Um es gleich vorweg zu schicken: In diesem Kapitel sind
keineswegs nur Insekten abgebildet. An sich müsste die
Kapitelbezeichnung "Gliederfüßer" heißen, wenn sie wissenschaftlich
korrekt sein sollte. Dieser Begriff ist aber nur den wenigsten
Menschen vertraut und er klingt zudem schrecklich sperrig.
Deshalb habe ich stellvertretend für die vielen
Tiere aus dem Stamm der Gliederfüßer die Insekten als Namensgeber
für dieses Kapitel ausgewählt. Die ebenfalls zu den Gliederfüßern
gehörenden Krebstiere habe ich aus praktischen Gründen zu den
Schildkröten ausgelagert, davon sind nämlich leider nur zwei
Arten im entsprechenden Kapitel vertreten.
Leider ist es mir bisher nicht gelungen, sämtliche in diesem
Kapitel gezeigten Tierarten zu bestimmen. Über Hilfe beim
Identifizieren würde ich mich deshalb sehr freuen.
Namensnennungen per E-Mail
sind immer willkommen! Die bisherige Bestimmungsarbeit erfolgte mit Hilfe
eines Naturreiseführers für Mexiko, Costa Rica und Mittelamerika
aus dem Kosmos-Verlag sowie mittels einiger Websites. Irrtümer sind
dabei freilich nicht ausgeschlossen. In Klammern finden Sie
hinter jeder Kurzbeschreibung einen Hinweis darauf, wo das
jeweilige Foto entstanden ist.
Skorpion (Tityus asthenes, Männchen)
Der Anblick eines Skorpions flößt den meisten Menschen zumindest
Respekt ein, viele Zeitgenossen werden angesichts dieser Tiere
sogar von nackter Angst ergriffen. Ganz so schlimm wie ihr
Ruf sind die meisten Skorpionsarten jedoch nicht. Ihr Gift
kann zwar allergische Reaktionen auslösen, die nicht ungefährlich
sind, aber tödlich sind die Stiche vieler Spezies nicht.
Trotzdem sollte man in Costa Rica seine Schuhe nachts nicht auf
den Boden stellen und zudem am nächsten Morgen vorsichtshalber
gründlich nachschauen, ob sich eventuell ein Skorpion häuslich
darin eingerichtet hat. Mehrere verschiedene Arten dieser Tiere
kommen in fast ganz Mittelamerika vor. Das in diesem Absatz gezeigte
Tier war - seinen aufgerollten Schwanz mitgerechnet - etwa vier
Zentimeter lang, also relativ zierlich. Es stattete meinen Mitreisenden
nachts einen Besuch in ihrer Unterkunft ab, die in der Nähe eines
kleinen Flusslaufs und inmitten dichter Vegetation gelegen war.
Der Skorpion war dunkelbraun gefärbt, er wirkte fast schwarz.
(Foto: Nähe Carara-Nationalpark)
Weberknecht-Art (genaue Art bisher nicht bestimmt)
Auf der gesamten Welt kommen viele verschiedene Weberknecht-Arten vor. In
Costa Rica habe ich die nebenstehend gezeigte Spezies in einem
Waldstück in der Nähe des Río Sarapiquí beobachtet. Die Verwandten der
Spinnen bildeten stets Gruppen, wobei die Anzahl der Individuen bei
mindestens 50 lag. Besonders beeindruckend fand ich die Ansammlung
tausender dieser Tiere an einem einzigen Baum. Sie drängten sich auf dem Baumstamm
dicht an dicht und vibrierten ständig. Das heißt, sie
wippten auf und ab, was dazu dient, Fressfeinde zu verwirren. Der
Baumstamm war bis in etwa vier Meter Höhe mit einer
wabernden Masse aus Weberknecht-Leibern bedeckt - ein
beeindruckender Anblick! Opiliones, so heißt die Ordnung der
Weberknechte, bauen keine Netze. Die Tiere erbeuten ihre
Nahrung, also Insekten wie Wanzen oder Milben, indem sie
sie verfolgen und einfangen. (Foto: Selva Verde)
Spinne (Spider, Phoneutria sp.)
