Sri LankaDer Tsunami und seine Folgen
 

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          Verfasst im Dezember 2006

Der Morgen nach dem MonsunsturmWährend meiner Reise im Jahr 1998 habe ich Sri Lanka als ein wunderschönes Land kennen gelernt. Damals fiel mein Urlaub in die Zeit der Monsunstürme. Eines abends zog ein Sturm herauf, der das Antlitz des Strandes von Kosgoda über Nacht veränderte. Hohe Wellen zerrten am Strand und zogen riesige Palmen aus dem Erdreich. Ich war erschüttert von der Zerstörung an der Natur, die eine einzige Sturmnacht angerichtet hatte. Diese Bilder hatten mir die Urgewalt des Ozeans vor Augen geführt - dachte ich.

Als ich am 26. Dezember 2004 morgens in den Nachrichten vom Tsunami hörte, war ich wie versteinert. Als Physikerin weiß ich, dass Tsunamis Solitonwellen mit enormer Zerstörungskraft sind. Die anfänglich in den Medien erwähnte Zahl von 300 Todesopfern konnte ich nicht glauben. Mir kamen die Bilder aus Kosgoda in den Sinn und dann wurde mir schlagartig bewusst, dass eine meterhohe Welle diesen Strand, meinen Strand, an jenem Tag getroffen und verwüstet hatte. Ich war wie paralysiert und konnte Weihnachten nicht mehr feiern. Der Gedanke an das Leid in Asien und in Sri Lanka im Speziellen machte mich furchtbar betroffen. Die schrecklichen Bilder und Filme in den Medien taten ihr Übriges.

Der Name dieses Ausflugsbootes zeugt vom schwarzen Humor der Sri-Lanker Beinahe zwei Jahre nach dem Tag X reiste ich wieder nach Sri Lanka und wusste nicht so recht, was mich erwarten würde. In den Medien sind die Folgen des Tsunami nicht mehr präsent, das Leid der Menschen ist aus dem Fokus der Weltöffentlichkeit verschwunden. Mir war klar, dass nicht alle Spuren des Tsunami beseitigt sein würden. Was ich vor Ort erlebte und sah, war jedoch tragischer als das, was ich mir zuvor ausgemalt hatte. Und teilweise zeugte es von einer ziemlich großen Portion schwarzen Humors der Sri-Lanker, wofür der Name des rechts gezeigten Ausflugsbootes nur ein Beispiel ist (Tsunami Survivor 1 = Tsunami-Überlebender 1).

Kosgoda - "mein" Strand und die Schildkrötenfarm

Kaum war ich 2006 in meinem Hotel in Aluthgama angekommen, schmiedete ich Pläne, was ich in den kommenden Tagen alles unternehmen würde. Bereits am nächsten Morgen zog es mich nach Kosgoda, weil ich darauf brannte, die Schildkrötenstation zu besuchen. Sie war durch den Tsunami zerstört und in der Zwischenzeit wieder aufgebaut worden, hatte ich im Internet auf der Website "Kosgoda Rebuilding Project" gelesen. Zu gern wollte ich die entzückenden jungen Schildkröten sehen, die dort umsorgt werden. Ich suchte mir also einen netten Tuktuk-Fahrer, und los ging es nach Kosgoda.

Je weiter wir von Aluthgama aus in Richtung Süden führen, desto offensichtlicher wurde die Tatsache, dass sich dort vor nicht ganz zwei Jahren eine Katastrophe ereignet hatte. Viele Häuser, die direkt an der Küste standen, waren einst sehr schön. Heute sind von ihnen nur noch graue Skelette übrig, die zwischen den Palmen darauf zu warten scheinen, endgültig zu zerfallen. Daneben stehen nicht selten Holzhütten mit Wellblechdächern. Behelfshütten dieser Art sind nach wie vor die Behausung vieler Menschen, die durch den Tsunami ihre Häuser verloren haben.

