Etwa 230 Säugetierarten sind in Costa Rica heimisch - eine überwältigend
große Zahl, sollte man meinen. Viele dieser Tiere führen ihr
Leben aber im Verborgenen oder sind gar nur nachts aktiv. Man
sollte sich also nicht der Illusion hingeben, dass man während
einer Reise durch Costa Rica allerorten spektakuläre Tiere wie den
Jaguar oder den Mittelamerikanischen Katzenfrett zu Gesicht
bekommt. Zu solchen Beobachtungen gehört schon geradezu unverschämt
viel Glück. (Foto rechts: Weißrüsselbären in der Nähe des
Arenal-Nationalparks)
Wer sich ein wenig mit der Lebensweise der Tiere auskennt, dem
dürfte es aber beispielsweise problemlos gelingen, Affen aufzuspüren.
Auch Hörnchen lassen sich vergleichsweise oft blicken, ebenso einige
andere Säuger wie die nachtaktiven Fledermäuse.
In diesem Kapitel finden sich Fotos fast aller von mir
beobachteten Säugetierarten, lediglich die nachts umher fliegenden
Fledermäuse habe ich nicht ablichten können. Ein paar tagsüber
schlafende Fledermäuse habe ich allerdings durchaus fotografieren können.
Bisher ist es mir
leider nicht möglich gewesen, jede der auf dieser Seite gezeigten
Säugetierart zu identifizieren. Über Hilfe bei der Bestimmung
würde ich mich sehr freuen, Namensnennungen per
E-Mail
sind stets willkommen. Die bisherige Bestimmungsarbeit erfolgte mit Hilfe
eines Naturreiseführers für Mexiko, Costa Rica und Mittelamerika
aus dem Kosmos-Verlag sowie mittels diverser Websites und freiwilliger Helfer, bei denen
ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte. Irrtümer sind
trotz aller Sorgfalt freilich nicht ausgeschlossen. In Klammern finden Sie
hinter jeder Kurzbeschreibung einen Hinweis darauf, wo das
jeweilige Foto entstanden ist.
Berghörnchen (Central-American Montane Squirrel, Syntheosciurus brochus)
Wie es der Name bereits vermuten lässt, leben Berghörnchen
bis in größere Höhen als die anderen Hörnchenarten Costa Ricas.
Berghörnchen sind bis zu 25 Zentimeter lang, tragen einen maximal
22 Zentimeter langen Schwanz und leben von der Küste bis in
Höhenlagen von 2.600 Meter. Besonders gern halten sich die
Tiere, deren Merkmal ihr extrem buschiger Schwanz ist, in Berg- und Nebelwäldern
auf, aber auch in Tieflandregenwäldern und in sonstigen Baumbeständen
trifft man sie an. Das Fell ist am gesamten Körper rötlich gefärbt,
selten auch grau-braun. Am Tage kann man diese Tiere oft
in Bäumen dabei beobachten, wie sie Früchte und Samen aller
Art zu sich nehmen. (Foto: Bahía Drake/Osa-Halbinsel)
Mantelbrüllaffe (Mantled Howler Monkey, Alouatta palliata)
Ihr röhrendes Geschrei ist unüberhörbar - daher der Name
Brüllaffe. Wenn diese Tiere einmal loslegen, dann ist der
Name wahrlich Programm. Vor allem in der Zeit vor Sonnenaufgang,
aber auch am Tage hört man die Rufe dieser Baumbewohner durch
die Wälder schallen. Mancherorts sind sie ein hervorragender
Weckruf, sofern man vor Sonnenaufgang aufstehen möchte. Den
Schwanz nicht mitgerechnet, sind Mantelbrüllaffen bis zu
63 Zentimeter groß, die Schwanzlänge beträgt maximal 67
Zentimeter. Die Unterseite des Greifschwanzes ist haarlos und
mit schwarzer, ledrig wirkender Haut bedeckt. Das Fell der Tiere
ist schwarz oder braun, an den Flanken tragen die Affen lange
goldfarbene oder hellbraune Fransen. So manches besonders stattliches
Männchen bringt ein Gewicht von bis zu zehn Kilogramm auf die Waage.
Immergrüne Regenwälder sind ihre Heimat, sie halten sich dort gern
relativ weit oben in den Bäumen auf. In der Abbildung rechts ist
ein Tier zu sehen, das auf der breiten Krone eines Urwaldbaumes lag
und in der Sonne döste. Mir gelang diese Beobachtung während meiner
Wanderung über eine Hängebrücke im Kronendach des Waldgebietes.
Nicht nur in Bäumen, sondern auch an Flussläufen sind Mantelbrüllaffen
oft anzutreffen. Da die Tiere tagaktiv sind, kann man sie leicht beobachten.
