SeychellenBird Island
 

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Landkarte von Bird Island Am nördlichen Rand der Seychellenbank in etwa 100 Kilometern Entfernung von Mahé liegt die kleine, flache Koralleninsel Bird Island. Das 1,5 Kilometer lange und 0,65 Kilometer breite Eiland unterscheidet sich grundlegend von den Granitinseln der Inneren Seychellen. Es gleicht von seiner Beschaffenheit her eher einer Malediveninsel, denn es handelt sich um eine typische "Atoll-Insel". Sie besteht überwiegend aus feinem Korallensand, Felsen sucht man vergeblich. Die höchste Erhebung auf Bird Island liegt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel.

Im Norden fällt der Meeresboden steil bis auf 3.000 Meter Tiefe ab. Ein Korallenriff ist der Südwestküste vorgelagert, was den Küstenbereich ausgesprochen wirksam vor den starken Strömungen des offenen Meeres schützt.

Mit dem Flugzeug erreicht man die nördlichste der Seychellen-Inseln von Mahé aus in knapp 35 Minuten; die kleine Twin Otter der Air Seychelles flog die Strecke im Jahr 2000 einmal täglich.

Geht man auf Bird Island von Bord, empfangen einen während der Brutsaison der Seeschwalben tausende Seevögel, denen die Insel ihren jetzigen Namen zu verdanken hat. In einigen Landkarten ist sie noch als Île aux Vaches Marines ("Insel der Seekühe") verzeichnet. Diese behäbigen, gutmütigen Meeressäuger sind in den Gewässern um Bird Island inzwischen leider längst ausgestorben.

Bird Island im Landeanflug

Wüstenregenpfeifer Wer nach Bird Island kommt, hat entweder von Deutschland aus meist entweder "Inselhüpfen" gebucht oder ist ein eingefleischter Vogelliebhaber, wobei letztere unter den Gästen eindeutig in der Überzahl sind. Mindestens eine Nacht muss man auf der Insel verbringen, weil das Flugzeug nur einmal am Tag landet. Es lebt sich fürstlich auf Bird Island, denn der Koch verwöhnt die Gäste mit überaus schmackhafter kreolischer Kost, die Vollpension ist im Preis inbegriffen. Foto in diesem Absatz: Wüstenregenpfeifer (Great Sand Plover, Charadrius leschenaultii).

Im Bungalow auf Bird Island Aufgrund ihrer gut durchdachten Bauweise kommen die 25 Bungalows der Bird Island Lodge ohne Klimaanlage aus. Die Dächer sind lediglich über einige Stützpfeiler mit den Grundmauern der Häuser verbunden, so dass stets eine kühlende Brise durch die Bungalows weht. Vor nächtlichen Moskitoangriffen muss man sich trotz allem nicht fürchten, weil sich die Betten mit Netzen verhängen lassen. Die Fenster enthalten keine Glasscheiben, auch durch sie kann die Luft nahezu ungehindert zirkulieren. Holzrahmen mit einigen Latten können auf Wunsch geschlossen werden, um den Wind und allzu neugierige Vögel auszusperren. So mancher Urlaubsgast hat es bereits bitter bereut, die Fenster am späten Nachmittag nicht geschlossen zu haben, weil der Bungalow nachts voller neugieriger und laut rufender Rußseeschwalben war. An Schlaf ist bei einer solchen "Belagerung" freilich nicht zu denken.

Noddi rastet auf einem Baum am Strand Weil es auf Bird Island extrem selten regnet, wird das Brauchwasser aus einer Süßwasserblase gewonnen, welche sich unter dem Eiland befindet. Diese Blase schwimmt auf dem Meerwasser und ist selbst leicht salzig. Aus diesem Grund ist auf Bird Island kein heißes Leitungswasser verfügbar, weil das Salz im Brauchwasser die Heizungsanlage innerhalb kürzester Zeit zerstören würde. Trotzdem muss man nicht kalt duschen, denn das Wasser ist lauwarm und stellt angesichts der hohen Lufttemperaturen von oft mehr als 30° Celsius eine angeheme Abkühlung dar.