Diese Erkenntnis traf mich wie ein Schlag. Nach so langer Zeit noch immer kein gescheites Dach über dem Kopf zu haben, das wäre etwas, was in Deutschland sicher zu massenhaften Protesten führen würde. In Sri Lanka müssen die Menschen diese Tatsache einfach hinnehmen, denn woher sollen sie neue Häuser zaubern?

Der nächste Schock stürzte ein paar Kilometer weiter auf mich ein. Dort, wo einst Palmen zwischen Strand und Straße in den Himmel geragt hatten, befindet sich heute nur noch zierliche Vegetation. Dazwischen liegen Gräber. Ein Grabstein neben dem anderen, dahinter das friedliche, geradezu unwirklich blau schimmernde Meer. Dasselbe Meer, das all diesen Menschen das Leben genommen hat, die hinter dem Strand begraben liegen. Mir wurde übel und ich konnte auf dem Rücksitz des Tuktuks die Tränen nicht zurückhalten.

Bald geriet das Hinweisschild ins Blickfeld, das die Nähe der Schildkrötenfarm verriet. Wir bogen rechts ab und fuhren zum Strand. Der Tuktukfahrer zeigte auf eine riesige Baustelle zu meiner rechten. "Das da wird die neue Schule. Die alte ist vom Tsunami zerstört worden. Aber Buddha hat seine Kinder beschützt. An dem Tag war kein Unterricht, weil wir das Poya-Fest zu Ehren Buddhas gefeiert haben." Hatte Buddha wirklich die Hand im Spiel? Vielleicht. Es ist jedenfalls gut zu wissen, dass durch den Feiertag die Zahl der Opfer geringer ausgefallen ist, als sie es an einem anderen Tag wäre.

Holzhütten und Baustelle Die Bretterbuden neben dem neu entstehenden Schulgebäude erregten meine Aufmerksamkeit. "Darin wohnen die Leute. Sie haben noch immer keine neuen Häuser", erklärte mir der Tuktuk-Fahrer. Was ist wichtiger, fragte ich mich im Stillen. Wohnhäuser oder eine neue Schule? Was würde man in Deutschland zuerst neu errichten? Eine schwierige Frage, die sich vermutlich nicht so leicht beantworten lässt ...

Wir erreichten den Strand und damit die Schildkrötenfarm. Sie sah kaum anders aus als früher, war genauso wieder hergerichtet worden wie sie vor dem Tsunami gewesen war. Beim Betrachten der Baby-Schildkröten wichen die finsteren Gedanken an die Naturgewalt für eine Weile aus meinem Kopf und ich erfreute mich an diesen niedlichen kleinen Geschöpfen, denen in Kosgoda der Start ins Leben erleichtert wird.

Verstümmelte Meeresschildkröte "Das hier ist eine ganz arme Meeresschildkröte. Wir haben sie nach dem Tsunami an Land gefunden. Sie war heftig verwundet. Durch im Wasser schwimmende Trümmer wurden ihr beide Vorderflossen abgerissen. Sie ist schwer behindert und kann in Freiheit nicht mehr überleben." - Da war es wieder, das schreckliche Gefühl, dass diese Wassermassen unendlich viel Leid gebracht haben, und das nicht nur den Menschen. Unter den Besuchern herrschte betretenes Schweigen, als der Mitarbeiter der Schildkrötenstation das manövrierunfähige Tier am Panzer berührte und wie ein Spielzeugboot durchs Becken schob. Es war zwei Jahre "danach" und ich sah nur die ganz offensichtlichen Folgen der Katastrophe. Und selbst die machten mich unbeschreiblich betroffen.

Tragische Schicksale allenthalben

Egal, mit wem ich in Sri Lanka zu tun hatte, immer stand hinter diesen Menschen eine vom Tsunami herbeigeführte Tragödie. Auch die Tatsache, dass die Riesenwelle Sri Lanka in der Gunst der Urlauber hat sinken lassen und so zu einem Rückgang der Anzahl der Touristen geführt hat, erzeugt weiteres Leid. Es sind diese Einzelschicksale, die mich in Sri Lanka sehr bewegt haben.

