Costa RicaOsa-Halbinsel (Poor Man's Paradise)
 

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          Übersichtskarte Osa-Halbinsel Es finden sich in Costa Rica viele Orte, die das Attribut "abgeschieden" verdienen. Wer Ruhe, Beschaulichkeit und extreme Abgeschiedenheit sucht, kann beispielsweise ins Poor Man's Paradise in der Nähe der Bahía Drake reisen, einem Hotel der besonderen Art auf der Osa-Halbinsel. Diese Halbinsel liegt im Südwesten des Landes und gehört zu den heißesten und gleichzeitig regenreichsten Gegenden Costa Ricas. Während meines Aufenthaltes auf der Osa-Halbinsel lagen die Temperaturen weit jenseits der 30-Grad-Celsius-Marke. Dabei herrschte eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit - eine direkte Folge der ergiebigen Niederschläge. Weite Teile der Natur sind auf der Osa-Halbinsel geschützt. Der Corcovado-Nationalpark umfasst eine Landfläche von 54.539 Hektar sowie 2.400 Hektar Wasserfläche. Damit ist das Schutzgebiet das zweitgrößte des Landes; gegründet wurde es am 24. Oktober 1975.

Sierpe, der Ausgangspunkt für die Reise zur Osa-Halbinsel Der Weg zur Osa-Halbinsel oder genauer gesagt zum PMP, wie das kleine Ökohotel der Einfachheit halber genannt wird, führt über das Dorf Sierpe, welches am gleichnamigen Fluss liegt. Sierpe ist so winzig, dass man die dort vorhandenen Unterkünfte an einer Hand abzählen kann. Auch die Wohnhäuser sind nicht besonders zahlreich. In der Abbildung in diesem Absatz ist eine der beiden Hauptstraßen der Ortschaft zu sehen. Ohne Auto ist man als Tico an diesem entlegenen Ort vermutlich mitunter ziemlich arm dran.

Schneesichler im Flug über dem Río Sierpe Für die Weiterreise zur Drake Bay - so lautet der englische Name der Bahía Drake - ist Sierpe trotz der geringen Größe der Dreh- und Angelpunkt. Meist sind es die Besitzer oder Mitarbeiter der Hotels an der Drake-Bucht, die ihre Gäste mit Booten dort abholen. Dies galt auch für mich, ich fuhr zusammen mit vier Kanadierinnen und meiner Mitreisenden per Boot ins PMP, dessen Inhaber unsere motorisierte "Nussschale" über den Río Sierpe und anschließend über den Pazifik steuerte. Der Fluss selbst fließt träge dahin und auf dem braunen Wasser schwimmen Flöße aus Wasserpflanzen. Mitunter überfliegen Vogelschwärme den Fluss, das Foto in diesem Absatz zeigt einen Schwarm Schneesichler.

Die Oberfläche des Flusses ist mancherorts spiegelglatt und bietet ästhetische Fotomotive, wenn das Wasser die grünen Ufer und die Wolken reflektiert. Weite Teile des Río Sierpe sind von Mangroven gesäumt, siehe Foto unten links.

Mangroven am Ufer des Río Sierpe    Der sanft fließende Río Sierpe
Mangroven                                       Río Sierpe

Felsen im Mündungsbereich des Río Sierpe Die verhältnismäßig ruhige Fahrt über den Fluss dauert etwa 30 bis 40 Minuten. Dann wird es merklich turbulenter, denn an der Mündung des Flusses in den Pazifik treffen Wassermassen aufeinander, die bei manchen Gezeitenständen in entgegengesetzte Richtungen streben. Hat man diesen aufgewühlten Abschnitt passiert, schaukeln einen für die nächsten rund 20 bis 30 Minuten die Wellen des Pazifiks durch. Vorbei geht die Fahrt an Felsen, die aus dem Wasser ragen und auf denen sich mitunter Braunpelikane und andere Seevögel ausruhen.

Paradies am Ende der (costa-ricanischen) Welt Fast alle neu eintreffenden Gäste erleben ihre Ankunft im PMP als - im wahrsten Sinne des Wortes - erschütternd. Im einen Moment scheint die Welt noch in Ordnung und der Fahrtwind des Bootes lindert die Hitze der Tropensonne. Und dann schwenkt das Boot plötzlich herum, um direkt auf den Sandstrand zuzurasen. Bevor man überhaupt begriffen hat, wie einem geschieht, wird man kräftig durchgeschüttelt und das Boot kommt auf dem Traumstrand zum Stehen. So landet man in der Bahía Drake. Das Schild über dem Eingang zum Hotelgelände verheißt Gutes: Man ist tatsächlich im Paradies am Ende der costa-ricanischen Welt angekommen.

Die Wahrzeichen des PMP Nicht nur auf dem Schild sind Hellrote Aras zu sehen. Viele dieser bunten, majestätischen Vögel fliegen laut krächzend über das idyllische Gelände des Hotels für "arme Leute" hinweg. Einst baute ein Tico an jener Stelle ein Zelt für Reisende auf, die diesen ebenso abgelegen wie malerischen Ort in unmittelbarer Nachbarschaft des Corcovado-Nationalparks besuchen wollten. Aus einem Zelt wurden mehrere, aus einfachen Stoffzelten wurden Zelte, die von leichten Dächern vor allzu heftigen Regengüssen geschützt wurdenund letztlich kamen noch kleine, einfache Holzbungalows dazu, die auf Stelzen stehen.