In großen Zisternen sammelt man Regenwasser, um es als Trinkwasser zu benutzen. Jenes Wasser stand den Gästen während meines Besuchs der Insel im Jahr 2000 kostenlos zur Verfügung, sofern sie Regenwasser trinken wollten. Ich selbst habe es getan und ich bin davon nicht krank geworden. Selbstverständlich ist auch abgefülltes Wasser in Kunststoffflaschen im Restaurant erhältlich.

Rußseeschwalbe im Flug Als Vogelfan ist man auf Bird Island bestens aufgehoben. Während des gesamten Jahres trifft man dort auf brütende Seevögel, wobei die Brutsaison der Rußseeschwalben (Sooty Tern, Onychoprion fuscata, siehe Foto rechts) stets in die Zeit von April bis Oktober fällt. Ich besuchte Bird Island Mitte Juni 2000 und es war ein unbeschreibliches Erlebnis, die vielen Rußseeschwalben zu sehen. In dichten Wolken kreisten sie zu hunderten über dem Strand in der Nähe der Brutkolonie und ihr Geschrei war an manchen Strandabschnitten ohrenbetäubend laut.

Brutplatz der RußseeschwalbenVon einer Plattform aus kann man den Bereich der Brutkolonie (in der Übersichtskarte ganz oben orange markiert) optimal überblicken, am besten bringt man ein Fernglas oder Spektiv mit. Im Juni hockten die Weibchen im spärlichen, flachen Gras auf jeweils einem braun-rot gesprenkelten Ei. Pro Quadratmeter Boden zählte ich bis zu fünf Nester (siehe Foto rechts). Ab Ende Juni kann man die anfangs sehr flauschig aussehenden Nestlinge beobachten. Landet ein Vogel in der Nähe seines Nestes, kommt es oft zu Auseinandersetzungen mit den Nachbarn, die es nicht mögen, wenn man ihnen zu nahe kommt. Lautes Geschrei und kurze Gefechte mit den spitzen Schnäbeln sind dann an der Tagesordnung.

Rußseeschwalbe und Ei   Rußseeschwalbe-Konfrontation

Birds Only Der Bereich, in dem die Vögel brüten, ist für Menschen gesperrt. Schilder mit der Aufschrift "Birds Only" (auf Deutsch etwa "Zutritt nur für Vögel") machen dies unmissverständlich deutlich. Allein den Vogelforschern ist es vorbehalten, die Brutkolonie beispielsweise für Zählungen zu betreten. Wer die Rußseeschwalben aus nächster Nähe beobachten möchte, kann dies ohne Probleme am Strand tun, wo die nicht brütenden Junggesellen im Sand rasten und wenig Scheu vor den Menschen zeigen.

Rußseeschwalbe im Flug Als ich mich in den Sand legte, segelten die Rußseeschwalben mit ausgebreiteten Flügeln etwa einen halben Meter über mir, um mich genau in Augenschein zu nehmen. Nachdem ich etwa eine halbe Stunde nahezu bewegungslos am Strand gesessen hatte, kamen die Vögel so nah an mich heran, dass sie mit ihren Flügelspitzen mein Gesicht berührten. Die Rußseeschwalben flogen wie Models entlang eines unsichtbaren Laufstegs direkt vor mir her (siehe Foto rechts). Zum Fotografieren sollte man deshalb unbedingt ein Objektiv im Gepäck haben, mit dem man die Vögel aus großer Nähe ablichten kann. Teleobjektive sind hierbei völlig unbrauchbar.