So erzählte beispielsweise der Reiseleiter, der die dreitägige Rundreise begleitete, seine Schwägerin und ihr Kind sind in den Fluten ums Leben gekommen und sein Bruder trauere nach wie vor um sie.

Beim Abendessen sprach ein Hotelgast über seinen Besuch bei einer Ayurvedaärztin, die er einige Jahre zuvor schon einmal aufgesucht hatte. Seit August hätten sie keine Kunden mehr aus Deutschland besucht, hatte die Frau berichtet. Sie stünde kurz vor dem Konkurs, ihren Goldschmuck habe sie schon vor einiger Zeit versetzt, um sich weiterhin finanzieren zu können. Das Geld sei nun aber aufgebraucht, weil keine Kunden kämen und sie wisse nicht mehr weiter, hatte ihm die Frau ihr Leid geklagt.

Ein Touristenpaar aus meinem Hotel berichtete von einem Tuktuk-Fahrer, der mangels Touristen zu wenig Einkommen hatte, um die Rate für sein Gefährt bei der Bank bezahlen zu können. Die Pfändung stand unmittelbar bevor und somit auch sein berufliches Aus.

Fairerweise sei jedoch noch erwähnt, dass nicht nur der Tsunami für das Ausbleiben der Besucher verantwortlich ist. Ein Teil der Reisenden wird sicher durch das erneute Aufflammen des Konfliktes zwischen den Tamilen und Singhalesen von einem Besuch Sri Lankas abgehalten. Beide Effekte summieren sich und sind fatal für die Menschen, die unmittelbar vom Geschäft mit den Touristen leben und nahezu keine andere Möglichkeit haben, Geld zu verdienen.

Herr Kumara erinnert sich ...

Natürlich ist sie da, die Neugier darauf, wie die Menschen die Riesenwelle erlebt haben. Ich gehöre aber nicht zu den Zeitgenossen, die schamlos nachfragen und mit bohrenden Fragen in die Privatsphäre anderer Leute eindringen. Niemals hätte ich von mir aus Einheimische darauf angesprochen, wie sie den Tsunami erlebt haben. Seelische Wunden aufzureißen oder die Menschen mit meinen Fragen ganz einfach zu nerven, stand nicht in meiner Absicht. Ich vermutete, es würden sehr viele Urlauber ständig dieselben Fragen stellen, was für die Sri-Lanker sicher nicht angenehm sein würde. Zu meinem Erstaunen war dem aber nicht so, denn einerseits blieben seit einiger Zeit die Urlauber aus und andererseits scheint das Taktgefühl vieler Urlauber größer zu sein als ihre Neugier, so dass sie sich mit Fragen zurückhalten. Oder aber sie sind gleichgültig, was ich nicht hoffe, denn wer nach Sri Lanka fliegt, sollte sich meiner Meinung nach durchaus dessen bewusst sein, wo er seinen Urlaub verbringt.

Ich saß während meines Urlaubs im November 2006 beim Nachmittagstee im Garten des Hotels, das hoffnungslos unterbelegt war. Außer mir saß noch ein einziger weiterer Tourist auf der weitläufigen Terrasse und genoss seinen Tee. Herr Kumara, einer der netten Kellner, kam zu mir und fragte, ob ich noch ein wenig Tee trinken möchte. Wir begannen miteinander zu plaudern, denn er hatte wenig zu tun. Irgendwie ergab ein Wort das andere und plötzlich begann er von sich aus zu erzählen, wie er jenen Tag in Aluthgama erlebt hatte.

"Es war gerade Mittag und das Hotel war ziemlich voll, wir hatten 150 Gäste - international und aus Sri Lanka. Dann ging plötzlich das Meer zurück. Einen Kilometer weit ging es zurück!

