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La Digue
Mit ihrer Fläche von 10,10 km² ist La Digue die drittgrößte Insel der
Seychellen. Etwa 2.500 Menschen leben auf ihr und sie ist mit Abstand
die ruhigste der drei großen Inseln, die von den namhaften
Reiseanbietern als Reiseziel offeriert werden. Bevor ich nach La Digue
gefahren bin, habe ich verschiedene Reiseführer gelesen. Sie alle haben
von Ochsenkarren und Fahrrädern berichtet, die auf der Insel die
einzigen Mittel zur Fortbewegung sein sollten. Autos sollte es nicht
geben und die Straßen seien ohnehin nicht befestigt, so die Aussage
sämtlicher Bücher. Das hat nach einer beschaulichen Oase der Ruhe
geklungen, in der die Zeit zumindest in Bezug auf die Fortbewegung
stehen geblieben zu sein schien. Abgesehen davon, dass mich die Ruhe
gelockt hat, habe ich die schöne Natur der Insel selbst erleben wollen,
denn La Digue ist im Zentrum dicht mit üppigen Pflanzen bedeckt und
weist sogar einige Erhebungen (Felsen) auf, von denen ich gern eine
erklommen hätte. Diesbezüglich ist es letztlich nur bei einem vagen
Wunsch geblieben, denn vor Ort ist es mir letztlich dann doch zu heiß
gewesen, um eine Kletterpartie zu unternehmen.
Von Mahé aus bin ich auf unkonventionelle Weise nach
La Digue gereist: mit einem Frachtschiff, wobei die Überfahrt etwa 3,5
Stunden gedauert hat. Als ich von Bord gegangen bin, habe ich mich schon
auf den Anblick der Ochsenkarren gefreut. Aber es hat keine gegeben,
nicht einen einzigen. Dafür aber Fahrräder zuhauf, immerhin in dem Punkt
hatten die Reiseführer die Wahrheit berichtet. Einige Händler haben
meinem Mitreisenden und mir sogleich Drahtesel zur Miete angeboten. Weil
ich leidenschaftlich gern fotografiere, wann immer sich ein Motiv
bietet, hätte ich alle paar Meter absteigen müssen, weshalb ich mich
dagegen entschieden habe, ein Fahrrad zu mieten. Das ist auch gut so
gewesen, denn auf der Insel haben sich mir nahezu überall fotogene
Motive geboten, ich hätte vermutlich kaum gescheit mit einem Rad fahren
können, weil ich so oft angehalten hätte. An sich scheint das Radeln
jedoch eine angenehme Art der Fortbewegung auf La Digue zu sein, wenn
man einfach und schnell zu einem bestimmten Ziel gelangen möchte.
Unseren ersten - und einzigen! - Ochsenkarren haben
wir übrigens erst gesehen, als unsere Abreise unmittelbar bevor
gestanden hat. Der Karren hat für neu ankommende Touristen bereit
gestanden, die von Praslin aus mit der Fähre angereist sind. In dem
Moment ist mir klar geworden, warum ich bei meiner Ankunft keine
Ochsenkarren zu Gesicht bekommen habe: Offenbar sind diese Gefährte eher
eine Touristenattraktion und sie spielen auf La Digue daher als
Fortbewegungsmittel für die Einheimischen nur noch eine untergeordnete
Rolle. Weil wir mit einem Frachtschiff angereist waren, hatte man zu
jener Zeit keine Touristenströme erwartet und folglich kein Ochsen-Taxi
zum Hafen geschickt.
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Gewohnt haben wir auf La Digue in einem privaten Gästehaus namens
Sitronnel, das von einer Seychelloise betrieben wurde und nicht weit
entfernt vom René-Payet-Paradiesschnäpper-Reservat gelegen hat; die
alternative Schreibweise lautet Citronell Guesthouse. Die damalige
Besitzerin, Madame Adrienne, hat sich größte Mühe beim Kochen gegeben
und sie ist gern auf unsere Ernährungswünsche eingegangen (ich bin
Vegetarierin). Frau Adrienne hat uns auf meinen Wunsch hin schmackhafte
kreolische Hausmannskost serviert, denn ich wollte gern probieren, was
die Einheimischen essen. Sie ist zwar zunächst ein wenig empört gewesen,
weil sie ihre Gäste gern mit Fisch verwöhnt. Aber bald hat sie Gefallen
an meinem Wunsch gefunden, die wirklich bodenständige einheimische Küche
kennen zu lernen und man hat ihr angemerkt, mit welcher Freude sie die
Gerichte zubereitet hat. Vor allem ihre frittierten Teigrollen aus
Brotfrucht und die selbst gemachte Marmelade aus Papaya und Vanille sind
einfach köstlich gewesen.