RußseeschwalbeMir hat es großen Spaß gemacht, mich in den Sand zu legen und die Tiere von unten zu fotografieren. Aus dieser Perspektive betrachtet, stellen sie sehr reizvolle Motive dar. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass nicht ich die Vögel beobachtete, sondern umgekehrt. Einige Rußseeschwalben verharrten auf der Stelle in der Luft über mir und betrachteten mich minutenlang aus geringer Entfernung. Das waren für mich unvergessliche Momente. Allerdings muss man als Fotograf in dieser Lage damit rechnen, dass alles "Gute" von oben kommt ... Mich trafen zwei dicht über mir fliegende Vögel mit ihren Hinterlassenschaften. Aber die Foto-Ausbeute war es mir trotzdem wert. ;-)

Rußseeschwalbe    Rußseeschwalbe

Markierung eines Meeresschildkrötennestes Außerhalb der Rußseeschwalben-Kolonie dürfen sich die Besucher auf Bird Island praktisch überall frei bewegen. Einzige Einschränkungen: Nicht zu nah an brütende Vögel treten, da diese sonst im schlimmsten Fall an einem Herzinfarkt sterben könnten. Darüber hinaus sollte man im Umkreis von etwa 1,5 Meter um in den Sand gerammte Holzpfähle mit einer roten Markierung nicht herumlaufen, weil sich darunter jeweils ein Gelege einer Meeresschildkröte befindet. Sie gehören weltweit zu den bedrohten Arten und stehen deshalb auch auf den Seychellen unter besonderem Schutz. Auf Bird Island brüten mehrere Arten. Wer sehr großes Glück hat, kann die winzigen Jungtiere beim Ausschlüpfen beobachten und ihnen dabei zusehen, wie sie auf ihren vier Schwimmflossen den Strand entlang kriechen, um so schnell wie möglich den Ozean zu erreichen.

Noddis rasten auf einem Baum In den Büschen, Bäumen und auf dem Boden brüteten im Juni 2000 viele Noddis (Common Noddy, Anous stolidus, siehe Foto rechts) sowie einige wenige Schlankschnabelnoddis (Lesser Noddy, Anous tenuirostris). Die beiden Arten lassen sich anhand der schärferen Abgrenzung der hellen "Krone" der Noddis unterscheiden. Außerdem sind Schlankschnabelnoddis ein wenig zierlicher gebaut als ihre Verwandten. Ihre Namen erhielten die beiden Seevogelarten aufgrund ihres eigentümlichen Balzverhaltens. Während der Werbung um einen Partner nicken beide Geschlechter auf charakteristische Weise, was sich auf Bird Island vielerorts beobachten lässt. Im Englischen heißt nicken "to nod", woraus sich das Wort Noddi ableitet.

Feenseeschwalbe Feenseeschwalbe Eine der schönsten Erscheinungen der Vogelwelt ist meiner Meinung nach die Feenseeschwalbe (White Tern, Gygis alba, siehe Foto rechts). Mit ihrem weißen Gefieder, dem mitternachtsblauen Schnabel und den großen, schwarzen Knopfaugen sehen diese Vögel atemberaubend hübsch aus. Allein ihre überaus krächzende Stimme passt nicht so recht zum edlen Aussehen. Ihre mit Schwimmhäuten ausgestatteten Füße weißen die Feenseeschwalben eindeutig als Seevögel aus. Sie ernähren sich von zarten Fischen, die in den Gewässern um Bird Island in großer Zahl vorkommen. Feenseeschwalben brüten auf der Insel das gesamte Jahr über, so dass man ständig Jungvögel jeden Alters oder brütende Weibchen auf den Kasuarinen (bestimmte Bäume) sowie in den Büschen am Strand vorfindet.

Das Ei einer Feenseeschwalbe Das Brutverhalten der Feenseeschwalbe ist bemerkenswert. Ein einziges, gesprenkeltes Ei wird auf einen kahlen Ast gelegt, meist in eine Gabelung. Dort wird es 35 Tage lang bebrütet, was je nach Breite des Astes einem zirkusreifen Balanceakt gleichkommt. Tritt man zu nahe an ein brütendes Weibchen heran, fliegt dieses auf, weil es sich gestört fühlt. Dabei kann das Ei versehentlich zu Boden gestoßen werden. Deshalb sollte man zu brütenden Feenseeschwalben immer einen ausreichend großen Sicherheitsabstand wahren, um ihren Bruterfolg nicht zu gefährden. Zwei Meter sollte man mindestens entfernt bleiben, auch wenn der Vogel noch so ruhig zu bleiben scheint. Innerlich ist er aufgewühlt und bereit zur überstürzten Flucht.

