Fotoreiseberichte.de - Seychellen

Bird Island

Bird Island aus der Luft betrachtetAm nördlichen Rand der Seychellenbank befindet sich etwa 100 Kilometer von Mahé entfernt die kleine, flache Koralleninsel Bird Island. Das 1,5 Kilometer lange und 0,65 Kilometer breite Eiland unterscheidet sich grundlegend von den Granitinseln der Inneren Seychellen. Es gleicht von seiner Beschaffenheit her einer Malediveninsel, denn es handelt sich um eine typische "Atoll-Insel". Sie besteht überwiegend aus feinem Korallensand, Felsen sucht man vergeblich. Die höchste Erhebung auf Bird Island liegt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. Im Norden der Insel fällt der Meeresboden steil bis auf 3.000 Meter Tiefe ab. Ein Korallenriff ist der Südwestküste vorgelagert, was den Küstenbereich ausgesprochen wirksam vor den starken Strömungen des offenen Meeres schützt.

Mit dem Flugzeug erreicht man die nördlichste der Seychelleninseln von Mahé aus in knapp 35 Minuten. Die kleine Twin Otter der Air Seychelles hat die Route während meines Urlaubs im Jahr 2000 einmal täglich bedient.

Geht man auf Bird Island von Bord, empfangen einen während der Brutsaison der Seeschwalben unzählige Seevögel, denen die Insel ihren jetzigen Namen zu verdanken hat. In einigen Landkarten ist sie noch als "Île aux Vaches Marines", auf Deutsch "Insel der Seekühe", verzeichnet. Diese behäbigen, gutmütigen Meeressäuger sind in den Gewässern um Bird Island inzwischen jedoch leider längst ausgestorben.

Wüstenregenpfeifer (Charadrius leschenaultii)Wer nach Bird Island kommt, hat entweder von Deutschland aus einen Urlaub mit sogenanntem "Inselhüpfen" gebucht oder ist ein eingefleischter Vogelliebhaber, wobei letztere unter den Gästen eindeutig in der Überzahl sind. Mindestens eine Nacht muss man auf der Insel verbringen, weil das Flugzeug nur einmal am Tag landet. Es lebt sich fürstlich auf Bird Island, denn der Koch verwöhnt die Gäste mit überaus schmackhafter kreolischer Kost, die Vollpension ist im Preis inbegriffen. Foto in diesem Absatz: Wüstenregenpfeifer (Charadrius leschenaultii).

Im Bungalow auf Bird IslandAufgrund ihrer gut durchdachten Bauweise kommen die 25 Bungalows der Bird Island Lodge ohne Klimaanlage aus. Die Dächer sind lediglich über einige Stützpfeiler mit den Grundmauern der Häuser verbunden, so dass stets eine kühlende Brise durch die Bungalows weht. Vor nächtlichen Moskitoangriffen muss man sich trotz allem nicht fürchten, weil sich die Betten mit Netzen verhängen lassen. Die Fenster enthalten keine Glasscheiben, auch durch sie kann die Luft nahezu ungehindert zirkulieren. Holzrahmen mit einigen Latten können auf Wunsch geschlossen werden, um den Wind und allzu neugierige Vögel auszusperren. So mancher Urlaubsgast hat es bereits bitter bereut, die Fenster am späten Nachmittag nicht wie vom Hotelpersonal empfohlen geschlossen zu haben. Man mag es kaum glauben, aber die Rußseeschwalben sind so neugierig, dass sie abends in die Bungalows kommen, sofern sie einen Eingang finden. Und sind sie einmal drin, ist bei einer solchen "Belagerung" an Schlaf nicht zu denken...

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Noddi (Anous stolidus) rastet auf einem abgestorbenen BaumWeil es auf Bird Island nur ausgesprochen selten regnet, wird das Brauchwasser aus einer Süßwasserblase gewonnen, welche sich unter dem Eiland befindet. Diese Blase schwimmt auf dem Meerwasser und ist selbst leicht salzig. Aus diesem Grund ist auf Bird Island kein heißes Leitungswasser verfügbar. Denn das Salz im Brauchwasser würde die Heizungsanlage innerhalb kürzester Zeit zerstören. Trotzdem muss man nicht kalt duschen, denn das Wasser ist lauwarm und stellt angesichts der hohen Lufttemperaturen von oft mehr als 30 Grad Celsius eine angenehme Abkühlung dar.