Unser Zimmer ist eher schmucklos gewesen, voller stechwütiger Moskitos
und die Warmwasserleitung ist kaputt gewesen. Richtig sauber hat man es
nicht gerade nennen können, aber was will man bei einem Preis von
umgerechnet knapp 60 DM (31 EUR) für zwei (!) Übernachtungen inklusive
Halbpension auch erwarten? Denn so wenig haben wir damals bezahlen
müssen. Inzwischen ist das Gästehaus jedoch renoviert und die
Übernachtungen kosten etwas mehr. Verglichen mit den Preisen der großen
Hotelanlagen auf La Digue sind die Übernachtungskosten in dem Gästehaus
aber nach wie vor niedrig. Wer sich für einen Aufenthalt in dem
Gästehaus interessiert, erreicht den Betreiber unter 00248-234230 per
Telefon.
Die kleine Ortschaft am Fähranleger von La Digue heißt
La Passe. Von dort aus führt ein Wanderweg in den Süden der Insel zur
Bucht Grand Anse, in der sich meterhohe Wellen brechen. Es ist während
meiner Reise im Juni 2000 die Wanderroute Nummer 10 gewesen, zu der das
Tourismusbüro in Victoria auf Mahé ein Begleitheft mit einigen
Erläuterungen angeboten hat. In den folgenden Abschnitten stelle ich
diese Bucht und einige weitere sehenswerte Orte der Insel vor, die ich
während meines Aufenthalts auf La Digue selbst besucht habe.
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René-Payet-Paradiesschnäpper-Reservat
Seychellenparadiesschnäpper-Reservat auf einer größeren Karte anzeigen
Viele
meiner Freunde wären keineswegs überrascht, wenn mir irgendwann Federn
wachsen würden, denn ich ein sehr großer Vogel-Fan. Deshalb verwundert
es wohl auch nicht, dass ich mich auf La Digue am Morgen nach meiner
Ankunft sofort auf die Suche nach den nur auf dieser Insel in freier
Natur vorkommenden
Seychellenparadiesschnäppern (Terpsiphone corvina) begeben
habe. Die Einheimischen nennen diese Tierart übrigens "Veuve", was auf
Deutsch "Witwe" heißt. Für die stark vom Aussterben bedrohten Vögel ist
eigens ein Schutzgebiet eingerichtet worden. Dieses nur sechs Hektar
große Reservat ist das kleinste Naturschutzgebiet der Seychellen, es
wird auch "La Digue Veuve Reservé" oder auf Englisch "Veuve Reserve"
genannt. Das Foto in diesem Absatz zeigt einen männlichen
Seychellenparadiesschnäpper.
Etwa 120 dieser hübschen Vögel leben in dem Schutzgebiet und in den
umliegenden Wäldern. Mehr Individuen dieser Art könnten aufgrund des
knappen Lebensraumes auf La Digue nicht dauerhaft überleben, weshalb der
Erhalt des Waldes im Schutzgebiet von enormer Bedeutung für die Tiere
ist. Im Reservat hat man die größten Chancen, die Vögel zu Gesicht zu
bekommen. Mir haben sie sich dort jedoch nicht gezeigt, was mich
zunächst ziemlich frustriert hat. Nach fast zweistündiger Suche habe ich
aufgegeben - und dem Drängen meines Mitreisenden nachgegeben, den es
unwiderstehlich in Richtung Strand gezogen hat. Während wir zur Bucht
Grand Anse spaziert sind, habe ich die Vegetation mit Argusaugen
beobachtet, was sich als äußerst sinnvoll erweisen sollte.
Knapp
einen Kilometer vom Schutzgebiet entfernt, hat ein männlicher
Seychellenparadiesschnäpper unseren Weg fliegend gekreuzt. Kurze Zeit später ist
obendrein ein Weibchen, siehe kleine Abbildung rechts, in Begleitung
eines soeben flügge gewordenen Jungvogels aus dem Dickicht erschienen.