Wir waren alle erstaunt und gingen zum Strand, liefen dem Wasser hinterher. Wir wussten ja nicht, was bald kommen würde. Heute weiß das jeder, es gibt sogar Info-Plakate mit Warnhinweisen und Fotos vom zurückgewichenen Meer. Jetzt wissen wir alle Bescheid, jetzt sind wir gewarnt.

Auch durch den offenen Speisesaal des Ceysand Hotels fegte der Tsunami Der Tsunami kam in vier Wellen. Die erste überspülte den Strand, die zweite den Hotelgarten. Die Menschen flüchteten in die obere Etage. Die dritte Welle traf das Haus. Tische vom offenen Speisesaal wurden mitgerissen. Immer, wenn die Wellen zurückwichen und das Wasser abfloss, ging ich runter, holte für die Gäste deren Wertgegenstände aus den Zimmern und half Leuten nach oben. Das Wasser war hüfttief und die Strömung sehr stark. Ich kann zwar schwimmen, aber es war schlimm.

Die vierte und letzte Welle traf uns besonders stark. Sie war zwei Meter hoch und durchschlug die Fensterscheiben der unteren Etage. Alles war geflutet. Von oben schauten wir entsetzt zu, das Wasser war direkt unter uns. Im Fluss hinter dem Hotel türmte sich die Welle noch höher auf, sie war drei Meter hoch und traf dann auf das Land gegenüber.

In die obere Etage des Ceysand Hotels flüchteten die Menschen vor den Wassermassen Hier im Hotel ist niemand ertrunken, nur acht Menschen haben sich an herumfliegenden Glassplittern verletzt, als die Scheiben unter dem Wasserdruck zerbarsten. Schwer verletzt war aber zum Glück niemand. Die Leute hatten große Angst. Kinder und viele sri-lankische Frauen weinten, alle redeten durcheinander. Es war schrecklich.

20 Kilometer südlich bei Ambalangoda traf die Welle einen Zug. Es ertranken viele Menschen. Sie hatten keine Chance. Südlich von hier und vor allem im Osten der Insel war es sehr schlimm. Viele Tote, alles zerstört. Wir hatten hier noch Glück, weil wir nur seitlich vom Tsunami getroffen wurden und nicht direkt."

Während der Mann seine Erlebnisse schilderte, wuchs seine Aufregung. Seine Gesten wurden größer, hektischer und seine Augen weiteten sich. Auch fast zwei Jahre nach den Geschehnissen stand ihm der Schrecken noch deutlich ins Gesicht geschrieben. Kein Wunder, denn wer eine solche verheerende Naturkatastrophe er- und vor allem überlebt hat, wird die grauenvollen Bilder wohl nie mehr vergessen.

Das Hotel Ceysands und die Menschen darin hatten wirklich Glück. Zwar mussten sie mit einem Helikopter evakuiert werden, weil der Standort auf der Bentota-Halbinsel während der Überflutung keine andere Möglichkeit zuließ. Trotzdem hat es abgesehen von Schnittverletzungen bei einigen Menschen nur Sachschaden gegeben, der sich beheben ließ, ohne dass das Hotel komplett abgerissen und neu gebaut werden musste.

Wie der Tsunami das Gesicht der Bentota-Halbinsel veränderte

Wieder aufgeschütteter Teil der Bentota-Halbinsel Einige Meter südlich des Hotelgeländes hatten auf der Bentota-Halbinsel früher auch Häuser gestanden, die aber durch den Tsunami völlig zerstört worden sind. An jener Stelle war die Halbinsel von einer tiefen Schneise durchzogen und direkt mit dem Bentota-Fluss verbunden. Im Zuge der Aufräumarbeiten wurde dort wieder Sand aufgeschüttet, aber noch heute klafft eine deutliche Lücke zwischen dem Hotel Ceysands und den weiter südlich gelegenen Ferienanlagen wie dem Bentota Beach Hotel.

