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Landkarte von Praslin Die zweitgrößte Seychelleninsel ist Praslin. Ganze 37,58 km² misst das Eiland, und auf ihm leben etwa 4.800 Menschen. Praslin soll landschaftlich relativ viel Abwechslung bieten, was ich selbst während meiner Reise im Jahre 2000 nicht im Detail verifizieren konnte, weil ich nur einen Tag dort verbracht habe. Der Tagesausflug begann auf La Digue, wo mein Reisebegleiter und ich die Fähre bestiegen, die uns in einer knappen halben Stunde zum Fähranleger in der Baie Ste. Anne auf Praslin brachte.

Denkmal zum UnabhängigkeitstagGanz in der Nähe des Fähranlegers (Englisch: "Jetty") befindet sich die Bushaltestelle und die zeitliche Abstimmung der Fährverbindung mit dem Busfahrplan könnte besser nicht sein. Knapp zehn Minuten nachdem das Boot angelegt hatte, kam auch schon der Bus, der uns und ein paar weitere Touristen für drei Rupees pro Person ins berühmte Vallée de Mai - auf Deutsch Mai-Tal - brachte. Dieser Wald besteht zu großen Teilen aus Seychellenpalmen, die auf Praslin endemisch sind, also nur dort vorkommen. Selten habe ich einen ähnlich imposanten Ort erkundet wie diesen Nationalpark. Weiter unten finden Sie meine persönlichen Eindrücke von diesem unvergleichlichen Ort in Wort und Bild.

Nach dem Besuch des Vallée de Mai fuhren wir mit dem Bus weiter nach Grande Anse, einem recht verschlafen wirkenden Ort an der Südküste Praslins (siehe unten). Dort steht das Denkmal zum Unabhängigkeitstag der Seychellen am 23. Juni 1976, das auf dem nebenstehenden Foto zu sehen ist.

Grande AnseIn Grande Anse versuchten wir leider mit wenig Erfolg, ein vegetarisches kreolisches Mittagessen aufzutreiben. Lediglich Steve's Café hatte zwei für Vegetarier essbare Snacks im Angebot: Sandwiches und Pommes Frites. Weil wir nach dem Essen relativ viel Zeit bis zu unserem Rückflug nach Mahé hatten, schlenderten wir in gemächlichem Tempo zum Flughafen, der etwa 2,5 km westlich von Grande Anse liegt. Der Weg dorthin ist wenig empfehlenswert für Fußgänger, da es sich um eine stark frequentierte Hauptstraße handelt.

Grande Anse mit verrottendem SeegrasAm Strand konnte man im Juni leider nicht entlang gehen, weil er mit übel riechendem, Seegras bedeckt war, das vom rauhen Meer angespült worden war. Gegenüber vom Flughafen gibt es ein Aquarium, das für Besucher seine Pforten öffnet. Leider hatte es am Tag unseres Aufenthalts auf Praslin schon sehr früh geschlossen - wir waren an einem Samstag auf der Insel. Schade, wir hätten es sonst gern erkundet, um uns die Zeit bis zum Abflug zu vertreiben.

Ein eintägiger Besuch ist für Praslin sicher zu kurz bemessen, mehr Zeit blieb uns jedoch bedauerlicherweise nicht. Das Vallée de Mai sollte man meiner Meinung nach während eines Seychellenurlaubs unter keinen Umständen verpassen, denn es ist ein phantastisches Fleckchen Erde. Falls Sie dort fotografieren möchten, sollten Sie mindestens einen 400er-Film verwenden, besser noch einen 800er oder eine hochwertige Digitalkamera. Sicherheitshalber sollten Sie nehmen ein Blitzgerät mit auf ihre Wanderung nehmen, denn stellenweise ist es im Wald recht dunkel.

Vallée de Mai

Seychellenpalmen im RegenUrtümlicher, nahezu unberührter Wald, wie er einst auf der gesamten Insel und noch viel früher auf dem Urkontinent Gondwana vorkam, wächst heute nur noch im Praslin-Nationalpark, zu dem das Vallée de Mai gehört. Seit 1983 hat dieses Tal den Status eines Weltnaturerbes der UNESCO (World Heritage Site), weil die Natur dort einmalig ist. Am Eingang des Parks liegt das Besucherzentrum, das Schränke für Gepäck bereithält, welches man nicht mit in den Wald nehmen möchte. Die Benutzung der Spinde ist kostenlos und ich fand diesen Service großartig, hatte ich doch mein Gepäck für mehrere Tage La Digue und den Ausflug nach Praslin auf dem Rücken.

Weibliche Seychellenpalme Wenige Meter vom Besucherzentrum entfernt, befindet sich der Haupteingang mit seinem Kassenhäuschen, an dem jeder Besucher 50 Rupees für den Eintritt entrichten muss (Stand Juni 2000). Im Preis inbegriffen ist ein kleines Faltblatt, das die Sehenswürdigkeiten entlang des Weges beschreibt. Diese Broschüre ist unter anderem in Deutsch erhältlich.

Sämtliche Wege im Vallée de Mai sind gut ausgebaut und wenig steil. Sie stehen allerdings bei starkem Regen unter Wasser, wie wir kurz nach Betreten des Waldes feststellen mussten. Es begann zu schütten wie aus Eimern und wir suchten Schutz unter den großen, fächerförmigen Blättern der Seychellenpalmen und genossen das nasse Naturschauspiel. Die Geräusche, die durch die auf die Blätter fallenden Regentropfen entstehen, klingen wie eine Symphonie aus zahllosen verhaltenen Trommelschlägen. Das Foto in diesem Absatz zeigt eine weibliche Seychellenpalme.