Das Jungtier hat beharrlich um Futter gebettelt, aber seine Eltern haben
es kaum beachtet, denn sie sind anderweitig beschäftigt gewesen: Das
Männchen hat seine Partnerin auf die für Paradiesschnäpper
charakteristische Weise angebalzt. Dabei biegen die Männchen die langen
Schwanzfedern nach oben und singen einige melodische Strophen. Für einen
Vogelliebhaber wie mich ist dies ohne Zweifel eine Galavorstellung
gewesen, die mich ausreichend dafür entschädigt hat, dass in der Zeit,
während ich die Vögel fasziniert beobachtet habe, etliche Moskitos ihren
Hunger an mir gestillt haben. Kurzum: Besser hätte es gar nicht kommen
können, denn die Balz dieser Vögel anschauen zu können, ist mehr
gewesen, als ich mir zuvor erhofft hatte.
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Grand Anse
Grand Anse auf einer größeren Karte anzeigen
Der Wanderweg zum Strand von Grand Anse ist überaus idyllisch und führt
unter hohen Bäumen an Häusern der Einheimischen vorbei. Unterwegs bin
ich vielen Haushühnern begegnet, die am Wegesrand im staubigen Boden
nach Nahrung gesucht haben. Sie haben dabei geschäftig mit den Füßen
gescharrt und unablässig gegackert. Das hört sich alles recht
beschaulich an, aber ein überdurchschnittlich ruhiger Spaziergang ist es
für uns leider trotzdem nicht gewesen, weil alle paar Minuten eines der
vielen Autos, die es auf La Digue laut meinen Reiseführern angeblich gar
nicht geben sollte, mit hohem Tempo an uns vorbei gerast ist - natürlich
über eine asphaltierte Straße, von der die Bücher ebenfalls nichts
berichtet hatten.
Die
Wanderroute hat uns im Süden von La Digue an einem Gebiet mit Teichen
vorbei geführt, in denen einige Seerosen und Wasserhyazinthen zu
bewundern gewesen sind.
Solche Wasserflächen mit Vegetation sind auch immer die Heimat etlicher
Vögel:
Teichhühner (Gallinula chloropus) sind mit ihren langen
Beinen und beachtlich großen Füßen auf den Blättern der Seerosen umher
gelaufen, ohne besonders weit ins Wasser einzusinken. Wer sich nun
wundert - ja, ganz genau, Teichhühner kommen auch in Deutschland vor. Man
kann auf La Digue also neben allerlei exotischen Vogelarten auch "alte
Bekannte" beobachten.
Schon
wenn man sich der Bucht Grand Anse nähert, ist an vielen Tagen das Tosen
des Meeres zu hören, denn die Wellen können sehr hoch sein. Sobald man
aus dem leicht bewaldeten Bereich der Insel an den Strand tritt, erlebt
man das überwältigende Panorama dieses Küstenabschnitts. Grand Anse ist
eine jener Bilderbuch-Buchten, die man für eine Erfindung der
Touristikbranche hält, bis man sie mit eigenen Augen gesehen und sich
von ihrer Echtheit überzeugt hat. Ein blendend weißer Strand sowie
pittoreske Granitfelsen an der rechten und linken Seite machen Grand
Anse zu einem malerischen Ort.
Die Bucht ist der ideale Platz, um sich in die Sonne zu legen und die
Schönheit der Natur zu genießen. Zum Baden ist Grand Anse jedoch
bedauerlicherweise normalerweise aufgrund der meterhohen Wellen gänzlich
ungeeignet. Einige unbelehrbare Zeitgenossen haben sich während meines
Besuchs des Strandes über alle Warnungen hinweggesetzt und trotzdem ins
Wasser begeben. Sie haben mit aller Kraft gegen die starke Strömung
angekämpft, während ich diesen Verrückten nur fassungslos bei ihrem
Kampf gegen die Kräfte des Ozeans zugeschaut habe. Ich habe ein Paar mit
einem kleinen Kind in der tosenden Brandung gesehen und mich gefragt, ob
solcher Leichtsinn überhaupt noch zu überbieten ist. Zwar haben die
Eltern die Hände des Kindes umklammert gehalten. Aber wer einmal in eine
Unterströmung geraten ist, der weiß, wie schnell ein solcher Badeausflug
tödlich enden kann - vor allem für Kinder, die von ihren Eltern
losgerissen werden. Glücklicherweise bin ich an jenem Tag nicht Zeugin
eines tödlichen Badeunfalls geworden, dennoch kann ich nur jeden davor
warnen, es diesen Menschen gleich zu tun.