In großen Zisternen sammelt man bei den seltenen Regenfällen das vom Himmel herab fallende Wasser, um es als Trinkwasser zu benutzen. Jenes Wasser hat den Gästen während meines Besuchs der Insel im Jahr 2000 kostenlos zur Verfügung gestanden, sofern sie Regenwasser trinken wollten. Ich selbst habe es getan und ich bin davon nicht krank geworden. Selbstverständlich ist auch abgefülltes Wasser in Kunststoffflaschen im Restaurant der Hotelanlage erhältlich.

Rußseeschwalbe (Onychoprion fuscata)Als Vogelliebhaber ist man auf Bird Island bestens aufgehoben. Während des gesamten Jahres trifft man dort auf brütende Seevögel, wobei die Brutsaison der Rußseeschwalben (Onychoprion fuscata), siehe Foto rechts, stets in die Zeit von April bis Oktober fällt. Jungvögel können ab etwa Mitte bis Ende Juni beobachtet werden. Hinzu kommt, dass auf der Insel einige Landvogelarten leben, die sich ebenfalls während des gesamten Jahres den Besuchern zeigen. Ich habe Bird Island Mitte Juni 2000 bereist und es ist ein unbeschreibliches Erlebnis gewesen, die vielen Rußseeschwalben zu sehen. In dichten Wolken haben sie zu hunderten über dem Strand in der Nähe der Brutkolonie ihre Kreise gezogen und ihr Geschrei ist an manchen Strandabschnitten ohrenbetäubend laut gewesen.

Brütende Rußseeschwalben (Onychoprion fuscata)Von einer Plattform aus kann man den Bereich der Brutkolonie optimal überblicken, am besten bringt man ein Fernglas oder Spektiv mit. Anfang bis Mitte Juni hockten die Weibchen im spärlichen, flachen Gras auf jeweils einem braun-rot gesprenkelten Ei. Pro Quadratmeter Boden habe ich bis zu fünf Nester gezählt, der Platz wird also bestens von den Vögeln ausgenutzt. Ein ganz besonderes Erlebnis muss es sein, die flauschigen Jungvögel zu betrachten, kurz nachdem sie geschlüpft sind. In der Brutkolonie herrscht aufgrund der dichten Besetzung des Bodens oft Gedränge. Landet ein Vogel nach der Rückkehr von einem Flug zur Nahrungsbeschaffung in der Nähe seines Nestes, kommt es häufig zu Auseinandersetzungen mit den Nachbarn. Sie mögen es nicht, wenn man ihnen zu nahe kommt, was beim Laden jedoch meist unweigerlich geschieht. Lautes Geschrei und kurze Gefechte mit den spitzen Schnäbeln sind dann an der Tagesordnung.

  Rußseeschwalbe (Onychoprion fuscata) mit Ei   Rußseeschwalben (Onychoprion fuscata)  
  Rußseeschwalbe (Onychoprion fuscata) mit Ei   Rußseeschwalben (Onychoprion fuscata)  

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Birds Only - Das Betreten der Brutkolonie ist verbotenDer Bereich, in dem die Vögel brüten, ist für Menschen gesperrt. Er darf auf keinen Fall betreten werden, damit die Tiere nicht gestört werden. Schilder mit der Aufschrift "Birds Only" (auf Deutsch etwa "Zutritt nur für Vögel") machen dies unmissverständlich deutlich. Allein den Vogelforschern ist es vorbehalten, die Brutkolonie beispielsweise für Zählungen zu betreten. Wer die Rußseeschwalben aus nächster Nähe beobachten möchte, kann dies ohne Probleme am Strand tun, wo die nicht brütenden Junggesellen im Sand rasten und wenig Scheu vor den Menschen zeigen.

