Trinidad & TobagoUmweltprobleme
 

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          Erdrutsch durch Rodung Karibische Inseln wie Trinidad & Tobago gelten für viele Urlauber als das Paradies schlechthin. Der Charme der beiden Inseln ist ohne Zweifel umwerfend, und angesichts der herrlichen Strände, des Regenwalds und zahlreicher anderer landschaftlicher Schönheiten liegt der Gedanke an Umweltprobleme zunächst einmal nicht besonders nahe. Schaut man jedoch ein wenig hinter die Ferienidyll-Kulissen, fallen einige Dinge ins Auge, die alles andere als gut für Mutter Natur sind. Welch fatale Folgen beispielsweise die Rodung der mit Regenwald bewachsenen Berghänge haben kann, erlebte ich während meiner Reise im November 2004, siehe mein Bericht ganz unten.

Mit diesem Kapitel meines Reiseberichts möchte ich niemandem die Lust an einem Besuch der beiden Inseln verderben. Viel mehr ist es mir wichtig, ein Versprechen einzulösen, das ich vor Ort zwei Umweltschützern gegeben habe: Aufklärung darüber zu betreiben, dass nicht alles durch und durch Gold ist, was glänzt. Da die Regierung von Trinidad & Tobago leider wenig gegen die Umweltprobleme unternimmt und Umweltaktivisten in den Medien kaum zu Wort kommen, ist es umso wichtiger, dass Außenstehende über die Missstände hinsichtlich des Natur- und Umweltschutzes berichten. Anders als die einheimischen Aktivisten kann ich aus der Ferne offen sprechen, ohne von Lobbyisten bedroht oder mundtot gemacht zu werden.

Gewässerverschmutzung

Im Landeanflug auf den Flughafen Piarco auf Trinidad schwebte die Maschine von "Tobago Express", in der ich mich im November 2004 befand, auch über den Golf von Paria. Etwa zwei Kilometer von der Hauptstadt Port of Spain entfernt, lag im flachen Wasser ein großes Schiff auf der Seite und rostete vor sich hin. Es erweckte den Anschein, als würde es dort bereits seit geraumer Zeit liegen, denn das Metall befand sich in einem desolaten Zustand - so schlecht, dass das Schiff an einer Stelle leckgeschlagen war. Vom verrottenden Rumpf aus erstreckte sich eine mehrere Meter breite Treibstofflache kilometerweit in den Golf von Paria. Ich traute meinen Augen nicht, denn auslaufender Treibstoff, der einen so gut sichtbaren Film auf der Meeresoberfläche hinterlässt, sollte normalerweise Grund genug für eine Bergung des Schiffs sein.

Ölfilm auf dem Meer

"Das Schiff liegt dort schon seit ein paar Jahren", erklärte mir eine Bewohnerin Trinidads, als ich sie auf meine Beobachtung ansprach. Dass aus dem Rumpf Treibstoff austritt, machte sie sichtlich betroffen, denn es war ihr nicht bewusst, dass sich in Sichtweite des Hafens eine derartige permanente Umweltverschmutzung abspielt. Mit einem starken Teleobjektiv habe ich das Schiff von Port of Spain aus fotografiert, siehe Foto über diesen Zeilen. Der dunkle Bereich direkt neben dem Schiffsrumpf ist der Treibstofffilm, der sich seit unbestimmter Zeit im Golf von Paria ungehindert ausbreitet.

Wilde Müllhalden und Müllverbrennung

Wilde Müllhalde auf Tobago Wandert man auf Tobago ein wenig abseits der Hauptrouten, trifft man vielerorts auf wilde Müllhalden. Dort laden die Einheimischen vor allem sperrige Gegenstände wie Elektroherde oder Kühlschränke ab. Kleinerer Hausmüll ist hingegen kaum in der Natur zu finden, weil seit einigen Jahren eine regelmäßige Müllabholung auf Tobago existiert.

