, Christina und Reinhild,
ihr habt diese Reise maßgeblich mitgestaltet und damit zu etwas ganz Besonderem gemacht.
Zuletzt möchte ich mich bei Rainer Stoll von
Travel-to-nature GmbH
dafür bedanken, dass
er mit seinem Unternehmen diese phantastischen Erlebnisse überhaupt erst ermöglicht
hat.
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