Mit ihrer Fläche von 10,10 km² ist La Digue die
drittgrößte Insel der Seychellen.
Etwa 2.500 Menschen leben auf ihr und sie ist mit Abstand die ruhigste der drei großen Touristeninseln, die von den namhaften Reiseanbietern als Reiseziel offeriert wird. Bevor ich nach La Digue fuhr, las ich verschiedene Reiseführer. Sie alle berichteten von Ochsenkarren und Fahrrädern, die auf der Insel die einzigen Mittel zur Fortbewegung sein sollten. Autos gebe es nicht und die Straßen seien ohnehin nicht befestigt, hieß es in den Büchern. Das klang nach einer beschaulichen Oase der Ruhe, in der die Zeit zumindest in Bezug auf die Fortbewegung stehen geblieben zu sein schien. Abgesehen davon, dass mich die Ruhe lockte, wollte ich die schöne Natur der Insel selbst erleben, denn La Digue ist im Zentrum dicht mit üppigen Pflanzen bedeckt und weist sogar einige Erhebungen (Felsen) auf, von denen ich gern eine erklommen hätte, aber mir war es dann doch zu heiß.
Von Mahé aus reiste ich auf unkonventionelle Weise nach La Digue: Mit einem Frachtschiff, wobei die Überfahrt etwa 3,5 Stunden gedauert hatte. Als ich von Bord ging, sah ich nicht einen einzigen Ochsenkarren. Dafür aber Fahrräder zuhauf, immerhin in dem Punkt hatten die Reiseführer die Wahrheit berichtet. Einige Händler boten meinem Mitreisenden und mir
sogleich Drahtesel zur Miete an. Weil ich leidenschaftlich gern
fotografiere, wann immer sich ein Motiv bietet, hätte ich alle paar Meter absteigen müssen,
weshalb ich mich dagegen entschied, ein Fahrrad zu mieten.
Das war auch gut so, denn auf der Insel boten sich nahezu überall fotogene Motive, ich hätte vermutlich kaum gescheit Radfahren können, weil ich so oft angehalten hätte. An sich scheint das Radeln jedoch eine angenehme Art der
Fortbewegung auf La Digue zu sein, wenn man einfach und schnell zu
einem bestimmten Ziel gelangen möchte.
Unseren ersten - und einzigen! - Ochsenkarren sahen wir übrigens erst
unmittelbar bevor wir La Digue mit der Fähre wieder verließen.
Der Karren stand für neu ankommende Touristen bereit, die von
Praslin aus mit der Fähre anreisten (siehe Foto rechts). Das scheint des Rätsels Lösung zu sein: Offenbar
sind die Ochsenkarren heute lediglich eine Touristenattraktion
und spielen auf La Digue daher als Fortbewegungsmittel für die Einheimischen nur noch eine
untergeordnete Rolle.
Weil wir mit dem Frachter angereist waren, erwartete man zu jener Zeit keine Touristenströme und folglich standen auch keine Ochsen-Taxis bereit.
Gewohnt haben wir auf La Digue in einem privaten Gästehaus namens Sitronnel, das
von einer Seychelloise betrieben wurde und nicht weit entfernt
vom René-Payet-Paradiesschnäpper-Reservat lag. Die Besitzerin, Madame
Adrienne, gab
sich größte Mühe beim Kochen und ging gern auf unsere
Ernährungswünsche ein (ich bin Vegetarierin).
Frau Adrienne servierte uns auf meinen Wunsch hin schmackhafte kreolische Hausmannskost, denn ich wollte gern probieren, was die Einheimischen essen.
Sie war zwar zunächst ein wenig empört, weil sie die Gäste gern mit Fisch verwöhnt, aber bald fand sie Gefallen an meinem Wunsch, die wirklich bodenständige einheimische Küche kennen zu lernen. Vor allem ihre frittierten Teigrollen aus Brotfrucht und die selbst
gemachte Marmelade aus Papaya und Vanille fand ich einfach köstlich.
Unser
Zimmer war eher schmucklos, voller stechwütiger Moskitos und die
Warmwasserleitung war kaputt. Richtig sauber konnte man
es nicht gerade nennen, aber was will man bei einem Preis von umgerechnet
knapp 60 DM (31 EUR) für zwei (!) Übernachtungen inklusive Halbpension
auch erwarten? Wer nicht übermäßig anspruchsvoll in der
Wahl seines Quartiers ist und ein unschlagbar günstiges Angebot auf
der sonst relativ teuren Insel sucht, erreicht Frau Raymonde Adrienne
unter 00248-234230 per Telefon und Fax. Sie spricht zwar Englisch, besser
kann man sich jedoch auf Französisch mit ihr verständigen.