Der Tsunami hat sogar die großen Palmen weggerissen    Tsunami-Narbe auf der Bentota-Halbinsel

"Dort hinten ist ein schöner buddhistischer Tempel auf der Insel, den sollten Sie sich ansehen." Diesem Tipp eines Hotelangestellten folgte ich gern und wanderte am frühen Morgen zur Spitze der Bentota-Halbinsel. Der Strand war malerisch schön und in der Ferne ragte eine mit dichtem Grün überwucherte Hügelkuppe am Ende der Halbinsel auf. Davor lagen einige rund geschliffene Felsen im Meer. Das Bild war idyllisch, aber ich sah beim besten Willen keine Insel. So klein konnte sie doch gar nicht sein, dass ich sie aus einer Entfernung von weniger als einem Kilometer nicht sehen konnte. Oder lag sie hinter diesem Hügel? Ich lief weiter und dachte mir, ich würde sie schon finden, diese Tempelinsel.

Panchakapaduwa ist nun Teil der Bentota-HalbinselJe näher ich dem Hügel kam, desto deutlicher zeichneten sich einige Stufen neben einem kleinen Gebäude ab. Auch ein Hinweisschild war zu sehen, die Tempelinsel musste also ganz in der Nähe sein. Vorsichtshalber zog ich meine Schuhe aus, weil man in Tempeln und auf heiligem Boden in Sri Lanka barfuß läuft. Ich stieg die Stufen empor, immer noch in der Erwartung, hinter dem Hügel sicher die Tempelinsel sehen zu können. Sehr zu meinem Erstaunen stand ich plötzlich vor dem Tempel, denn ich war bereits auf jenem Stück Land, das einst eine Insel gewesen ist. Seit dem Tsunami scheint sie aber mit der Bentota-Halbinsel verbunden zu sein und sie bildet nun sozusagen deren Spitze. Auf der folgenden Website ist ein Foto zu sehen, das die frühere Lage der Insel vor der Spitze der Landzunge zeigt: bitte hier klicken.

Dankbarkeit und wie sie gezeigt wird

Von einem Tsunami-Hilfsprojekt gespendetes Tuktuk Ich habe mich in Sri Lanka recht schnell an den Anblick der vielen Schilder gewöhnt, auf denen zu lesen war, welche Hilfsorganisation für den Wiederaufbau dieses oder jenes Gebäudes verantwortlich war. Oder an die Tuktuks mit (übersetzten) Aufschriften wie "Gespendet von Hilfe für Südwest-Sri-Lanka, Deutschland", siehe Foto rechts. Wirklich befremdlich waren andere Situationen, die sich mehrfach abspielten und in denen ich nicht so recht wusste, was ich antworten sollte. Mir fehlten schlichtweg die Worte, was für eine Journalistin höchst ungewöhnlich ist.

"Hallo, sind Sie aus Deutschland?"
"Ja, das bin ich."
"Oh, danke, dass Sie so viel gespendet haben. Die Deutschen haben uns nach dem Tsunami sehr geholfen. Danke, danke!"

Bei solchen Dankesbekundungen wurde mir von wildfremden Menschen die Hand geschüttelt oder ich wurde herzlich in den Arm genommen. Die Leute verbeugten sich wieder und wieder. Vermutlich ist es ein typisch deutscher Charakterzug, der sich in mir widerspiegelte, als ich verlegen vor diesen Menschen stand und nur verschüchtert lächeln konnte, anstatt eine Antwort zu geben.

Eines weiß ich ganz genau: Hätte ich im Dezember 2004 selbst kein Geld gespendet, wäre ich glaube ich angesichts dieser Dankbarkeit der Sri-Lanker vor Scham tot umgefallen. So konnte ich mir wenigstens sagen, dass sie mir ja nicht ganz grundlos dankten, aber es fühlte sich trotzdem merkwürdig an. Man ist es einfach nicht gewohnt, dass plötzlich die Empfänger anonymer Spenden leibhaftig vor einem stehen und somit ein Gesicht "bekommen". Das war ganz klar einer jener Aspekte, auf die ich vor meiner Reise in keiner Weise vorbereitet war. Aber es tat ungemein gut zu sehen, dass mit dem gespendeten Geld bereits Menschen geholfen worden ist, obwohl nach wie vor eine Menge zu tun bleibt.