Außerdem
bin ich über die unzähligen Zigarettenstummel bestürzt gewesen, die
überall im Sand verstreut gelegen haben. Schade, dass rücksichtslose
Zeitgenossen selbst solche sehr abgelegenen Winkel unseres Planeten mit
ihrem Müll verschmutzen müssen. Da fragt man sich, ob diese Menschen zu
Hause in ihren Häusern und Wohnungen auch ihre Kippen auf den Fußboden
fallen lassen... Es wäre wünschenswert, dass alle Strandbesucher
jeglichen Müll, den sie produzieren, wieder mitnehmen und nicht einfach
Grand Anse und Co. in wilde Müllkippen verwandeln. Ich habe diesen Müll
als eine Art Entweihung eines Paradieses empfunden und ich hatte
zugegebenermaßen im Vorfeld nicht damit gerechnet, so etwas auf den
Seychellen zu erleben. Leider hatte ich mich getäuscht, denn wo
Touristen auftauchen, da landet scheinbar zwangsläufig auch deren Müll
in der Natur.
Genug
lamentiert, denn die Bucht hat weit mehr zu bieten als Zigarettenstummel
im wunderbar feinen Sand. Wer an Mineralien oder Geologie interessiert
ist, der sollte am westlichen Ende der Bucht unbedingt einen Blick auf
den rosaroten Granit werfen. In den Felsen finden sich unzählige
kleine, glitzernde Feldspat-Kristalle, die das Sonnenlicht in alle
Richtungen brechen - ein wirklich atemberaubender Anblick! Wind und
Regen haben diese Felsen seit deren Entstehung vor über 100 Millionen
Jahren rund geschliffen. Sie sind sehr alte Relikte des Urkontinents Gondwanaland. Es
hat mich mit einer gewissen Ehrfurcht
vor der Natur erfüllt, meine Hand auf diese stummen Zeugen der Erdgeschichte zu
legen und ihre erstaunlich glatte Oberfläche und die in ihnen
gespeicherte Sonnenwärme zu spüren.
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Granit im Detail |
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Granitfelsen an der Bucht Grand Anse |
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L'Union Estate
L'Union Estate auf einer größeren Karte anzeigen
Südlich
der Siedlung La Passe befindet sich ein Areal namens L'Union Estate. Auf diesem Anwesen,
das einst recht feudal gewesen ist, befindet sich noch heute eine alte Kokosplantage. Dort wird nach wie vor Vanille
kultiviert und man kann verschiedene Dinge besichtigen, die mit dem Anbau
von Kokosnüssen zu tun haben. Der Eintritt hat zehn Seychellen-Rupien
betragen, als ich im Juni 2000 dort gewesen bin. Man hat diesen Betrag übrigens auch dann entrichten
müssen, wenn man
nichts auf dem Gelände anschauen und lediglich zum Strand von Anse
Source d'Argent gehen wollte. Wenige Meter hinter dem Kassenhäuschen
trifft man rechts neben dem Weg auf einen alten kreolischen Friedhof,
dessen Grabsteine stark verwittert sind. Einige Inschriften
der teils mit Pflanzen überwucherten Steine sind bei sehr genauer
Betrachtung trotzdem auch heute noch lesbar.
Folgt
man dem Weg in Richtung Süden, gelangt man bald zu einer traditionellen
Kopramühle, die einst durch die Muskelkraft eines Bullen angetrieben
worden ist. Kopra ist nichts anderes als gemahlenes Kokosmark, das
früher das führende Exportgut der Seychellen dargestellt hat. Zu
Demonstrationszwecken ist während unseres Besuchs der Plantage ein Bulle
an die Mühle gekettet gewesen. Das Tier hat mir aufrichtig leid getan,
denn es ist den ganzen Tag angebunden gewesen und hat sich kaum bewegen
können. Noch schlimmer ist allerdings der Gedanke an zum Glück längst
vergangene Zeiten, in denen nicht selten Sklaven an solche Kopramühlen
gekettet worden sind, um sie anzutreiben.