Vielleicht ist das Gebäude inzwischen ja sogar renoviert worden, über eine kurze Mitteilung per E-Mail von Reisenden, die dort gewohnt haben, würde ich mich freuen. (Telefonnummer und Übernachtungspreis: Stand Juni 2000)
Die kleine Ortschaft am Fähranleger heißt La Passe. Von
dort aus führt ein Wanderweg in den Süden der Insel zur
Bucht Grand Anse, in der sich meterhohe Wellen brechen. Es war seinerzeit die
Wanderroute Nummer 10, zu der das Tourismusbüro in Victoria
auf Mahé ein Begleitheft mit einigen Erläuterungen anbot. In den
folgenden Abschnitten stelle ich diese Bucht und einige weitere sehenswerte Orte der Insel
vor, die ich während meines Aufenthalts auf La Digue selbst
besucht habe.
René-Payet-Paradiesschnäpper-Reservat
Viele meiner Freunde sind davon überzeugt, dass mir irgendwann Federn wachsen werden, weil ich ein so großer Vogel-Fan bin. Deshalb verwundert es wohl auch nicht, dass ich auf La Digue am Morgen nach meiner Ankunft als Erstes auf die Suche nach den nur auf dieser Insel in freier Natur vorkommenden Seychellenparadiesschnäppern (Terpsiphone
corvina) gegangen bin. Die Einheimischen nennen diese Tierart übrigens
veuve (Witwe). Für die stark vom
Aussterben bedrohten Vögel wurde eigens ein Schutzgebiet
eingerichtet. Dieses nur sechs Hektar große Reservat ist
das kleinste Naturschutzgebiet der Seychellen, es wird auch La
Digue Veuve Reservé genannt.
Etwa 120 Paradiesschnäpper leben in ihm und in den umliegenden
Wäldern. Mehr Individuen dieser Art könnten aufgrund des
knappen Lebensraumes auf La Digue nicht dauerhaft überleben,
weshalb der Erhalt des Waldes im Schutzgebiet von enormer
Bedeutung für die Tiere ist.
Im Reservat hat man die größten Chancen, die
hübschen Vögel zu Gesicht zu bekommen. Mir zeigten sie
sich dort jedoch nicht, was mich zunächst ziemlich frustrierte. Nach fast zweistündiger Suche gab ich auf - und dem Drängen meines Mitreisenden nach, den es unwiderstehlich in Richtung Strand zog. Während wir zur Bucht Grand Anse spazierten, beobachtete ich die Vegetation mit Argusaugen.
Und ich hatte Glück: Einen knappen Kilometer vom Schutzgebiet entfernt flatterte mir
ein männlicher Paradiesschnäpper über den Weg
(siehe Foto oben rechts). Kurze Zeit später tauchte ein
Weibchen (siehe kleine Abbildung rechts) in Begleitung eines
soeben flügge gewordenen Jungvogels aus dem Dickicht auf.
Das Jungtier bettelte beharrlich um Futter, aber seine Eltern beachteten es kaum, denn sie waren anderweitig beschäftigt. Das
Männchen balzte seine Partnerin auf die für
Paradiesschnäpper charakteristische Weise an. Dabei biegen
die Männchen die langen Schwanzfedern nach oben und singen
einige melodische Strophen. Für einen Vogel-Fan wie mich war
dies natürlich eine Galavorstellung, die mich
ausreichend dafür entschädigte, dass in der Zeit, während ich die Vögel beobachtete, etliche Moskitos ihren Hunger an mir stillten.
Kurzum: Besser hätte es gar nicht kommen können, denn die Balz dieser Vögel anschauen zu können war mehr, als ich mir zuvor erhofft hatte.
Grand Anse
Der Wanderweg zum Strand von Grand Anse ist überaus
idyllisch und führt unter hohen Bäumen vorbei
an Häusern der Einheimischen und man begegnet überall
Haushühnern, die am Wegesrand im staubigen Boden nach Nahrung suchen. Sie scharren dabei geschäftig mit den Füßen und gackern unablässig. Das hört sich alles recht beschaulich an, aber ein
überdurchschnittlich ruhiger Spaziergang war es für uns
leider trotzdem nicht, weil alle paar Minuten eines der
vielen Autos, die es auf La Digue laut der Reiseführer angeblich gar nicht geben sollte, mit
hohem Tempo an uns vorbei raste - natürlich über eine
asphaltierte Straße, von der die Bücher ebenfalls nichts berichtet hatten.