Fliegende Rußseeschwalben (Onychoprion fuscata)Als ich mich in den Sand gelegt habe, sind die Rußseeschwalben mit ausgebreiteten Flügeln etwa einen halben Meter über mir entlang gesegelt, um mich genau in Augenschein zu nehmen. Nachdem ich etwa eine halbe Stunde nahezu bewegungslos am Strand gesessen hatte, sind die Vögel so nah an mich heran gekommen, dass sie hin und wieder mit ihren Flügelspitzen mein Gesicht gestreift haben. Die Rußseeschwalben sind wie Models entlang eines unsichtbaren Laufstegs direkt vor mir her geflogen. Zum Fotografieren sollte man deshalb unbedingt ein Objektiv im Gepäck haben, mit dem man die Vögel aus großer Nähe ablichten kann. Teleobjektive sind hierbei völlig unbrauchbar.

Fliegende Rußseeschwalbe (Onychoprion fuscata)Mir hat es großen Spaß bereitet, mich in den Sand zu legen und die Tiere von unten zu fotografieren. Aus dieser Perspektive betrachtet, stellen sie sehr reizvolle Motive dar. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass nicht ich die Vögel beobachtet habe, sondern umgekehrt. Einige Rußseeschwalben haben auf der Stelle in der Luft über mir Stellung bezogen und sie haben mich teils minutenlang aus geringer Entfernung in Augenschein genommen. Das sind für mich unvergessliche Momente gewesen. Allerdings muss man als Fotograf in dieser Lage damit rechnen, dass alles "Gute" von oben kommt... Mich haben zwei dicht über mir fliegende Vögel mit ihren Hinterlassenschaften "beglückt". Aber die Ausbeute an guten Fotos hat es allemal aufgewogen, ein wenig Rußseeschwalbenkot abzubekommen. ;-)

  Rußseeschwalbe (Onychoprion fuscata)   Rußseeschwalbe (Onychoprion fuscata)  
  Rußseeschwalbe
(Onychoprion fuscata)
  Rußseeschwalbe
(Onychoprion fuscata)
 

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Gelege von Meeresschildkröten werden mit Pfosten markiertAußerhalb der Rußseeschwalben-Kolonie dürfen sich die Besucher auf Bird Island praktisch überall frei bewegen. Weil aber an vielen Stellen in den Gebüschen oder sogar am Boden auch andere Vogelarten als die Rußseeschwalben ihren Nachwuchs aufziehen, gibt es eine auf der gesamten Insel geltende Einschränkung: Nicht zu nah an brütende Vögel treten, da diese sonst im schlimmsten Fall ihr Gelege aufgeben oder aufgrund ihrer Angst sterben. Darüber hinaus sollte man im Umkreis von etwa 1,5 Meter um in den Sand gerammte Holzpfosten mit einer roten Markierung nicht herumlaufen. Die Pfosten markieren die Gelege von Meeresschildkröten. Diese urtümlichen Tiere gehören weltweit zu den bedrohten Arten und stehen deshalb auch auf den Seychellen unter besonderem Schutz. Auf Bird Island brüten mehrere Spezies, das heißt, die Weibchen kommen an Land und verscharren im Sand ihre Gelege. Diese werden von der Wärme der Sonne ausgebrütet, während die Weibchen schon längst wieder durch die Weiten des Meeres schwimmen. Wer sehr großes Glück hat, kann die winzigen Jungtiere beim Schlüpfen beobachten und ihnen dabei zusehen, wie sie auf ihren vier Schwimmflossen den Strand entlang kriechen, um so schnell wie möglich den Ozean zu erreichen.

Noddis (Anous stolidus) rasten auf einem BaumIch habe im Juni 2000 in den Büschen, Bäumen und auf dem Boden viele Noddis (Anous stolidus), siehe Foto rechts, sowie einige wenige Schlankschnabelnoddis (Anous tenuirostris) beim Brüten beobachtet. Die beiden Arten lassen sich anhand der schärferen Abgrenzung der hellen "Krone" der Noddis unterscheiden. Außerdem sind Schlankschnabelnoddis ein wenig zierlicher gebaut als ihre Verwandten. Ihre Namen haben die beiden Seevogelarten aufgrund ihres eigentümlichen Balzverhaltens bekommen: Während der Werbung um einen Partner nicken beide Geschlechter auf charakteristische Weise, was sich auf Bird Island vielerorts betrachten lässt. Im Englischen heißt nicken "to nod", woraus sich das Wort Noddi ableitet.