Links neben der Mühle kann man die Vanilleplantage bewundern. Vanille
ist einst ein Exportschlager der Seychellen gewesen, bis die Preise
drastisch gefallen sind, da man Vanillin, das künstliche und damit
erheblich preiswertere Aroma, erfunden hatte. Zusätzlich hat eine
Pflanzenkrankheit auf den Vanilleplantagen gewütet und dem bis dahin
florierenden Geschäft ein jähes Ende bereitet. Der Anbau der
empfindlichen Orchideenart ist auf den Seychellen einst übrigens nur
deshalb gelungen, weil man ein Verfahren entwickelt hatte, mit dem man
die Blüten bestäuben konnte: Jede Blüte ist einzeln und mit größter
Vorsicht von Hand bestäubt worden. Nötig gewesen ist diese Handarbeit,
weil die Insekten, die in der ursprünglichen südamerikanischen Heimat
die Bestäubung der Vanille vornehmen, auf den Seychellen nicht leben.
Das nebenstehende Foto zeigt einige der auf dem Gelände der ehemaligen
Plantage beheimateten
Vanillepflanzen (Vanilla planifolia).
Überall auf dem Gelände des Union Estate stehen Kokospalmen, die den
Besucher vor der prallen Sonne schützen. Setzt man den Spaziergang
entlang des schattigen Weges weiter in Richtung Süden fort, kommt man an
einem Innenhof vorbei, in dem ein Tisch steht, auf dem frische
Kokosnussstücke liegen, die man kosten darf. Ganz in der Nähe ist ein
Gehege, in dem einige sehr junge
Aldabra-Riesenschildkröten (Aldabrachelys gigantea)
untergebracht sind. Ein paar Meter weiter links ragt der imposante
La-Digue-Felsen empor. Ihm zu Füßen befindet sich ein Gehege für ältere
und damit auch größere Aldabra-Riesenschildkröten.
Manchmal kommt es vor, dass eines der behäbigen Tiere seinen Kopf weit
in die Höhe reckt. Damit signalisieren die riesigen Schildkröten, dass
sie am Hals
gekrault werden möchten. Keine Sorge, die Tiere sind absolut
friedlich und zahm, man holt sich allerdings gehörig schmutzige Finger,
wenn man sie berührt.
Folgt man anschließend dem Weg weiter nach Süden, gelangt man zu einer
der landschaftlich schönsten Gegenden der Insel: Anse Source d'Argent.
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Anse Source d'Argent
Anse Source d'Argent auf einer größeren Karte anzeigen
Postkartenidylle
pur bietet sich jedem, der an der zauberhaft schönen Bucht Anse Source
d'Argent verweilt. Von Wind und Regen rund geschliffene Granitfelsen in
zartem Rosa und Grau erheben sich über dem feinen, weißen Sand, der sich
wie Babypuder anfühlt. Kokospalmen säumen den Strand, das türkis-blaue
Wasser der Lagune liegt ruhig da und lädt zum Baden ein. Ein Riff
schützt den Küstenabschnitt vor den starken Strömungen und hohen Wellen
des offenen Meeres. Innerhalb der Lagune gibt es dank des Riffs
lediglich einige kleine Wellen. Selbst 30 Meter vom Strand entfernt kann
man im hüfttiefen Wasser noch bequem stehen. Man wähnt sich dort eher in
einer riesigen Badewanne als im Ozean. Diese "Badewanne" hat allerdings
noch erheblich mehr zu bieten als ausgelassenen Badespaß vor einer fast
schon unerträglich schönen Fototapeten-Kulisse.
Hinter einem schmalen Seegrasstreifen gibt es einige seit geraumer Zeit
leider stark beschädigte Korallenblöcke, die trotz ihres schlechten
Zustandes Anziehungspunkt für eine Reihe farbenfroher Meeresbewohner
sind. Beim Schnorcheln bin ich dort zwischen
Fledermausfischen (Platax orbicularis),
Orangestreifen-Drückerfischen (Balistapus undulatus),
Halfterfischen (Zanclus cornutus), siehe Foto rechts, und vielen anderen Riffbewohnern
umher geschwommen. Auch ungeübte Schnorchlern kann man diese Bucht nur wärmstens
empfehlen, weil es meiner Erfahrung nach die ruhigste Stelle der Insel
ist, zumal aufgrund der geringen Strömung und kleinen Wellen
meist hervorragende Sichtbedingungen herrschen.