Die Wanderroute führt im Süden von La Digue an einem
Gebiet mit Teichen vorbei, in denen einige Seerosen und
Wasserhyazinthen gediehen. Teichhühner (Gallinula
chloropus) staksten mit ihren langen Beinen und beachtlich
großen Füßen auf den Blättern der Seerosen
umher, ohne besonders weit ins Wasser einzusinken (siehe Foto rechts).
Grand Anse ist eine jener Bilderbuch-Buchten, die man für
eine Erfindung der Touristikbranche hält, bis man sie mit
eigenen Augen gesehen und sich von ihrer Echtheit überzeugt hat. Ein blendend weißer Strand sowie
pittoreske Granitfelsen an der rechten und linken Seite machen
Grande Anse zu einem malerischen Ort.
Es dürfte kaum ein schöneres Fleckchen Erde geben, um
sich in die Sonne zu legen und die Schönheit der Natur
zu genießen. Zum Baden ist die Bucht jedoch bedauerlicherweise
gänzlich ungeeignet, da sich dort meterhohe Wellen brechen.
Einige unbelehrbare Zeitgenossen mussten es allerdings
trotzdem ausprobieren und gegen die starke Strömung
anschwimmen, während wir diesen Verrückten fassungslos bei ihrem Kampf mit dem Ozean zuschauten. Ich sah ein Paar mit einem kleinen Kind in der
tosenden Brandung und fragte mich, ob solcher Leichtsinn
überhaupt noch zu überbieten ist.
Zwar hielten die Eltern die Hände des Kindes umklammert, aber wer einmal in eine Unterströmung geraten ist, der weiß, wie schnell ein solcher Badeausflug tödlich enden kann - vor allem für Kinder.
Außerdem war ich bestürzt über die unzähligen
Zigarettenstummel, die überall im Sand verstreut lagen.
Schade, dass rücksichtslose Leute selbst solche sehr abgelegenen
Winkel unseres Planeten mit ihrem Müll verschmutzen
müssen. Hey, Ihr Ferkel, was bitte geht denn bei solch
ekelhafter Umweltverschmutzung in Euch vor? Es wäre wirklich
wünschenswert, dass alle Strandbesucher jeglichen Müll,
den sie produzieren, wieder mitnehmen und nicht einfach Grande
Anse und Co. in wilde Müllkippen verwandeln!
Ich empfand diesen Müll als eine Art Entweihung eines Paradieses und hatte im Vorfeld nicht damit gerechnet, so etwas auf den Seychellen zu erleben. Leider hatte ich mich getäuscht, denn wo Touristen auftauchen, da landet scheinbar zwangsläufig auch deren Müll in der Natur.
Genug lamentiert, denn die Bucht hat weit mehr zu bieten als Zigarettenstummel im wunderbar feinen Sand. Wer an Mineralien oder Geologie interessiert ist, der sollte am
westlichen Ende der Bucht unbedingt einen Blick auf den rosaroten
Granit werfen. In diesen Felsen finden sich unzählige kleine, glitzernde Feldspat-Kristalle, die das Sonnenlicht in alle Richtungen brechen - ein wirklich atemberaubender Anblick! Wind und Regen haben diese Felsen seit deren Entstehung
vor über 100 Millionen Jahren rund geschliffen. Sie sind sehr
alte Relikte des gewaltigen Urkontinents Gondwanaland. Es erfüllte mich mit einer gewissen Ehrfurcht vor der Natur, meine Hand auf diese stummen Zeugen der Erdgeschichte
zu legen und ihre erstaunlich glatte Oberfläche und die in ihnen gespeicherte Sonnenwärme zu spüren.
L'Union Estate
Südlich der Siedlung La Passe befindet sich L'Union Estate. Auf
diesem Anwesen steht noch heute eine alte Kokosplantage. Dort wird
nach wie vor Vanille angebaut und man kann verschiedene Dinge
besichtigen, die mit dem Anbau von Kokosnüssen zu tun haben.
Der Eintritt belief sich im Juni 2000 auf zehn SR. Man muss diesen
Betrag übrigens auch dann entrichten, wenn man nichts auf dem
Gelände anschauen und lediglich zum Strand von Anse Source
d'Argent gehen möchte.