Neuaufbau im Hinterland von Wadduwa

Häuser des Weragama Resettlement Housing ProjectEinige Monate nach meiner Reise sandte mir ein lieber Sri-Lanka-Urlauber, der im selben Hotel wie ich gewohnt hat, einige Fotos zu, die ich an dieser Stelle veröffentlichen möchte. Mit Hilfe einer italienischen Initiative wurde im Hinterland von Wadduwa eine Siedlung mit über 130 neuen Häusern aufgebaut ("Weragama Resettlement Housing Project"). In einem dieser Häuser wohnt eine Familie, die mein Hotelnachbar, der Sri Lanka schon öfter bereist hat, kurz vor dem Tsunami in Wadduwa kennen gelernt hatte.

Familienleben in einem der neuen HäuserFrüher hat diese Familie in einer Bretterhütte direkt hinter dem Strand gewohnt, die durch den Tsunami vollständig zerstört worden ist. Diese Menschen gehören dank der tatkräftigen Unterstützung von Hilfsprojekten zu den Gewinnern der Tsunamikatastrophe, denn sie haben nun ein eigenes solides Dach über dem Kopf. Die Häuser sollen den Bewohnern mit einigen Auflagen geschenkt worden sein, berichtete mein Hotelnachbar. Obwohl die in dieser Siedlung lebenden Menschen durch den Tsunami viel Leid erlebt haben, hat sich die Wohnsituation für viele von ihnen erheblich verbessert.

Weragama Resettlement Housing Project     Weragama Resettlement Housing Project

Weragama Resettlement Housing Project     Weragama Resettlement Housing Project

Weragama Resettlement Housing Project     Weragama Resettlement Housing Project

Weragama Resettlement Housing Project     Weragama Resettlement Housing Project

Weragama Resettlement Housing Project     Weragama Resettlement Housing Project

Weragama Resettlement Housing Project     Weragama Resettlement Housing Project

Weragama Resettlement Housing Project     Familie in ihrem Haus

Bildband über den Wiederaufbau: Liebe, Glaube und Hoffnung

Sri Lanka - Liebe, Glaube und HoffnungIm November 2007 hatte ich das Glück, der Fotografin Claudia Wachter zu begegnen und ihr wundervolles Buch "Sri Lanka - Liebe, Glaube und Hoffnung" kennen zu lernen. Sie hat in Sri Lanka die Aktivitäten der Organisation "Bridge of Hope" (Brücke der Hoffnung) mit der Kamera begleitet und die Fotos in einem atemberaubend schönen Bildband veröffentlicht, der mich tief berührt hat. Ihre Fotos zeigen die Menschen und vor allem die Kinder Hikkaduwas in ihrem Alltag. Aufnahmen aus anderen Teilen Sri Lankas geben weitere Einblicke in das facettenreiche Land, seine Kultur und die artenreiche Natur.

Faszinierend ist vor allem die Natürlichkeit, die Claudia Wachters Bilder ausstrahlen. Als Betrachter spürt man deutlich, mit welch großem Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl sich die Fotografin den Menschen genähert hat, denn sie zeigen sich vor der Kamera unbefangen und ungekünstelt. Selten habe ich Fotos von solcher Intensität gesehen, die zugleich so viel Mut machen, denn sie dokumentieren vor allem Liebe und Hoffnung für die Menschen in Hikkaduwa. Das Buch ist über die Website der Fotografin zu beziehen: Shamaly.

Bridge of Hope ist ein Freundschafts- und Förderverein für die Region Hikkaduwa; Sitz der Organisation ist Brackenheim. Mit dem Aufbau der Grundschule in dem sri-lankischen Küstenort ist die Arbeit des Vereins noch lange nicht abgeschlossen, weitere Projekte warten auf ihre Umsetzung. Hierfür benötigt Bridge of Hope auch in Zukunft Spendengelder.

 
                 

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