Sie zählen für viele Menschen zu den absoluten Alptraumtieren:
Spinnen. In Costa Rica sind gleich mehrere recht große Arten heimisch,
allerdings bekommt man sie in aller Regel nicht so leicht zu
Gesicht, denn die Tiere sind normalerweise ausgesprochen scheu. Das rechts gezeigte
Tier gehört der Gattung Phoneutria an, eventuell handelt es sich
um Phoneutria nigriventer, also um eine Bananenspinne. Phoneutria-Spinnen
sind extrem giftig und es ist nicht ratsam, sie zu berühren. Das Tier auf dem
Foto saß auf der Hand eines Experten, der das Risiko kannte. Das
Berühren von Spinnen ist für Laien extrem gefährlich! Die
Tiere sind normalerweise äußerst aggressiv und beißen bei der geringsten
Reizung zu. Deshalb sollte in Costa Rica gelten: Niemals eine Spinne berühren, sie
könnte giftig und angriffslustig sein. (Foto: Fortuna/Schutzgebiet des Ojoche-Projektes)
Radnetzspinne (Golden Orb Spider, Nephilia clavipes)
Die Netze der Radnetzspinnen sind faszinierend schöne
Gebilde. Anders als die Seidenfäden anderer Spinnenarten sind
diejenigen der Radnetzspinnen nicht grauweiß, sondern golden
gefärbt. Aus diesem Grunde werden die Tiere auch
Goldseidenspinnen genannt. Die Körper
der Weibchen sind 3,4 Zentimeter lang, inklusive ihrer Beine
sind sie noch erheblich größer. Männchen messen hingegen
nur neun Millimeter. In der nebenstehenden Abbildung ist ein
Weibchen zu sehen. Nicht nur an ihren goldenen Netzen kann
man die Tiere erkennen. Die Beine der Weibchen zieren gelbe
Streifen; die beiden vorderen Beinpaare und das hintere Paar
tragen auffällige, schwarze Haarbüschel.
Die zylindrischen Hinterleiber sind gelb gepunktet. Mit ihren
im Durchmesser bis zu zwei Meter großen Netzen erbeuten die
Spinnen alles, was sich darin verfängt. Auch Kolibris und
kleine Fledermäuse sind in den stabilen Fadengebilden schon zu Tode
gekommen. Jede Nacht weben die Spinnen neue Netze, wobei
sie sich voll und ganz auf ihren besonders empfindlichen
Tastsinn verlassen. (Foto: Manuel Antonio)
Stachelspinne (Spinybacked Orb Weaver, Gasteracantha cancriformis)
In Costa Rica habe ich viele Insekten beobachtet. Besonders
fasziniert hat mich die rechts gezeigte Stachelspinne, bei deren Anblick ich
zunächst dachte, es würde sich um eine Wanze handeln. Die Spinne war
etwa einen Zentimeter breit und rund vier Millimeter
lang, wodurch sie sich unmissverständlich als Weibchen ihrer Art zu erkennen gab,
denn die Männchen werden nur zwei bis drei Millimeter groß. Obwohl dieses Tier
kaum wie eine Spinne aussieht, so gehört es doch zu
den Radnetzspinnen. Der Kopf ist in der Abbildung oben zu sehen, er
zeigt in etwa auf ein Uhr. Der Rücken war cremeweiß und trug
neben schwarzen Dornfortsätzen, die sich am Rand befanden und rötliche
Spitzen aufwiesenund darüber hinaus zeigte das Tier das für die Art typische schwarzes Muster.
Diese Maserung ist nicht nur erheblich dunkler gefärbt als der Untergrund,
sondern variiert überdies die Oberflächenstruktur des ansonsten glatten
Rückens. (Foto: Bahía Drake/Osa-Halbinsel)
Hundertfüßer (Python Millipede, Nyssodesmus python)
Eine stattliche Größe von bis zu zehn Zentimeter kann diese Hundertfüßerart
erreichen, deren deutscher Name mir nicht bekannt ist. In den Regenwäldern Costa Ricas ist
diese Spezies recht häufig anzutreffen. Allein schon aufgrund ihrer Körpergröße
sind die Tiere leicht zu finden. Sie halten sich nicht nur am Boden auf, sondern erklimmen
auch kleine Bäume (Äste) oder robuste Blühpflanzen. Meist begegnet man diesen
Hundertfüßern paarweise, die Männchen scheinen auf den Weibchen zu
"reiten", siehe Foto ganz oben rechts auf dieser Seite. Der Grund für dieses Verhalten
liegt darin, dass die Männchen auf diese Weise ihre Weibchen sehr effizient davon abhalten,
sich mit anderen Geschlechtspartnern zu paaren. Die eigentliche Kopulation dauert maximal
einige Stunden, die Männchen bleiben jedoch mehrere Tage auf dem Rücken der Weibchen,
um ihre Vaterschaft sicherzustellen. Da die Tiere recht auffällig sind, sind sie ständig
in Gefahr, gefressen zu werden. Deshalb sondern sie ein giftiges Sekret ab, das Fressfeinde von
ihrem Vorhaben abhalten soll. Hinzu kommt, dass ihr Exoskelett, also der Panzer, aus relativ
hartem Material besteht, was sie zu einer schlechter verdaulichen Beute als andere Hundertfüßerarten
macht. (Foto: Carara-Nationalpark)
Tropidacris cristata
Von wahrhaft stattlicher Größe war dieses Insekt, dessen deutscher Name
mir leider nicht bekannt ist. Sein
Körper maß etwa 15 Zentimeter in der Länge und rund zwei
Zentimeter an der breitesten Stelle. Das hintere der
drei Beinpaare war besonders kräftig und lang, außerdem
war es mit vielen kleinen Haken besetzt. Die Fühler waren
relativ zum Körper vergleichsweise kurz (etwa vier
Zentimeter), dünn und schwarz gefärbt. Vormittags gegen
elf Uhr entdeckte ich das Tier auf einer Hecke, es saß
im Sonnenlicht und schien sich dabei nicht unwohl zu
fühlen. (Foto: Quepos)
Fangschrecke (Mantis, Rhombodera sp.)
