|
Während
meiner beiden Urlaube auf Mallorca habe ich die Insel jeweils mit einem
Mietwagen auf eigene Faust erkundet, und das meist abseits der
typischen Touristenpfade. Fährt man auf Mallorca umher und
kennt man die schönsten Ecken, kann man selbst
während eines einwöchigen Urlaubs viel Abwechslung
erleben. Die Landschaft unterscheidet sich je nach Region enorm. Ist
man in der einen Minute noch in einer fast schon italienisch anmutenden
Landschaft unterwegs, in der hohe, schlanke Pinien die
Straßen säumen, gelangt man als nächstes in
eine weite Ebene, über der sich in der Ferne eine typische
mallorquinische Windmühle erhebt. Schroffe
Küstenabschnitte findet man auf Mallorca ebenso wie
feinsandige Strände oder einsam gelegene, urtümliche
Felsbuchten.
Wer also ein wenig Entdeckergeist mit auf die Insel
bringt, wird dort sicher mindestens ein Plätzchen nach seinem
Geschmack finden - sofern er dazu bereit ist, unter Umständen
ein Stück weit zu fahren. Denn je nachdem, wo man
während seines Urlaubs wohnt, sind manche Ausflugsziele
näher, andere weiter entfernt. Wer längere Fahrten
umgehen möchte, kann das natürlich schon bei der
Reiseplanung und Buchung der Unterkunft berücksichtigen, zumal
die Wahl eines Urlaubsdomizils in der "Wunschecke" der Insel in aller
Regel nicht schwer ist. Es gibt auf Mallorca Immobilien, Fincas, Hotels und Pensionen in allen Bereichen
vom Gebirge bis zum Strand, so dass die Wege zu den anvisierten
Ausflugszielen dann meist nicht weit sind.
Doch nun zurück zu den Touren mit einem
Mietwagen. In diesem Zusammenhang sei jedem dringend empfohlen, einen
seriösen Anbieter zu wählen und auf die
Reifenqualität des gemieteten Fahrzeugs zu achten! Denn
während meines ersten Urlaubs hätten meine
Mitreisende und ich beinahe ein gefährliches Abenteuer erlebt.
Das Loch im Schlauch bemerkten wir gerade noch rechtzeitig, so dass die
Tour zum Naturschutzgebiet Cala Mondragó deshalb
für uns nicht im Straßengraben oder gar im
Krankenhaus endete.
Als ich im April 2002 auf Mallorca war, fuhren mein
Reisebegleiter und ich nicht nur mit dem Wagen über die Insel,
sondern auch mit öffentlichen Bussen. Diese sind ausgesprochen
pünktlich, verkehren häufig und die Tickets sind
erfreulich preisgünstig. Von C'an Picafort aus kostete eine
Fahrt zum Naturschutzgebiet S'Albufera damals beispielsweise nur 0,90
Euro. Mit dem Bus ist man zumindest auf dieser Strecke nicht wesentlich
länger unterwegs als mit einem Mietwagen.
Bei
der Planung meiner Ausflüge hat mir der
Naturwanderführer Mallorca von Peter Mertz bestens geholfen,
leider ist diese Buch inzwischen nur noch im modernen Antiquariat
erhältlich. Es lohnt sich aber, danach zu suchen, denn das
Buch enthält viele wertvolle Tipps sowie praktische
Übersichtskarten der beschriebenen Wanderrouten.
In den folgenden Abschnitten stelle ich Ihnen meine
persönlichen Lieblingsausflugsziele vor. Diese Auswahl ist
selbstverständlich äußerst subjektiv.
Vielleicht ermuntert dieses Kapitel Sie ja dazu, die schöne
Insel auf selbst organisierten Ausflügen und Wanderungen zu
erkunden. Die beste Jahreszeit, um die mallorquinische Natur zu
entdecken, ist übrigens der Frühling, weil man
allerorten eine herrliche Blütenpracht bewundern kann.
Die Landschaft im Landesinnern
Steht einem
während des Urlaubs auf Mallorca ein Mietwagen zur Verfügung,
sollte man unbedingt von den Küsten weg ins Landesinnere
fahren. Dort präsentiert sich die Insel von einer ganz
besonderen, völlig unterschiedlichen Seite. Mich beeindruckten
die weiten, gelb blühenden Felder in der Umgebung von
Lluchmajor, die im Februar eine wahre Augenweide darstellten. Die
Abbildung rechts zeigt im Hintergrund eines der landestypischen
Windräder, die auf Mallorca bedauerlicherweise immer seltener
werden.
Vor
allem im Februar ist auf Mallorca ein Naturschauspiel der besonders
ästhetischen Art zu bewundern, für das die Insel
berühmt ist: die Mandelblüte. Ganze Landstriche
schimmern in zartem Rosa, weil sich etliche große Mandelhaine
auf dem Eiland befinden. Leider ist diese Pracht Jahr für Jahr
nur von sehr kurzer Dauer. Danach geht für wenige Tage ein
rosa Regen aus verwelkenden Blütenblättern nieder,
der seinen ganz eigenen Reiz hat. Im Bereich der Nordwestküste
nahe der Stadt Sóller entstand das rechts gezeigte Foto.
Seen (Embalses) und Berge bei Sóller
Ebenfalls in der
Nähe der Stadt Sóller liegen zwei Seen, die als
Süßwasserspeicher für die heißen
und nahezu regenfreien Sommermonate dienen. Das kleinere der beiden
Reservoirs heißt Embalse de
Gorg Blau und liegt am äußersten Ende der
Schlucht, die einige Kilometer weiter in Richtung Küste zum
spektakulären Torrent de Pareis wird.