Feenseeschwalben-Nestling Bereits unmittelbar nach dem Schlupf können sich die Nestlinge mit ihren überdurchschnittlich großen, kräftigen Füßen am Untergrund festkrallen, um nicht in die Tiefe zu stürzen. Fällt ein Nestling dennoch vom Ast, wird er nicht mehr von den Eltern gefüttert. Etliche starke Stürme haben schon ganze Generationen junger Feenseeschwalben buchstäblich zu Grunde gehen lassen. Auf Bird Island sind Stürme zum Glück nicht die Regel und dem Besucher bieten sich allerorten Einblicke in die eher unkomfortable Kinderstube der Feenseeschwalben. Sollte man Zeuge eines Absturzes werden, so sollte man den Jungvogel vorsichtig wieder zurück auf seinen Ast setzen, obwohl es immer wieder heißt, dass man keine Wildtiere berühren sollte. Keine Sorge, die Eltern nehmen das Küken auch dann noch an, wenn man es berührt hat. Auf dem Boden wäre es verloren, auf dem Ast hingegen wird es weiter gefüttert.

Junge FeenseeschwalbeNahezu ausgewachsene Jungtiere erkennt man an einigen braunen Stellen im Gefieder. Sie sitzen neugierig dreinblickend auf ihren Ästen und scheinen keine Furcht zu kennen, wenn man sich ihnen nähert. Auch bei ihnen gilt: Halten Sie einen Sicherheitsabstand ein, um die jungen Vögel nicht zu ängstigen. Sollte ein Jungtier aufgrund eines allzu aufdringlichen Beobachters vor Schreck vom Ast fallen, setzen Sie es bitte mit größter Vorsicht wieder an seinen ursprünglichen Platz, damit es weiter von seinen Eltern mit Nahrung versorgt wird.

Feenseeschwalbe    Feenseeschwalbe

Weißschwanz-Tropikvogel Neben den oben beschriebenen Arten kommen auf Bird Island zahlreiche weitere Seevögel vor. So kann man beispielsweise das gesamte Jahr über Weißschwanz-Tropikvögel (White-tailed Tropic Bird, Phaethon lepturus, siehe Foto rechts), Bindenfregattvögel (Great Frigate Bird, Fregata minor) sowie Arielfregattvögel (Lesser Frigate Bird, Fregata ariel) in der Nähe des Strandes beobachten und hoch oben in der Luft beobachten.

Steinwälzer Bei Ebbe laufen am Strand Küsten- bzw. Watvögel wie Regenbrachvögel (Whimbrel, Numenius phaeopus) oder Steinwälzer (Ruddy Turnstone, Arenaria interpres, siehe Foto rechts) umher und stochern im Sand nach Nahrung oder suchen den Spülsaum nach kleinen Meerestieren ab. Bei Flut findet man vor allem die Steinwälzer auch im Innern der Insel, besonders gern halten sie sich auf der Landebahn und in der Nähe des Speisesaals auf. Zwischen Oktober und Dezember trifft man mit ein wenig Glück weitere Watvogelarten wie beispielsweise Sanderlinge (Sanderling, Calidris alba) oder Kiebitzregenpfeifer (Grey Plover, Pluvialis squatarola) auf der Insel an, die zu jener Zeit auf dem Zug in ihre Winterquartiere sind und auf Bird Island eine Zwischenstation einlegen.

Sperbertäubchen Im Innern der Insel leben ferner einige Landvogelarten. Hirtenmainas (Common Mynah, Acridotheres tristis), Seychellennektarvögel (Seychelles Sunbird, Nectarinia dussumieri), Madagaskarturteltauben (Madagascar Turtle Dove, Streptopelia picturata) und Sperbertäubchen (Zebra Dove, Geopelia striata, siehe Foto rechts) sind die am häufigsten vertretenen Spezies. Vor allem die Sperbertäubchen sind überaus zutraulich. Im Speisesaal laufen sie auf den Tischen umher und klettern beim Frühstück in die Brotkörbe, um ein paar Krümel zu erhaschen.