Wenige Meter hinter dem Kassenhäuschen trifft man rechts neben dem Weg
auf einen alten kreolischen Friedhof, dessen Grabsteine stark verwittert
sind (siehe Foto). Einige Inschriften der am Anfang
des 20. Jahrhunderts aufgestellten Steine sind mit ein wenig Phantasie
trotzdem noch lesbar.
Folgt man dem Weg in Richtung Süden, so gelangt man bald zu einer traditionellen Kopramühle,
die einst durch die Muskelkraft eines Bullen angetrieben worden ist. Kopra ist nichts anderes als gemahlenes
Kokosmark, das früher das führende Exportgut der
Seychellen darstellte. Zu Demonstrationszwecken war während unseres Besuchs der Plantage ein
Bulle an die Mühle gekettet. Das Tier tat mir aufrichtig
leid, denn es war den ganzen Tag angebunden und konnte sich kaum
bewegen. Noch schlimmer war allerdings der Gedanke an zum Glück
längst vergangene Zeiten, in denen nicht selten Sklaven an solche
Kopramühlen gekettet wurden, um sie anzutreiben.
Links neben der Mühle kann man die Vanilleplantage bewundern.
Auch Vanille war einst ein Exportschlager der Seychellen, bis die
Preise drastisch fielen, da man Vanillin, das künstliche und
damit erheblich preiswertere Aroma erfunden hatte. Hinzu kam eine
Pflanzenkrankheit, die auf den Vanilleplantagen wütete und
dem bis dahin florierenden Geschäft ein jähes Ende
bereitete.
Der Anbau der empfindlichen Orchidee ist auf den Seychellen
übrigens nur deshalb gelungen, weil man ein Verfahren
entwickelt hatte, mit dem man die Blüten bestäuben
konnte. Jede Blüte wurde einzeln und mit größter Vorsicht von Hand
bestäubt, weil die Insekten, die in der ursprünglichen
südamerikanischen Heimat die Bestäubung der Vanille
vornehmen, auf den Seychellen nicht leben. Das nebenstehende Foto zeigt einige der auf dem Gelände der ehemaligen
Plantage beheimateten Vanillepflanzen.
Überall auf dem Gelände des Union Estate stehen
Kokospalmen, die den Besucher vor der prallen Sonne schützen. Setzt man den schattigen Weg weiter in Richtung
Süden fort, kommt man an einem Innenhof vorbei, in dem ein
Tisch steht, auf dem frische Kokosnuss-Stücke liegen, die
man kosten darf. Ganz in der Nähe ist ein Gehege, in dem
einige sehr junge Riesenschildkröten untergebracht sind. Ein paar Meter
weiter links ragt der imposante La-Digue-Felsen empor. Ihm zu
Füßen befindet sich ein Gehege für ältere und damit auch größere
Exemplare der Riesenschildkröte (siehe Foto).
Manchmal kommt es vor, dass eines der behäbigen Tiere seinen Kopf weit in die Höhe reckt. Damit möchte es signalisieren, dass es
am Hals gekrault werden möchte. Keine Sorge, die Schildkröten sind
absolut friedlich und zahm, man holt sich allerdings gehörig schmutzige
Finger, wenn man sie berührt.
Folgt man anschließend dem Weg weiter nach Süden, gelangt man
zu einer der landschaftlich schönsten Gegenden der
Insel: Anse Source d'Argent.
Anse Source d'Argent
Postkartenidylle pur bietet sich jedem, der an der zauberhaft schönen Bucht Anse
Source d'Argent verweilt. Von Wind und Regen rund geschliffene
Granitfelsen in zartem Rosa und Grau erheben sich über dem
unglaublich feinen, weißen Sand, der sich wie Babypuder anfühlt. Kokospalmen säumen den Strand,
das türkis-blaue Wasser der Lagune liegt ruhig da und
lädt zum Baden ein. Ein Riff schützt die Lagune vor den
starken Strömungen und hohen Wellen des offenen Meeres.
Innerhalb der Lagune gibt es dank des Riffs lediglich einige
kleine Wellen. Selbst 30 Meter vom Strand entfernt kann man im
hüfttiefen Wasser noch bequem stehen. Man wähnt sich
dort eher in einer riesigen Badewanne als im Ozean. Diese "Badewanne"
hat allerdings noch erheblich mehr zu bieten als ausgelassenen Badespaß vor einer fast schon unerträglich
schönen Fototapeten-Kulisse.