Ausgesprochen bemerkenswerte Tiere sind die Fangschrecken.
Selbst wenn man direkt vor einem dieser durchschnittlich sechs bis acht Zentimeter
langen Jäger steht, so nimmt man das Tier meist erst dann
wahr, wenn es sich bewegt. Die perfekt getarnten Verwandten der Gottesanbeterin,
die als einzige Fangschrecke auch in Deutschland vorkommt,
lauern in Gebüschen und in hohem Gras reglos ihrer Beute auf
und schlagen im entscheidenden Moment zu, indem sie mit ihren
Greifarmen blitzschnell nach dem Opfer greifen. Was die meist
blattgrün gefärbten Fangschrecken erst einmal in ihren
Fängen haben, entwischt ihnen normalerweise nicht wieder. Sie jagen Insekten,
die durchaus so groß wie sie selbst sein können. In diesem Absatz ist
eine Rhombodera sp. zu sehen, der breite Halsschild ist ein typisches Merkmal
hierfür. (Foto: Selva Verde)
Blattschneiderameise (Leaf-cutting Ant, Atta cephalotes)
Die meisten Ameisenstraßen erkennt man nicht, wenn nicht
gerade viele Tiere auf ihnen unterwegs sind. Und selbst dann
muss man mitunter sehr genau hinschauen, weil Ameisen für
gewöhnlich recht kleine Tiere sind. Ganz anders verhält es
sich bei den nahezu überall in Costa Ricas Wäldern
vorkommenden Blattschneiderameisen.
Ihre Straßen, siehe Abbildung neben diesen Zeilen, sind besonders
auffällig, da die Tiere mit Gepäck über die für uns
nicht sichtbar markierten Wege wandeln. Sie tragen Blattstücke oder
andere Pflanzenteile in ihre Nester, wobei ihre Last
mitunter deutlich größer ist als sie selbst. Die Tiere sind
zwischen zehn und 15 Millimeter lang und rotbraun gefärbt.
In ihren Nestern, die bis zu sechs Meter unter der Erde
liegen, häufen die kleinen Insekten die von ihnen aus der
Vegetation geschnittenen Pflanzenteile zu "Komposthaufen" an,
auf denen sie einen bestimmten Pilz züchten. Dieser Pilz ist
ihre eigentliche Nahrung, die Pflanzenteile dienen lediglich
als "Substrat" für dessen Anbau. Man könnte also sagen, dass die
Blattschneiderameisen die ersten Bauern der Welt waren, denn
sie erfanden die "Landwirtschaft" erheblich früher als der
Mensch. (Foto oben: Braulio-Carrillo-Nationalpark, Foto
unten: Selva Verde)
Riesenameise (Bullet Ant, Paraponera clavata)
Wer irgendwo in den Wäldern Costa Ricas seine erste Riesenameise sieht, ist
von ihrer Größe vermutlich einerseits ebenso fasziniert wie
ich, auf der anderen Seite aber auch entsprechend erschrocken.
Das rechts gezeigte Exemplar war etwas mehr als 2,5 Zentimeter
groß und flößte mir zusammen mit seinen Artgenossen eine gehörige
Portion Respekt ein. Die schwarzen Tiere mit den mächtigen
Kieferzangen tragen ihren englischen Namen nicht ohne Grund. Es
heißt, dass ein Biss dieser Ameisen stärkere Schmerzen verursacht
als eine Verletzung durch ein Pistolengeschoss (englisch "bullet").