Sie sind friedlich und leben in gemischtgeschlechtlichen
Gruppen von bis zu 30 Mitgliedern, in denen sie teils sehr innige soziale
Kontakte pflegen. (Foto oben: Arenal-Nationalpark, Foto unten: Santa Elena)
Mittelamerikanisches Aguti (Central American Agouti, Dasyprocta punctata)
Sie sehen ein wenig aus wie viel zu groß geratene, kurz
behaarte Meerschweinchen. Mittelamerikanische Agutis sind
scheue tagaktive Waldbewohner, die sich hauptsächlich von
Früchten ernähren. Von der Nasenspitze bis zum Hinterteil
messen große Exemplare bis zu etwa 50 Zentimeter. Gerade
einmal drei Zentimeter lang ist der Schwanz eines ausgewachsenen
Agutis, auch die Ohren sind sehr klein. Das Fell ist kurz,
glänzend und wirkt recht derb; es ist bräunlich bis rötlich-braun
gefärbt. Vorne tragen die Füße vier Zehen, die hinteren Füße
nur drei. Manche Literaturquellen bezeichnen diese Tiere auch
als Goldhasen. Weil Agutis Früchte und
Samen in Löchern vergraben und auf diese Weise Vorräte anlegen,
tragen sie maßgeblich zur Verbreitung vieler Pflanzenarten bei.
(Foto: Santa Elena/Finca Ecológica)
Neotropischer Fischotter (Neotropical Otter, Lontra longicaudis)
In Costa Rica und in anderen Teilen ihres Verbreitungsgebiets sind die
Neotropischen Fischotter meist nur selten zu sehen, denn sie sind sehr
scheu. Sie sind 80 Zentimeter lang, tragen ein dunkelbraunes
Fell, das sehr dicht und Wasser abweisend ist. Ihre Beine sind
kurz und zwischen ihren Zehen befinden sich Schwimmhäute. Mit
diesen Schwimmhäuten und mit Hilfe des muskulösen Schwimmschwanzes
bewegen sie sich scheinbar mühelos durch das Wasser. Die Tiere
bevorzugen rasch fließende Gewässer als Jagdreviere. Neben Fischen
stehen auch Krustentiere auf ihrem Speisezettel. (Foto: Bahía
Drake/Osa-Halbinsel)
Roter Spießhirsch (Red Brocket Deer, Mazama americana)
Flussauen sowie Dickichte von Wäldern in der Nähe von Flussläufen
sind die bevorzugten Aufenthaltsorte der Roten Spießhirsche. Diese
bis zu 130 Zentimeter langen, tagaktiven Tiere tragen kurze
Schwänze, deren Länge maximal 15 Zentimeter beträgt. Ihre
Spieße (Geweihe) sind ebenfalls kurz, sie werden
bis zu 13 Zentimeter lang. Zu jeder beliebigen Jahreszeit
können die Tiere ihre Spieße abwerfen. Das Fell dieser ungeselligen
Säugetierart ist rotbraun gefärbt. Blätter, Früchte und auch
Gras stehen auf dem Speiseplan dieser kleinen Hirschart, deren
Schulterhöhe maximal 70 Zentimeter beträgt. (Foto: Río Tárcoles)
Rotrücken-Totenkopfaffe (Red-backed Squirrel Monkey, Saimiri oerstedii)
Eine der am stärksten bedrohten Tierarten Costa Ricas lebt nahezu nur
noch im Bereich des Manuel-Antonio-Nationalparks: der
Rotrücken-Totenkopfaffe. Diese zierlichen Affen sind vom
Kopf bis zum Hinterteil nur maximal 33 Zentimeter lang, der
Schwanz der Tiere misst bis zu 44 Zentimeter. Die zierlichen Affen sind tagaktiv,
sehr sozial und sie stecken voller Tatendrang. Ich konnte
sie oft dabei beobachten, wie sie miteinander durch die Bäume
tobten. Diese Art ist die kleinste Affenspezies des Landes und
allein schon dadurch recht leicht zu identifizieren. Sehr
auffällig ist ihr goldgelbes Fell am Rücken, im Gesicht und
am Bauch tragen sie weißes Fell. Der Oberkopf ist dunkelgrau,
was ihren Schädeln das Aussehen von Totenköpfen verleiht, woher
auch der wenig schmeichelhafte Name dieser niedlichen Tierart
rührt. Dichte, feuchte und intakte Regenwälder sind ihre
Heimat, da sie nur dort genügend Nahrung und Versteckmöglichkeiten
finden. In manchen Büchern werden die Tiere auch
Gelbe Totenkopfäffchen genannt. (Fotos: Quepos)
Sackflügelfledermaus (Greater White-lined Bat, Saccopteryx bilineata)
Über 100 unterschiedliche Fledermausarten sind in Costa
Rica heimisch. Allein schon aufgrund dieser großen Zahl, aber
auch deshalb, weil die Tiere nachtaktiv sind, ist es ausgesprochen
schwierig, sie zu identifizieren. Das Foto rechts zeigt einige
Sackflügelfledermäuse, die ich von einem Boot aus am Schlafbaum fotografiert
habe. Die Tiere hingen wie auf einer unsichtbaren Perlenkette aufgereiht
übereinander am Baumstamm, der direkt am Ufer des Río Frío stand. Sie
waren etwa fünf Zentimeter groß und wie fast alle Fledermäuse
dunkelbraun gefärbt, auf ihrem Rücken verliefen helle, gezackte Streifen.