Hinter einem schmalen Seegrasstreifen gibt es einige seit geraumer
Zeit leider stark beschädigte Korallenblöcke, die
trotz ihres schlechten Zustandes Anziehungspunkt für eine Reihe farbenfroher Meeresbewohner sind. Beim
Schnorcheln schwamm ich dort zwischen
Fledermausfischen,
Orangestreifen-Drückerfischen,
Halfterfischen
(siehe Foto rechts) und vielen anderen Riffbewohnern umher. Auch
ungeübte Schnorchlern kann man diese Bucht nur
wärmstens empfehlen, weil es meiner Erfahrung nach die
ruhigste Stelle der Insel ist, in der zudem aufgrund der geringen
Strömung und kleinen Wellen meist hervorragende Sichtbedingungen herrschen.
Anse Sévère
Einige Gehminuten nördlich von La Passe liegt die Bucht Anse
Sévère, ein weiterer traumhafter Strandabschnitt, der von
Takamaka-Bäumen gesäumt ist (siehe Foto rechts). Der
Sandstrand ist nicht von Granitfelsen durchsetzt, wie es bei anderen Buchten teilweise der Fall ist. Die Wellen sind hier oft ein wenig höher als an anderen Stellen der Insel, weshalb sich diese
Bucht hervorragend zum Plantschen eignet. Zum Schnorcheln ist der
mittlere Bereich des Küstenabschnitts weniger gut geeignet, weil es dort lediglich
Sand zu sehen gibt. Hin und wieder schwimmt ein Rochen vorbei, aber
darauf muss man meist lange Zeit warten. Geringfügig bessere
Bedingungen bieten die Felsgruppen am rechten sowie am
linken Ende der Bucht, denn dort gibt es einige wenige Fische. Im
Mai und Juni wird allerdings Seegras angeschwemmt, so dass die
Sichtweite gering ist und man ständig grüne Fetzen von
der Maske entfernen muss.
Setzt man sich am Strand abends an den rechten
Fleck, kann man Mitte Juni den Sonnenuntergang zwischen Praslin
und Curieuse bewundern. Mit ein wenig Glück sieht man sogar ein
überwiegend in den Tropen sichtbares, seltenes Phänomen der
Erdatmosphäre, das "Grüner Blitz" genannt wird.
Durch Beugungseffekte in den unterschiedlich dichten Luftschichten
erscheint für wenige Sekunden ein grünes Leuchten
über dem Horizont, nachdem die Sonnenscheibe komplett verschwunden
ist. Mir gelang es auf La Digue zum ersten Mal in meinem Leben,
diese Leuchterscheinung zu beobachten.
Anse Patates
Einer der am häufigsten fotografierten Strände der
Seychellen ist Anse Patates. Seine Felsformation schmückt
beispielsweise den Umschlag des Buches "Reiseführer Natur -
Seychellen, Mauritius", zumindest bei der Ausgabe, die mich auf die Inseln begleitet und mir gute Dienste erwiesen hat. Zurück zu diesem herrlichen Fotomotiv. Eines haben sämtliche Abbildungen des Strandes
für mein Empfinden gemeinsam: Die scheinbare Größe täuscht.
Ich war überrascht, wie klein die Bucht am Nordzipfel von La
Digue tatsächlich ist. Im Juni 2000 während meines
Aufenthalts war der Seegang recht hoch, ich ging
jedoch trotzdem zum Schnorcheln ins Wasser.
Unmittelbar in der Nähe des Strandes war das Wasser trüb
vom durch die Wellen aufgewühlten Sand. Einige Meter weiter
draußen war es erheblich klarer und es boten sich mir
wunderbare Einblicke in die farbenfrohe Unterwasserwelt (Fotos rechts und
unten rechts: Männliche Nasenhöcker-Papageifische).
Nirgendwo auf der Welt habe ich bislang derart viele Papageifische
auf so engem Raum gesehen wie an den Felsen jener Bucht.
Schaut man genau hin, erkennt man beispielsweise die leuchtend
bunten
Männchen
der Nasenhöcker-Papageifische inmitten
ihres Harems eher einfarbiger, unscheinbarer
Weibchen.
Bis zu acht weibliche Tiere sah ich in Begleitung eines einzelnen
Männchens an den Korallenblöcken nagen. Hören Sie beim
Schnorcheln genau hin, denn man kann es deutlich vernehmen, wenn
die Papageifische mit ihrem mächtigen Beißwerkzeug in
die Korallen beißen. Keine Angst, uns Menschen
greifen diese großen, bunten Gesellen nicht an. Auf ihrem Speiseplan stehen
hauptsächlich Korallenpolypen. |