Wer mit diesen Giganten unter den tropischen Ameisen aneinander
gerät, ist ein Fall fürs Krankenhaus - eine Erfahrung, auf die
ich lieber verzichten wollte, weshalb ich das gezeigte Tier mit
einem starken Teleobjektiv aus sicherer Entfernung abgelichtet
habe. Der Lebensraum der gefährlichen Krabbeltiere ist der
tropische Regenwald. (Foto: Selva Verde)
Geflügelte Riesenschabe (Peppered Roach, Archimandrita tesselata)
Zahllose unterschiedlich große Insekten schwirren in der Wildnis Costa Ricas umher,
darunter auch die nebenstehend gezeigte Art, die zu den Kakerlaken gehört. Das Tier
auf dem Foto maß vom Kopf bis zum Hinterleib etwa fünf Zentimeter, die maximale
Länge kann bei ausgewachsenen Exemplaren dieser Schabenart bis zu sieben Zentimeter
betragen. Die Flügel dieser Tiere sind leicht transparent und mittelbraun gefärbt.
Besonders auffällig ist die schwarze Zeichnung auf dem Brustschild. Viele Insektenliebhaber
in aller Welt züchten diese Tiere, weil sie in Gefangenschaft recht alt werden und anders
als andere Schabenarten keinen unangenehmen Duft verströmen, wenn sie sich bedroht
fühlen. (Foto: Selva Verde)
Unbestimmte Tierart Nr. 1
Nach Einbruch der Dunkelheit saß dieses Tier auf dem Zugangssteg, der zu meiner
Unterkunft führte. Sein Rumpf inklusive des Kopfes war etwa drei Zentimeter
lang und mittelbraun gefärbt, wobei der Braunton einen Rotstich
aufwies. Der Körperbau erinnerte mich an den von Heuschrecken,
obwohl der Rumpf dieses Tieres viel zierlicher war. Geradezu
erstaunlich lang waren die Fühler. Es bereitete mir Mühe, sie
ganz aufs Bild zu bannen, denn sie waren mehr als doppelt so
lang wie der Körper des bisher unbestimmten Tieres. "Meinem"
Exemplar dieser Art fehlten zudem einige Beine, wie man
auf der vergrößerten Version der Abbildung unschwer erkennen
kann. (Foto: Selva Verde)
Unbestimmte Tierart Nr. 2
Der Körper dieses mir völlig unbekannten Tieres maß vom
Kopf bis zur Spitze des langen Gebildes an seinem Hinterleib
etwa 4,5 Zentimeter; der Leib war einen knappen Zentimeter
breit. Bei dem hinteren Körperfortsatz könnte es sich um eine Legeröhre
gehandelt haben, ich kenne mich leider zu wenig mit Insekten aus, um dies beurteilen zu
können. Von Natur aus sind diese Tiere mit drei Beinpaaren ausgestattet, dem von mir
abgelichteten Exemplar dieser Art fehlte jedoch das linke hintere Bein. Die Fühler
waren etwa fünf Zentimeter lang. Auf der Oberseite trug das ansonsten
rötlich-braun gefärbte Tier zwei helle Bereiche. Es war tagaktiv und krabbelte
auf den Blättern eines Strauches umher, der am Rand eines kleinen Waldbestandes mit
viel Unterholz im Bereich der Pazifikküste wuchs. (Foto: Playa Tortuga)
Unbestimmte Tierart Nr. 3
In der Nähe des Río Sarapiquí flogen einige Libellen umher,
darunter das rechts gezeigte Exemplar. Das Tier war etwa
drei bis vier Zentimeter groß, hatte einen extrem langen
Hinterleib und erinnerte in seinem Körperbau an die in
Europa heimischen Großen Pechlibellen (siehe mein
Mallorca-Reisebericht).
Teile des Körpers der Libelle, die ich am Sarapiquí-Fluss
fotografiert habe, waren himmelblau gefärbt. Das Tier hielt
sich wie seine Artgenossen gern an senkrechten Baumstämmen
oder Metallstreben bewegungslos sitzend auf. (Foto: Selva Verde)
Unbestimmte Tierart Nr. 4
Mit seiner Körpergröße von etwa 2,5 Zentimeter und dem
wie poliert wirkenden Rücken glänzte dieser Käfer, den ich
am Tage fotografierte. Er hielt sich in der Nähe der
Pazifikküste am Rande eines kleinen Waldes auf und krabbelte
dort über den Boden. Bedauerlicherweise kenne ich mich mit
Käfern und anderen Insekten überhaupt nicht aus und weiß
daher nicht, um welche Spezies es sich handeln könnte, zumal in Costa
Rica derart viele Käfer heimisch sind, dass ich nicht einmal eine grobe
Idee habe, zu welcher Familie bzw. Gattung das Tier gehören könnte.
(Foto: Playa Tortuga)
|