Wilde Müllverbrennung auf Tobago Noch während meiner Reise im Jahre 1999 wurde der Hausmüll zu kleinen Bergen aufgestapelt und in regelmäßigen Abständen verbrannt, was eine extreme Geruchsbelästigung war. Die Schadstoffbelastung der Atmosphäre und die Luftqualität waren letztlich zwei der wichtigen Argumente für die Einführung einer regelmäßigen Müllabholung. Im Bereich des Sperrmülls muss auf Tobago dringend etwas Ähnliches eingeführt werden. Foto rechts © Uwe Post

Verheerende Folgen der Rodung - ein Erfahrungsbericht

Der 12. November 2004 war ein schicksalhafter Tag für Tobago. Sintflutartige Regenfälle gingen über der Insel nieder und sorgten nicht nur für Überschwemmungen, sondern auch für Erdrutsche, die einige Menschen in den Tod rissen. Auch auf Trinidad verursachte das schwere Unwetter chaotische Zustände, massive Zerstörung und Leid unter der Bevölkerung. Die Ereignisse auf Tobago erlebte ich während meiner Sprachreise teils selbst mit.

Wie ein gigantisches Leuchtfeuer erhellte das Wetterleuchten am Vorabend den Himmel. Zusammen mit den anderen Kursteilnehmern und dem Sprachschul-Team hielt ich mich am Strand von Mount Irvine auf, wo wir ein abendliches Beach Barbeque mit Lagerfeuer und leckerem, selbst gemachten Buffet genossen. Vom stockdunklen Strand aus wirkte die riesige Gewitterzone, die am Abend über dem Meer hing, sogar aus der Ferne betrachtet sehr imposant und ein wenig Furcht einflößend. Der Wetterdienst hatte keine Sturmwarnung veröffentlicht, weshalb niemand beunruhigt war. Auch mein Gastvater, dem ich nach meiner Rückkehr vom Barbeque von den vielen grellen Blitzen erzählte, reagierte zwar interessiert, aber ansonsten eher gelassen. Gegen drei Uhr nachts erreichte das Unwetter Tobago, es traf die Insel und ihre arglosen Bewohner mit voller Kraft.

Ich wachte vom lauten Donnergrollen auf, das wie ein akustisches Dauerfeuer schien und gar nicht mehr aufhören wollte. Ständig zuckten Blitze über den Himmel oder schlugen in Bäumen und Gebäuden ganz in der Nähe ein. Diese Blitzeinschläge verursachten zwar lokal einige Schäden, gegen die Gewalt der immensen Wassermassen, die sich aus den Wolken mehrere Stunden lang über Tobago ergossen, waren sie aber harmlos.

Heftiger Regen Bereits um vier Uhr standen die Straßen im Distrikt Lowland, in dem sich auch das Haus meiner Gastfamilie befindet, unter Wasser. Stellenweise war das Wasser knietief und es rauschte in Richtung Meer. Die am Straßenrand stehenden Mülleimer wurden überflutet und kippten um, überall schwammen Hausabfälle in Richtung der bereits hoffnungslos überfüllten Drainagekanäle. Einige Anwohner versuchten verzweifelt, ihre Autos vor den Fluten in Sicherheit zu bringen, indem sie sie an den wenigen möglichst hoch gelegenen Stellen parkten. Etliche Fahrzeuge ließen sich nicht mehr von der Stelle bewegen, weil sie bereits "abgesoffen" waren. Ich beobachtete diese durch die ständig zuckenden Blitze beleuchtete Szene mit großem Entsetzen vom Fenster meines Gästezimmers aus, siehe Foto rechts.

Einige Wochen zuvor hatte der Wirbelsturm Ivan die Insel gestreift und etliche Dächer zerstört, die zum größten Teil noch nicht repariert worden waren - so auch im Haus meiner Gastfamilie. Es regnete in die Häuser der Einheimischen hinein, die vom Unwetter aus dem Schlaf gerissenen Menschen schafften eilig ihre Elektrogeräte und Möbel in einigermaßen trockene Ecken ihrer Häuser. Die Aufregung war groß, und zu diesem Zeitpunkt ahnte in Lowland niemand, wie verheerend sich die Wassermassen auf die Dörfer entlang der hügeligen und gerodeten Atlantikküste auswirken würden.