Der Speisesaal des Poor Man's Paradise Zwar sind die Unterkünfte teils recht einfach, aber die zauberhafte Umgebung macht den einige Minuten langen Fußweg zur nächsten Toilette wett. In den Holzbungalows sind übrigens einfache sanitäre Einrichtungen enthalten, man spart sich also nächtliche Wanderungen bei Taschenlampenschein zum Toilettenhäuschen. Taschenlampen sind ein wichtiges Stichwort. Nur etwa drei Stunden pro Tag liefert ein Generator Strom. Kurz nachdem die Sonne untergegangen ist - dies geschieht meist gegen 18 Uhr -, gibt's bis 21 Uhr Licht, so dass man im nebenstehend abgebildeten Speisesaal nicht im Dunkeln nach seinem Essen suchen muss. Die Verpflegung ist landestypisch und leckerund nach Absprache mit dem Küchenteam sogar für Vegetarier problemlos genießbar.

Traumstrand am Poor Man's Paradise Viele sandige Küstenabschnitte dieser Welt werden gern als "Traumstrände" bezeichnet. So mancher Strand mag ja in der Tat ganz hübsch sein. Mit der überwältigend schönen Bucht, an der das PMP liegt, können es aber nur die allerwenigsten anderen Strände aufnehmen. Vor allem bei Ebbe begeisterte mich der breite Strand mit den Spiegelungen der Wolken und des Himmels, die das Wasser zauberte. Bei Flut eignet sich die Bucht bestens zum Baden. Eine Abkühlung sollte man sich davon allerdings nicht erhoffen. Als ich in der PMP-Bucht im Pazifik baden ging, war das Wasser mindestens 27 Grad Celsius warm.

Blick auf den Corcovado-Nationalpark am Abend Die Strahlen der am Horizont verschwindenden Sonne tauchen die Bucht Abend für Abend in ein phantastisches Licht. Auf dem Foto zeichnen sich im Hintergrund die Regenwald-Bäume des Corcovado-Reservats schwarz vor dem pastellfarbenen Abendhimmel ab, der an sich braune Sandstrand wirkt rötlich. Mitunter traben Pferde am Abend übermütig am Strand entlang. Tagsüber kann man auf den Tieren ausreiten, abends dürfen sie sich manchmal ohne Reiter austoben. Ansonsten hat man den Strand praktisch für sich allein, wenn man einmal von den anderen Gästen des PMP absieht. An diesem abgeschiedenen Ort ist es nach dem Sonnenuntergang dermaßen dunkel, dass sich das Licht heller Sterne oder des Planeten Venus im Meer spiegelt. Etwas Vergleichbares habe ich bisher an keinem anderen Ort der Welt gesehen.

Grünes Hinterland der Osa-Halbinsel im Morgennebel Das Hinterland des PMP hat vor allem in den frühen Morgenstunden seine ganz besonderen Reize. Wenn die Sonne ihre ersten Strahlen auf den feuchten Wald schickt, sieht man Nebelschwaden zwischen der üppigen Vegetation hängen. Viele unterschiedliche Vogelarten begrüßen mit ihrem Gesang den Tag oder setzen sich wie die rechts gezeigten Graukopfguane dekorativ auf einen Baum. Ein Spaziergang kurz nach Sonnenaufgang sei jedem Naturfreund ans Herz gelegt, denn in der relativ kühlen Zeit des Tages lässt sich der steile Anstieg hinter dem Hotelgelände erheblich leichter bewältigen als beispielsweise am Mittag.

Lagune am Poor Man's Paradise Während meiner Costa-Rica-Rundreise habe ich viele schöne Plätze besucht. Zusammen mit dem Flussufer des Sarapiquí an der Selva Verde Lodge belegt die rechts gezeigte Lagune des PMP für mich persönlich den ersten Platz. Abgesehen davon, dass ich an jener Stelle Tiere wie Schmetterlinge, Grünfischer, Mangroveschwalben oder sogar den Neotropischen Fischotter beobachtet habe, waren die Spiegelungen der Palmen im völlig ruhigen Wasser unbeschreiblich fotogen. Wie ich nach meiner Reise erfuhr, soll es in dieser Lagune auch Krokodilkaimane geben. Ich habe dort selbst jedoch keine zu Gesicht bekommen.

Palmentangare bei der Nahrungsaufnahme Ein weiterer Lieblingsplatz war für mich der Bereich rund um einen bestimmten Baum auf dem Hotelgelände. Dieser Baum, dessen Name mir leider nicht bekannt ist, trug im Februar Früchte, die unzählige Vögel anlockten. Innerhalb einer Stunde, die ich bequem im Gras sitzend verbracht habe, konnte ich knapp 30 verschiedene Vogelarten dabei beobachten, wie sie sich an den kleinen grünen Beeren gütlich taten. Das Foto rechts zeigt eine Palmentangare beim Mittagessen. Für Vogelbeobachter ist ein Aufenthalt im PMP meiner Meinung nach sehr empfehlenswert. Die Artenvielfalt ist nicht nur dank jener Früchte tragenden Bäume enorm. Auch die unmittelbare Nähe des Corcovado-Nationalparks dürfte eine große Rolle spielen. Und Hand aufs Herz: Welcher Vogelfreund würde nicht gern einmal von seinem Hotelbett aus frei fliegende Hellrote Aras sehen? Im PMP, das ich persönlich auch als BWP (Birdwatcher's Paradise) bezeichnen würde, ist so etwas mit ein wenig Glück durchaus möglich.

 
                 

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