Feenseeschwalbe (Gygis alba)Eine der schönsten Erscheinungen der Vogelwelt ist meiner Meinung nach die Feenseeschwalbe (Gygis alba), siehe Foto rechts. Mit ihrem weißen Gefieder, dem mitternachtsblauen Schnabel und den großen, schwarzen Knopfaugen sehen diese Vögel atemberaubend hübsch aus. Allein ihre heisere, krächzende Stimme passt nicht so recht zu ihrem edlen Aussehen. Ihre mit Schwimmhäuten ausgestatteten Füße weisen die Feenseeschwalben eindeutig als Seevögel aus. Sie ernähren sich von zarten Fischen, die in den Gewässern um Bird Island in großer Zahl vorkommen. Feenseeschwalben brüten auf der Insel das gesamte Jahr über, so dass man ständig Jungvögel jeden Alters oder brütende Weibchen auf den Kasuarinen (bestimmte Bäume) sowie in den Gebüschen am Strand vorfindet.

Das Brutverhalten der Feenseeschwalben ist bemerkenswert. Ein einziges, gesprenkeltes Ei wird auf einen kahlen Ast gelegt, meist in eine Gabelung. Dort wird es 35 Tage lang bebrütet, was je nach Breite des Astes einem zirkusreifen Balanceakt gleichkommt. Tritt man zu nahe an ein brütendes Weibchen heran, fliegt dieses auf, weil es sich gestört fühlt. Dabei kann das Ei versehentlich zu Boden gestoßen werden. Deshalb sollte man zu brütenden Feenseeschwalben immer einen ausreichend großen Sicherheitsabstand wahren, um ihren Bruterfolg nicht zu gefährden. Zwei bis drei Meter sollte man mindestens entfernt bleiben, auch wenn der Vogel noch so ruhig zu bleiben scheint. Innerlich ist er aufgeregt und bereit zur überstürzten Flucht.

  Ei einer Feenseeschwalbe (Gygis alba)   Feenseeschwalbe (Gygis alba)  
  Ei einer Feenseeschwalbe
(Gygis alba)
  Feenseeschwalbe
(Gygis alba)
 

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Feenseeschwalben-Nestling (Gygis alba)Bereits unmittelbar nach dem Schlupf können sich die Nestlinge mit ihren überdurchschnittlich großen, kräftigen Füßen am Untergrund festkrallen, um nicht in die Tiefe zu stürzen. Fällt ein Nestling dennoch vom Ast, wird er nicht mehr von den Eltern gefüttert. Etliche starke Stürme haben schon ganze Generationen junger Feenseeschwalben buchstäblich zu Grunde gehen lassen. Auf Bird Island sind Stürme zum Glück nicht die Regel und dem Besucher bieten sich allerorten Einblicke in die eher spartanische Kinderstube der Feenseeschwalben. Sollte man Zeuge eines Absturzes werden, so sollte man den Jungvogel vorsichtig wieder zurück auf seinen Ast setzen. Obwohl es immer wieder heißt, dass man keine Wildtiere berühren sollte, ist dies nicht schädlich. Die Eltern nehmen das Küken auch dann noch an, wenn man es berührt hat. Auf dem Boden wäre es verloren, auf dem Ast wird es hingegen normalerweise weiter gefüttert, als wenn nichts geschehen wäre.

Junge Feenseeschwalbe (Gygis alba)Nahezu ausgewachsene Jungtiere erkennt man an einigen braunen Stellen im ansonsten überwiegend hell gefärbten Gefieder. Sie sitzen neugierig drein blickend auf ihren Ästen und scheinen keine Furcht zu kennen, wenn man sich ihnen nähert. Auch bei ihnen gilt: Halten Sie einen Sicherheitsabstand ein, um die jungen Vögel nicht zu ängstigen. Sollte ein Jungtier aufgrund eines allzu aufdringlichen Beobachters vor Schreck vom Ast fallen, setzen Sie es bitte mit größter Vorsicht wieder an seinen ursprünglichen Platz, damit es weiter von seinen Eltern mit Nahrung versorgt wird.