Tümpel nach dem Regen Gegen neun Uhr morgens zog das Unwetter endlich ab und der Wasserpegel sank innerhalb weniger Stunden. Am Nachmittag gegen 16 Uhr entstand das nebenstehend gezeigte Foto in Bon Accord Village. Vielerorts waren kleine Tümpel zu sehen, die Straßen waren beschädigt worden, der Asphalt war rissig und teilweise weg gebrochen. Die enorme Zerstörungskraft des Unwetters war aber vor allem im Bereich der hügeligen Atlantikküste rund um das Dorf Delaford noch tagelang allgegenwärtig. Erdrutsche und Schlammlawinen hatten diesen Küstenabschnitt heimgesucht, weil die Berghänge entgegen aller Warnungen von Naturschützern in den vergangenen Jahren zunehmend gerodet worden waren. Es fehlten Bäume, deren dichtes Wurzelwerk die Erde festhalten konnte - die Schlammlawinen hatten deshalb freie Bahn.

Delaford nach den Erdrutschen Viele Anwohner konnten noch rechtzeitig fliehen, bevor Erdrutsche ihre Häuser unter sich begruben oder mit sich rissen. Am anderen Ende der Insel wurden Flüchtende in ihrem Auto von den Wassermassen ins Meer gespült, sie konnten sich glücklicherweise aus dem Fahrzeug befreien, bevor es sank. Einige Bewohner der Atlantikküste hatten weniger Glück, sie wurden von einer Mischung aus Schlamm und Gebäudeteilen begraben. Unter den drei Todesopfern war auch die 17-jährige Schülerin Kathy Ann Ferguson, die in den Trümmern ihres Elternhauses starb. Einige Menschen waren so schwer verletzt, dass sie nach Trinidad ausgeflogen werden mussten, um dort in den besser ausgestatteten Hospitälern medizinisch versorgt zu werden.

Nach einem Erdrutsch auf Little Tobago Die Aufräumarbeiten in der betroffenen Region dauerten weit mehr als eine Woche. Etliche Tage waren Orte wie Delaford und Charlotteville von der Außenwelt abgeschnitten, weil die Straßen aufgrund umgestürzter Bäume und der nieder gegangenen Erdmassen nicht passierbar waren. "Ein Großteil dieses Unglücks wäre vermeidbar gewesen, hätten die Menschen weniger Raubbau an der Natur betrieben und die Wälder unangetastet gelassen", erklärte Peter Cox, Naturschützer und -führer auf Tobago, dem die Bestürzung über das Ausmaß der Zerstörung ins Gesicht geschrieben stand. Zusammen mit ihm fuhr ich eine Woche nach dem Sturm nach Little Tobago, wir kamen an Delaford vorbei, weil die Hauptstraße durch dieses Dorf führt. Auch auf Little Tobago waren diverse Erdrutsche niedergegangen und hatten Schneisen in den geschützten Urwald geschlagen, siehe Foto rechts.

Kurz vor dem zerstörerischen "freaky storm", wie das Unwetter auf Tobago von den Einheimischen genannt wurde, hatte die Insel den Preis "Schönste Karibikinsel des Jahres" erhalten. Offenbar sei bei der Preisvergabe nicht darauf geachtet worden, ob in ausreichendem Maße Umweltschutz auf der Insel betrieben würde, kritisierte Cox. "Es bleibt zu hoffen, dass die Regierung und die Menschen aus den Ereignissen des 12. November 2004 gelernt haben und in Zukunft weniger Regenwald abholzen, damit nicht noch mehr Erdreich entlang der Hänge als Angriffsfläche für starke Regenfälle dienen kann."

 
                 

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