Seychellen-Taggecko Man würde einen großen Teil der Artenvielfald von Bird Island verpassen, würde man sich nur den dort lebenden Vögeln widmen. Die Insel ist Heimat vieler schöner Pflanzen, flink umher huschender Seychellen-Skinke (Mabuya seychellensis) und knallgrüner Taggeckos (Phelsuma ssp.). Die Grundfärbung der Tiere ist grün und sie tragen rötliche bis orange gefärbte Muster auf dem Rücken. Diese Muster sind von Tier zu Tier unterschiedlich, so dass man mit ein wenig Glück bestimmte Individuen anhand ihrer Fleckenmuster erkennen kann. Neben den knallig gefärbten Taggeckos kommen auf dem Eiland auch bräunlich bis beige gefärbte nachtaktive Geckos vor. Halten Sie die Augen auf, und Sie werden von den vielen Reptilien auf Bird Island begeistert sein. Auch Insekten sind auf der Insel heimisch, unter ihnen Bienen und Käfer in unterschiedlichen Größen und Farben.

Esmeralda Außerdem lebt auf Bird Island ein ganz besonderes Tier namens Esmeralda. Hierbei handelt es sich um die wohl schwerste und berühmteste Aldabra-Riesenschildkröte (Dipsochelys dussumieri) der Welt. Über 150 Jahre soll der würdevoll schreitende Herr alt sein, der sein Gewicht von ca. 300  Kilogramm ebenso gelassen trägt wie seinen weiblichen Namen. Immerhin hat er es mit seinem Gewicht im Jahre 1990 ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft! Das hier gezeigte Foto ist übrigens im Buch "Schildkröten der Welt Band 1" erschienen - noch ein Grund mehr für Esmeralda, sich zu freuen.

Esmeralda wohnte im Juni 2000 gemeinsam mit zwei Artgenossen (einer der beiden hieß Raphael) auf der etwa einen Quadratkilometer großen Insel und war meist in der Nähe der Bungalowanlage zu finden. Das dürfte sich inzwischen kaum geändert haben, denn dort finden die Tiere Gebüsche, in denen sie sich zum Ausruhen verstecken können. Außerdem stöbern sie dort häufig einen Leckerbissen auf. Sie essen sehr gern die kleinen weißen, birnenförmigen Früchte der Scharlachkordie (Cordia sebestena).

Strandabschnitt auf Bird Island In der Lagune von Bird Island und am inneren Riffrand huschen viele farbenfrohe Meeresbewohner durch die Fluten. Während der stürmischeren Jahreszeit, also im Mai und Juni, kann man jedoch kaum schnorcheln, weil das Meer viel zu aufgewühlt ist. Ich versuchte es im Lagunenbereich, sah allerdings nahezu keine Fische und der starke Wellengang war höchst unangenehm. Bei ruhiger See soll Bird Island ein hervorragendes Schnorchelgebiet sein, das man unbedingt einmal erkunden sollte. Masken und Flossen kann man für ein paar Euro an der Rezeption der Lodge mieten.

Die Schattenseiten des Tourismus'

Vom Propeller getötete Rußseeschwalbe So schön die Natur auf der einsamen Insel auch anzuschauen sein mag, wir Touristen bringen manchen Tieren leider einen brutalen Tod. Mir war es vor der Reise nach Bird Island nicht bewusst, aber als ich in der Propellermaschine saß und sie zum Landeanflug ansetzte, da wurde mir klar, dass wir eine Wolke unzähliger Seevögel durchfliegen würden, die über der Insel kreisten. Ich hoffte und betete, dass kein Vogel zu Schaden kommen würde, und wie durch ein Wunder war dem auch so.