  Feenseeschwalbe (Gygis alba)   Feenseeschwalbe (Gygis alba)  
  Feenseeschwalbe
(Gygis alba)
  Feenseeschwalbe
(Gygis alba)
 

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Weißschwanz-Tropikvögel, Phaethon lepturus)Neben den oben beschriebenen Vogelarten kommen auf Bird Island zahlreiche weitere Seevögel vor. So kann man beispielsweise das gesamte Jahr über Weißschwanz-Tropikvögel, Phaethon lepturus), siehe Foto rechts, Bindenfregattvögel (Fregata minor) sowie Arielfregattvögel (Fregata ariel) in der Nähe des Strandes beobachten. Sie kreisen dort über dem Meer oder halten sich über der Insel hoch oben in der Luft auf. Je nachdem, wie stark der Wind weht, segeln die Vögel ohne einen Flügelschlag viele hundert Meter weit, was ein besonders eleganter Anblick ist. Mit ein wenig Glück sieht man diese Vögel auch nach ihrer Nahrung suchen, sie besteht bei den meisten Spezies aus Fisch und anderen Meerestieren.

Steinwälzer (Arenaria interpres)Bei Ebbe laufen am Strand Küsten- bzw. Watvögel wie Regenbrachvögel (Numenius phaeopus) oder Steinwälzer (Arenaria interpres), siehe Foto rechts, umher und stochern im Sand nach Nahrung oder suchen den Spülsaum nach kleinen Meerestieren ab. Bei Flut findet man vor allem die Steinwälzer auch im Inneren der Insel. Besonders gern halten sie sich auf der Landebahn und in der Nähe des Speisesaals auf. Zwischen Oktober und Dezember trifft man mit ein wenig Glück weitere Watvogelarten wie beispielsweise Sanderlinge (Calidris alba) oder Kiebitzregenpfeifer (Pluvialis squatarola) auf der Insel an, die zu jener Zeit auf dem Zug in ihre Winterquartiere sind und auf Bird Island eine Zwischenstation einlegen.

Sperbertaube (Geopelia striata)Im Inneren der Insel leben ferner einige typische Landvogelarten der Seychellen. Hirtenmainas (Acridotheres tristis), Seychellennektarvögel (Cinnyris dussumieri), Madagaskarturteltauben (Streptopelia picturata) und die zierlichen Sperbertauben (Geopelia striata), siehe Foto rechts, sind die auf Bird Island am häufigsten vertretenen Landvogelspezies. Vor allem die Sperbertauben sind überaus zutraulich. Im Speisesaal laufen sie auf den Tischen umher und klettern beim Frühstück in die Brotkörbe, um ein paar Krümel zu erhaschen oder ganz einfach um es sich darin gemütlich zu machen. Denn für eine Sperbertaube ist ein Brotkorb ideal bemessen, um ihn als "Nest" zu benutzen.

Großer Seychellen-Taggecko (Phelsuma sundbergi longinsulae)Man würde einen großen Teil der Artenvielfalt von Bird Island verpassen, würde man sich nur den dort lebenden Vögeln widmen. Die Insel ist Heimat vieler schöner Pflanzen, flink umher huschender Seychellen-Skinke (Trachylepis seychellensis) und auffällig gefärbter Taggeckos (Phelsuma sp.). Die Grundfärbung der Tiere ist grün und sie tragen rötliche bis orange gefärbte Muster auf dem Rücken. Diese Muster sind von Tier zu Tier unterschiedlich, so dass man mit ein wenig Glück bestimmte Individuen anhand ihrer Fleckenmuster erkennen kann. Neben den knallig gefärbten Großen Seychellen-Taggeckos (Phelsuma sundbergi longinsulae) kommen auf dem Eiland auch bräunlich bis beige gefärbte nachtaktive Geckos vor. Halten Sie die Augen auf und Sie werden von den vielen Reptilien auf Bird Island begeistert sein. Auch Insekten sind auf der Insel heimisch, unter ihnen Bienen und Käfer in unterschiedlichen Größen und Farben.