Stelzwurzeln einer Palme Das Vallée de Mai ist ein Ort, den man mit allen Sinnen bewusst erleben sollte. Uns fiel sofort der warmen, erdigen Geruch des Waldes auf. Etwas Vergleichbares habe ich bislang nirgendwo auf der Welt gerochen. Auch die Geräusche der Palmen sind eigentümlich. Weil die fächerförmigen Blätter recht groß sind, reiben sie sich sogar bei kaum zu spürendem Wind aneinander und es entsteht ein charakteristischer Klang, der entfernt an prasselnden Regen auf einem Zeltdach erinnert. Wie echter Regen klingt, haben wir wie bereits erwähnt ebenfalls erlebt. Übrigens bleibt bei starkem Regen nichts trocken. Ich fotografierte während der Schauer ausschließlich mit der Unterwasserkamera, die empfindliche Spiegelreflexkamera blieb sicherheitshalber in der schützenden, wasserdichten Fototasche.

Pflanzen wachsen auf PalmstämmenEntlang der Wanderwege fallen immer wieder Pflanzenarten auf, die wohl den meisten Besuchern unbekannt sein dürften. Eine Besonderheit des Waldes im Vallée de Mai sind die vielen Palmenarten, die auf Stelzwurzeln stehen (siehe Foto oben rechts). Außerdem findet man allerorten sogenannte Epiphyten, also Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen (siehe nebenstehendes Foto).

Nun aber zurück zu den Sinneswahrnehmungen. Neben den Geräuschen der Blätter im Wind kann man vielerorts noch etwas anderes hören: Absolute Stille, die nur selten beispielsweise von einem Vogelruf durchbrochen wird. An anderen Stellen des Waldes wiederum hört man die hohen, zirpenden Rufe der winzigen, im Vallée de Mai heimischen Frösche, die man jedoch nicht leicht aufspüren kann - wir sahen leider keinen. Aus der Ferne hörte ich die Kontaktrufe der nur im Mai-Tal lebenden Rabenpapageien (Coracopsis nigra barklyi), die ich bedauerlicherweise nicht beobachten konnte. Die Vögel haben sich vermutlich aufgrund des kräftigen Regens an einen geschützten Ort zurückgezogen.

Schnecke Alles in allem kann man im Mai-Tal vergleichsweise wenige Tiere beobachten, sofern man nicht mit sehr großer Aufmerksamkeit die Umgebung betrachtet. An den Stämmen der Palmen kriechen etliche nur etwa zwei Zentimeter große Gehäuseschnecken empor (siehe Foto rechts). Gelegentlich begegnet man einer der großen endemischen Schnecken, die ein rundes, flaches Gehäuse auf dem Rücken tragen. Bienen laben sich an den männlichen Blütenständen der Seychellenpalme (siehe Foto unten); dort finden sich neben den Insekten die auf den Seychellen allgegenwärtigen Grünen Taggeckos. Geschützt und zwischen den Blättern gut versteckt, leben Bronzegeckos und am Boden in der Laubschicht eilen Skinke umher.

Männliche Blüte der Seychellenpalme Seychellenpalme

Bunte Palmblätter Ein regelrechter Augenschmaus sind neben den teils extrem im Verborgenen lebenden Tieren die wundervollen Farbspiele der Palmwedel. Im Sonnenlicht ergibt sich ein permanent changierendes Mosaik aus Grün, Gelb und Rot, das einen schnell in seinen Bann schlägt. Mich faszinierte das ständig wechselnde Licht- und Schattenspiel sehr und ich möchte jedem Seychellenurlauber einen Besuch des Vallée de Mai wirklich ans Herz legen. Und nehmen Sie sich unbedingt genügend Zeit für das Erkunden dieses bezaubernden Ortes!

Mehr Informationen über das Vallée de Mai finden Sie auf der Infoseite der UNESCO über dieses Weltnaturerbe, die in englischer Sprache verfasst ist.

Grande Anse

Lebensmittelgeschäft in Grande Anse Nach unserer Tour durch das Vallée de Mai gingen wir in Grande Anse spazieren. Die Ortschaft ist klein und wirkt ländlich verträumt. Es gibt einige winzige Supermärkte, wie sie auch auf anderen Seychelleninseln typisch sind. Meist erkennt man diese Geschäfte nur an einer Getränkewerbung an der Hauswand neben der Eingangstür. Vogelfreunde sollten jedoch nicht nur auf die Häuser schauen, sondern insbesondere nach Regenfällen den Blick nach oben richten. Dann fliegen viele Seychellensalanganen (Aerodramus elaphra), die nur auf den Seychellen heimisch sind, in geringer Höhe über das Städtchen. Auch einige Madagaskarweber (Foudia madagascariensis) konnte ich auf den Rasenflächen der Gärten beobachten. An Teilen ihres Körpers trugen die Männchen noch Reste ihres Prachtfederkleides in leuchtendem Rot. Da die Brutsaison im Juni bereits einige Wochen zurücklag, waren diese roten Federn fast nur noch an den Köpfen der Vögel zu sehen, der Rest der auffällig gefärbten Pracht war durch die Mauser schon wieder verloren gegangen.

Rote Landkrabbe Besondere Sehenswürdigkeiten bietet Grande Anse ansonsten nicht, so dass wir nur kurz in dem Städtchen verweilten. Auf unserem Spaziergang zum Flughafen kamen wir an einigen kleinen Bächen mit schlammigen Uferzonen vorbei. In diesem Schlamm leben hunderte leuchtend roter Landkrabben, die bei der geringsten Störung in ihren Wohnröhren verschwinden (siehe Foto rechts).

 
                 

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