Teil einer VogelleicheBedauerlicherweise geht es für die Tiere nicht immer so glimpflich aus. Oft werden beim Landen und Starten der Propellermaschine die Seevögel in grauenhafte Unfälle verwickelt, die sie nicht überleben. Nichts Böses ahnend, geraten sie in die Propeller des Flugzeugs und werden in der Luft zerstückelt. Als ich am späten Nachmittag über das Rollfeld spazierte und die zerfetzten Körper etlicher Meeresvögel sah, überkam mich große Trauer und und ich hätte mich beinahe übergeben müssen, so übel wurde mir. Von diesem Moment an sah ich meinem Rückflug nach Mahé mit Schrecken entgegen. Glücklicherweise kam dabei auch kein Vogel ums Leben. Insgesamt wäre es für die Vögel sicherlich besser, wenn Bird Island per Schiff angelaufen würde, aber bedauerlicherweise scheitert dies offenbar daran, dass es keine direkte Möglichkeit zum Anlanden gibt. Es müsste - wie zum Beispiel auf den Malediven üblich - ein Landungssteg errichtet werden. Ich hoffe für die Vögel, dass dies eines Tages geschehen wird.

Kranke Rußseeschwalbe Unfälle mit den Flugzeugen der Air Seychelles sind aber beileibe nicht die einzige Bedrohung für die Vögel, denn die Natur ist bekanntlich erbarmungslos. Für einen Seevogel ist das Leben sehr hart. Um zu überleben, muss er beispielsweise unbedingt fliegen können. Als ich im Sand saß, um die Rußseeschwalben im Flug zu fotografieren, schleppte sich eine von ihnen hinkend und mit hängendem Flügel zu mir und lehnte sich gegen mein Bein (siehe Foto rechts). Ihr Verhalten berührte mich zutiefst, denn es ist keineswegs selbstverständlich für einen Wildvogel, von sich aus auf einen Menschen zuzugehen. Die gesamte rechte Körperhälfte der Rußseeschwalbe war gelähmt, vielleicht durch einen Unfall oder durch einen Schlaganfall, was ich bei vielen Ziervögeln schon erlebt habe. Alles, was ich für diesen unglückseligen Vogel tun konnte, war ihn vorsichtig aus der Reichweite der Flut an den Rand der Kolonie zu tragen - so ist er wenigstens nicht über Nacht ertrunken.

Wäre ich in Deutschland gewesen, hätte ich versucht, dem Tier zu helfen, weil ich hierzulande in der Wildvogelhilfe aktiv bin. Auf Bird Island waren mir leider die Hände gebunden. Ich halte es für mehr als unwahrscheinlich, dass sich "meine" Rußseeschwalbe wieder von ihrer Lähmung erholt hat. Ohne Nahrung sterben Vögel recht schnell und werden beispielsweise Opfer der vielen Krabben. Es mag albern klingen, aber ich versprach "meiner" Rußseeschwalbe, sie auf dieser Webseite weiter "leben" zu lassen, und sei es nur in Form eines Fotos. Auf der Insel habe ich viele Vögel gesehen, aber nur diesem einen Tier ganz tief in die Augen geschaut. Diesen durchdringenden Blick werde ich nie vergessen.

Watvögel

Buchungstipp

Strand mit Rußseeschwalben In Victoria auf Mahé befindet sich das Bird Island Office, in dem man direkt vor Ort einen Last-Minute-Aufenthalt auf der Vogelinsel buchen kann. Der Preisvorteil einer solchen kurzfristigen Buchung ist unschlagbar, weil es im Einzelfall bis um die Hälfte billliger sein kann, als würde man den Aufenthalt in Deutschland bereits lange vor der Reise buchen. Wer über das Internet bucht, erhält meist ebenfalls einen Rabatt von einigen Prozent. Billig ist der Spaß allerdings trotz allem nicht. Mir als absolutem Vogelfan war es die Sache jedoch wert. Die aktuellen Preise der Bird Island Lodge und weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Website der Insel.

Wichtiger Hinweis: Beim Flug nach Bird Island sind maximal zehn Kilogramm Gepäck pro Person an Bord des Flugzeugs erlaubt!

 
                 

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