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Esmeralda, die Aldabra-Riesenschildkröte (Dipsochelys dussumieri)Außerdem lebt auf Bird Island ein ganz besonderes Tier namens Esmeralda. Hierbei soll  es sich um die schwerste Aldabra-Riesenschildkröte (Dipsochelys dussumieri) der Welt handeln - und Esmeralda ist obendrein die wohl berühmteste Schildkröte dieser Art. Über 150 Jahre soll der würdevoll schreitende Herr alt sein, der sein Gewicht von circa 300 Kilogramm ebenso gelassen trägt wie seinen weiblichen Namen. Immerhin hat er es mit seinem Gewicht im Jahre 1990 ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft! Das in diesem Abschnitt gezeigte Foto ist übrigens im Buch "Schildkröten der Welt Band 1" erschienen - noch ein Grund mehr für Esmeralda, sich zu freuen.

Esmeralda hat im Juni 2000 gemeinsam mit zwei Artgenossen (einer der beiden hat den Namen Raphael getragen) auf der etwa einen Quadratkilometer großen Insel gelebt. Meist sind die Schildkröten in der Nähe der Bungalowanlage zu finden gewesen. Das dürfte sich inzwischen kaum geändert haben, denn dort gibt es etliche Gebüsche, in denen sich die stattlichen Tiere zum Ausruhen verstecken können. Außerdem stöbern sie dort häufig einen Leckerbissen auf. Sie essen sehr gern die kleinen weißen, birnenförmigen Früchte der Scharlachkordie (Cordia sebestena).

Strandabschnitt auf Bird IslandIn der Lagune von Bird Island und am inneren Riffrand huschen viele farbenfrohe Meeresbewohner durch die Fluten. Während der stürmischeren Jahreszeit, also im Mai und Juni, kann man jedoch kaum schnorcheln, weil das Meer viel zu aufgewühlt ist. Ich habe es im Lagunenbereich versucht. Dabei habe ich allerdings nahezu keine Fische gesehen und der starke Wellengang ist höchst unangenehm gewesen. Bei ruhiger See soll Bird Island ein hervorragendes Schnorchelgebiet sein, das man unbedingt einmal erkunden sollte. Masken und Flossen kann man für ein paar Euro an der Rezeption der Lodge mieten.

Die Schattenseiten des Tourismus'

Dieser unglückseligen Rußseeschwalbe hat ein Propellerflugzeug den Tod gebrachtSo schön die Natur auf der einsamen Insel auch anzuschauen sein mag, wir Touristen bringen manchen Tieren leider einen ebenso sinnlosen wie brutalen Tod. Mir ist es vor der Reise nach Bird Island nicht bewusst gewesen, welch entsetzliche Unfälle sich ereignen können. Aber als ich in der Propellermaschine gesessen habe und sie zum Landeanflug angesetzt hat, da ist mir augenblicklich klar geworden: Wir würden unmittelbar vor der Landung eine Wolke unzähliger Seevögel durchfliegen, die ahnungslos den Luftraum über der Insel durchkreuzt haben. Diese Erkenntnis hat mich wie ein Schlag getroffen und ich habe kaum noch zu atmen gewagt. Gleichzeitig habe ich ein stilles Stoßgebet gen Himmel geschickt, dass kein Vogel zu Schaden kommen möge. Wie durch ein Wunder scheint es erhört worden zu sein, während meiner Landung ist kein Vogel ums Leben gekommen.