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Anse Sévère
Anse Sévère auf einer größeren Karte anzeigen
Einige
Gehminuten nördlich von La Passe liegt die Bucht Anse Sévère, ein
weiterer traumhafter Strandabschnitt auf La Digue. Dieser Küstenbereich
der Insel wird von Takamaka-Bäumen gesäumt, die Schatten spenden. Der
Sandstrand ist nicht von Granitfelsen durchsetzt, wie es bei anderen
Buchten teilweise der Fall ist. Oft sind die Wellen sind hier ein wenig
höher als an anderen Stellen der Insel, weshalb sich diese Bucht
hervorragend zum Plantschen eignet, ohne dabei gefährlich zu sein, weil
häufig keine Unterströmungen auftreten. Zum Schnorcheln ist der mittlere
Bereich des Küstenabschnitts weniger gut geeignet, weil es dort
lediglich Sand zu sehen gibt. Hin und wieder schwimmt ein Rochen vorbei,
aber darauf muss man unter Umständen lange Zeit warten. Etwas bessere
Beobachtungsmöglichkeiten bieten die Felsgruppen am rechten sowie am
linken Ende der Bucht, denn dort gibt es einige wenige Fische. Während
meiner Seychellenreise im Juni 2000 hatte ich an dieser Stelle jedoch
mit angeschwemmtem Seegras zu kämpfen. Es hat die Sichtweite unter
Wasser erheblich reduziert und sich ständig an der Schnorchelbrille
verfangen, so dass grüne Fetzen die Sicht versperrt haben.
Setzt
man sich am Strand abends an den rechten Fleck, kann man Mitte Juni den
Sonnenuntergang zwischen den Nachbarinseln Praslin und Curieuse
bewundern. Mit ein wenig Glück sieht man sogar ein überwiegend in den
Tropen sichtbares, seltenes Phänomen der Erdatmosphäre, das "Grüner
Blitz" genannt wird. Durch Beugungseffekte in den unterschiedlich
dichten Luftschichten erscheint für wenige Sekunden ein grünes Leuchten
über dem Horizont, unmittelbar nachdem die Sonnenscheibe komplett
verschwunden ist. Mir ist es auf La Digue zum ersten Mal in meinem Leben
gelungen, diese Leuchterscheinung zu beobachten.
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Anse Patates
Anse Patates auf einer größeren Karte anzeigen
Einer
der am häufigsten fotografierten Strände der Seychellen ist Anse
Patates. Seine Felsformation schmückt beispielsweise den Umschlag des
Buches "Reiseführer Natur - Seychellen, Mauritius", zumindest denjenigen
der Ausgabe, die mich auf die Inseln begleitet und mir gute Dienste
erwiesen hat. Eines haben die vielen Abbildungen des wunderschönen
Strandes für mein Empfinden gemeinsam: Die scheinbare Größe täuscht. Ich
bin überrascht gewesen, wie klein die Bucht am Nordzipfel von La Digue
tatsächlich ist. Im Juni 2000 während meines Aufenthalts ist der Seegang
recht hoch gewesen, ich bin jedoch trotzdem zum Schnorcheln ins Wasser
gegangen.
In unmittelbarer Nähe des Strandes ist das Wasser recht trüb gewesen,
weil die Wellen viel Sand aufgewirbelt hatten. Einige Meter weiter
draußen ist es dagegen erheblich klarer gewesen. Dort haben sich mir
wunderbare Einblicke in die farbenfrohe Unterwasserwelt der Seychellen
geboten. Das Foto in diesem Abschnitt zeigt einen männlichen
Nasenhöcker-Papageifisch (Scarus rubroviolaceus), dasselbe
gilt für die Abbildung unten.
Nirgendwo auf der Welt habe ich bislang derart viele Papageifische auf
so engem Raum gesehen wie an den Felsen jener Bucht. Schaut man genau
hin, erkennt man beispielsweise die leuchtend bunt gefärbten
Männchen der Nasenhöcker-Papageifische inmitten ihres Harems, die aus eher
einfarbigen, unscheinbareren
Weibchen bestehen. Bis zu acht weibliche Tiere habe ich in Begleitung eines
einzelnen Männchens an den Korallenblöcken beim Fressen beobachtet. Hören Sie beim
Schnorcheln genau hin, denn man kann es deutlich vernehmen, wenn ein
Papageifisch mit seinem kräftigen Beißwerkzeug in Korallen beißt.
Auf dem Speiseplan der großen Fische stehen Korallenpolypen. Doch keine
Angst vor dem gefährlich wirkenden Maul. Uns Menschen greifen die
Papageifische nicht an.
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Weitere
Informationen:
Das Gebiet bei Naturgucker.de
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