Manche Quellen bezeichnen diese nur sieben Gramm schweren Tiere im Deutschen auch als
Zweistreifen-Taschenfledermäuse. Meist rasten die Tiere in Harems, also
kleinen Gruppen von bis zu neun Weibchen und nur einem Männchen. (Foto:
Río Frío)
Weißgesicht-Kapuzineraffe (White-faced Capuchin, Cebus capucinus)
In Waldgebieten in nahezu ganz Costa Rica trifft man die tagaktiven
Weißgesicht-Kapuzineraffen recht häufig an. Diese friedliche und
wenig scheue Affenart ist an ihrem weißen Oberkörper und Gesicht
zu erkennen. Der Oberkopf sowie der Unterkörper tragen dunkles
Fell. Die Schwanzspitze, die Hände und die Füße sind heller
gefärbt als der Rest des Körpers. Sitzend sind diese Affen bis
zu 46 Zentimeter hoch, der Schwanz erreicht bei vielen Tieren eine Länge von bis zu
50 Zentimeter. Vom Boden bis zu den Kronen der Bäume trifft man
diese Affen überall an, am Boden bewegen sie sich meist hüpfend
fort. Sie leben in Gruppen von bis zu 30 Individuen zusammen.
(Foto: Manuel Antonio)
Weißrüsselbär (White-nosed Coati, Nasua narica)
Von der Nasenspitze bis zum Hinterteil messen diese Tiere bis
zu 66 Zentimeter. Ihr Schwanz, den sie gern steil nach oben
gestreckt tragen, kann bis zu 68 Zentimeter lang werden. Weißrüsselbären,
die auch Nasenbären genannt werden, kommen in
Costa Rica in Wäldern, Halbwüsten und in Felslandschaften mit
Dickichtbeständen vor. Sie sind tagaktiv und halten sich ebenso
auf dem Boden wie in den Wipfeln von Bäumen auf. Meist trifft man
sie in Gruppen an, die aus erwachsenen Weibchen und mehreren Jungtieren
unterschiedlicher Altersstufen bestehen. Außerhalb der Fortpflanzungszeit
durchstreifen die Männchen einzelgängerisch ihr Verbreitungsgebiet.
Ein unverkennbares Körpermerkmal dieser Tierart ist die lange,
rüsselartig anmutende Nase. Im Gesicht tragen sie ein charakteristisches
weißes Muster, das Fell am Körper ist schokoladenbraun und der Schwanz
mit hellbraunen Balken durchsetzt. (Foto: Arenal-Nationalpark)
Zebu-Rind
Vielerorts werden in Costa Rica Nutztiere gehalten. Unter den
Rindern sind die ursprünglich aus Indien stammenden Zebus
besonders beliebt, weil sie das tropische Klima bestens vertragen
und robust sind. Zu erkennen sind Zebu-Rinder an dem für sie
charakteristischen Buckel zwischen den Schultern. Der Hautlappen
am Hals dieser Rinderart ist besonders stark ausgeprägt. In Asien kommen
mehrere Zebu-Rassen vor, sie sind allesamt vom Menschen gezüchtet
worden. Auch in Costa Rica trifft man auf unterschiedliche Rassen,
meist sieht man aber die mächtigen Nellore-Zebus, die ein wenig
größer sind als die europäischen schwarz-weißen Rinder. (Foto: Playa Tortuga)
Unbestimmte Hörnchenart Nr. 1
Mehrere Hörnchenarten kommen in Costa Rica vor, so dass man nicht immer
gleich weiß, mit welcher Spezies man es zu tun hat. Ein wichtiger Hinweis
ist in diesem Zusammenhang der Ort, an dem man ein bestimmtes Tier
beobachtet hat. Das rechts gezeigte Tier hielt sich in einem dichten
sekundären Waldgebiet auf, in dem es viele Versteckmöglichkeiten gab. Das Hörnchen
war rotbraun gefärbt, der Farbton war recht dunkel. Der Schwanz
war sehr buschig und wies graue Spitzen an den einzelnen Haaren auf.
Der Körper des Tieres war etwa 25 Zentimeter lang, der Schwanz
maß knapp 20 Zentimeter. (Foto: Fortuna/Schutzgebiet des Ojoche-Projektes)
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