Dieser Seevogel ist durch eine Kollision mit einem Propellerflugzeug zerrissen wordenBedauerlicherweise geht es für die Tiere aber nicht immer so gut aus. Oft werden die Seevögel beim Landen und Starten der Propellermaschine in grauenhafte Unfälle verwickelt, die sie nicht überleben. Nichts Böses ahnend, geraten sie in die Propeller des Flugzeugs und werden in der Luft augenblicklich zerstückelt. Als ich am späten Nachmittag über das Rollfeld spaziert bin und die zerfetzten Körper etlicher Meeresvögel gesehen habe, ist mir speiübel geworden und ich habe große Trauer empfunden. Von diesem Moment an habe ich meinem Rückflug nach Mahé mit Schrecken entgegen gesehen. Ich kann von Glück sagen, dass auch dabei kein Vogel den Tod gefunden hat. Obwohl ich meinen Aufenthalt auf der Insel sehr genossen habe und der Flug komfortabel gewesen ist, wäre es für die Vögel besser, wenn Bird Island per Schiff angelaufen würde. Aber bedauerlicherweise scheitert dies offenbar daran, dass es keine direkte Möglichkeit zum Anlanden gibt. Es müsste - wie zum Beispiel auf den Malediven üblich - ein Landungssteg errichtet werden. Ich hoffe für die Vögel, dass dies eines Tages geschehen wird, damit nicht weiterhin genau die Geschöpfe von den Touristenfliegern getötet werden, wegen der die Reisenden auf die Insel kommen.

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Rußseeschwalbe (Onychoprion fuscata) mit schwerer FlügellähmungUnfälle mit den Flugzeugen der Air Seychelles sind aber bei weitem nicht die einzige Bedrohung für die Vögel, denn die Natur ist bekanntlich erbarmungslos. Für einen Seevogel ist das Leben sehr hart. Um zu überleben, muss er beispielsweise unbedingt fliegen können. Als ich im Sand gesessen habe, um die Rußseeschwalben im Flug zu fotografieren, hat sich eine von ihnen hinkend und mit hängendem Flügel zu mir geschleppt und sich schließlich gegen mein ausgestrecktes Bein gelehnt. Das Verhalten des schwer gehandicapten Vogels hat mich zutiefst berührt, denn es ist keineswegs selbstverständlich für einen Wildvogel, von sich aus auf einen Menschen zuzugehen. Die gesamte rechte Körperhälfte der Rußseeschwalbe ist gelähmt gewesen, vielleicht aufgrund eines schweren Kollisionsunfalls mit einem Artgenossen. Alles, was ich für diesen unglückseligen Vogel tun konnte, war ihn vorsichtig aus der Reichweite der Flut an den Rand der Kolonie zu tragen - so ist er wenigstens nicht mit dem Aufkommen der Flut ertrunken. Wahrscheinlich hat er die folgende Nacht dennoch nicht überlebt und ist von den im Dunkeln in sehr großer Zahl jagenden Krabben erbeutet worden.

Wäre ich in Deutschland gewesen, hätte ich übrigens versucht, dem Tier zu helfen, weil ich hierzulande in der Wildvogelhilfe aktiv bin. Auf Bird Island sind mir leider die Hände gebunden gewesen. Es mag albern klingen, aber ich habe "meiner" Rußseeschwalbe versprochen, sie auf dieser Webseite weiter "leben" zu lassen und sei es nur in Form eines Fotos. Auf der Insel habe ich viele Vögel gesehen, aber nur diesem einen Individuum habe ich tief in die Augen geschaut. Diesen durchdringenden Blick dieses wunderschönen, aber leider zum Tode verurteilten Geschöpf werde ich nie vergessen.

Watvögel am Strand von Bird Island

Buchungstipp

Strand von Bird Island mit Rußseeschwalben (Onychoprion fuscata)In Victoria auf Mahé befindet sich das Bird Island Office, in dem man direkt vor Ort einen Last-Minute-Aufenthalt auf der Vogelinsel buchen kann. Der Preisvorteil einer solchen kurzfristigen Buchung ist während meines Aufenthalts auf den Seychellen im Jahr 2000 unschlagbar gewesen. In Einzelfällen ist es verglichen mit den regulären Preisen um die Hälfte billiger gewesen, die Reise dort kurzfristig zu buchen. Wer im Vorfeld über das Internet bucht, erhält meist einen Rabatt von einigen Prozent. Billig ist der Spaß allerdings trotz allem nicht. Mir als absolutem Vogelfan ist es die Sache jedoch wert gewesen. Die aktuellen Preise der Bird Island Lodge und weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Webseite der Insel.

Wichtiger Hinweis: Beim Flug nach Bird Island sind maximal zehn Kilogramm Gepäck pro Person an Bord des Flugzeugs erlaubt!

 

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Weitere Informationen:

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