Das Foto rechts zeigt den zweiten See, der den Namen Embalse de Cuber trägt. Er
ist der größere Wasserspeicher, der zudem erheblich
fotogener zwischen grün bewachsenen Bergflanken liegt. An
seinem südwestlichen Ende erhebt sich der 1.091 Meter hohe
L'Ofre, der zu den acht Bergen Mallorcas gehört, die
höher als tausend Meter sind.
Der
höchste Berg der Insel, der Puig Major,
erhebt sich mit seiner Höhe von 1.445 Metern deutlich
über dem Rest der karstigen Felsen des Tramuntana-Gebirges und
er liegt ganz in der Nähe der beiden Trinkwasser-Reservoirs.
Über dem Puig Major, auf dessen Gipfel Ende Februar 1999 noch
ein wenig Schnee lag, sah ich einen der seltenen Geier kreisen, wobei
ich leider nicht sicher sagen kann, ob es ein Mönchs- oder ein
Gänsegeier war. Mehr über diese gefiederten
Aasfresser erfahren Sie in meinem Reisebericht über die
kroatische Insel Cres, wo ich an Ostern
2001 bei Gänsegeier-Schützern gewohnt und ihnen
geholfen habe.
La Dragonera - die
Dracheninsel
Vor dem
westlichsten Zipfel Mallorcas liegt eine kleine Insel, die den Namen
Dracheninsel - auf Spanisch "Sa Dragonera"
oder "La Dragonera" - trägt. Man erreicht dieses Eiland, das
eine unberührte, wildromantische Landschaft beherbergt, vom
mallorquinischen "Festland" aus ausschließlich mit dem Boot.
Wer an reichhaltiger, intakter Natur interessiert ist, sollte sich
einen Ausflug auf die Insel nicht entgehen lassen. Weil es dort sehr
viel zu sehen gibt und ich entsprechend viele Fotos angefertigt habe,
habe ich La Dragonera ein eigenes Kapitel gewidmet. Die
Abbildung rechts zeigt den nordöstlichen Teil der Insel, das
Foto entstand vom (schwankenden) Boot aus.
Die urtümlichen Buchten von Cala
Mondragó
Im
Süden Mallorcas, der für seine Bettenburgen und
überfüllten Strandabschnitte berüchtigt ist,
liegt ein landschaftliches Kleinod, das den wenigsten Urlaubern bekannt
ist. Südlich der Stadt Santanyi befindet sich in der
Nähe des beschaulichen Hafenstädtchens Cala Figuera
die Cala Mondragó. Sie ist Mallorcas zweitältestes
Naturschutzgebiet und besticht durch ihre beeindruckend schöne
Landschaft.
Während einer unserer Touren mit dem Mietwagen
fuhren meine Reisebegleiterin und ich im Februar 1999 zur Cala
Mondragó, die wir leider nur bei bedecktem Himmel zu Gesicht
bekamen. Die vielen kleinen Felsenbuchten erstrahlen bei Sonnenschein
sicher in den herrlichen Blautönen, gern hätte ich
diese Pracht selbst genossen - vielleicht ein anderes Mal ... Rund um
die Buchten erstreckt sich dichter Wald, in dem vor allem Aleppokiefern
(Pinus halepensis) wachsen. Durch das Schutzgebiet
fließen einige Wildbäche und es gibt
Süßwasserweiher, an denen sich inbesondere
während der Sommermonate Wasservögel wie Teich- und
Blässhühner aufhalten.
Das Feuchtgebiet S'Albufera
Ganz
in der Nähe der kleinen Ortschaft Las Gaviotas, die sich
im Norden der Insel befindet, liegt eines der schönsten
Naturschutzgebiete Mallorcas, das den Namen S'Albufera trägt.
Es handelt sich hierbei um eine das gesamte Jahr über feuchte
Küstenzone, die Heimat zahlloser Vogel-, Pflanzen- und
Tierarten ist. Ich habe über dieses für Naturfreunde
sehr lohnende Ausflugsziel ein separates Kapitel verfasst.
Tropfsteinhöhlen
Da die
Insel Mallorca zu großen Teilen aus kalkhaltigem Gestein
besteht und in ihrer geografischen Lage im Mittelmeer der
ständigen Kraft des Regenwassers ausgesetzt ist, beherbergt
sie zahlreiche große und kleine Tropfsteinhöhlen.
Die bekanntesten dürften wohl die Coves
del Drac in der Nähe der Ortschaft Porto Christo
sein. Aber auch die nur wenige Kilometer von dort entfernten Coves dels Hams sind recht
sehenswert. Ich persönlich empfand die inszenierten Effekte
(zum Beispiel Musiker in einem Boot auf einem unterirdischen See)
jedoch als erheblich zu aufdringlich, teilweise schon fast kitschig.
Die Natur pur auf sich wirken zu lassen, scheint offenbar den meisten
Menschen bedauerlicherweise nicht genug zu sein. Nahezu naturbelassen
sind hingegen die sehr sehenswerten Coves
de Campanet im Innern der Insel (siehe Abbildung rechts, Scan
einer Eintrittskarte).
Der Naturpark Reserva de
Galatzó
Im westlichen Teil
Mallorcas liegt im Tramuntana-Gebirge ein vom Menschen arrangierter
Naturpark, der zum Glück nicht allzu künstlich wirkt.
Zahllose Wasserfälle fügen sich perfekt in die
Gebirgslandschaft ein, die man auf festgelegten Wegen durchwandern
kann. Wer mehr über diesen Naturpark erfahren möchte,
sollte das von mir verfasste Reiseberichts-Kapitel über die Reserva
de Galatzó besuchen. Dieser Naturpark
dürfte mit seinem üppigen Pflanzenbewuchs, den vielen
Wasser- und Singvögeln sowie den atemberaubenden Aussichten
auf die umliegende Gebirgskette für die ganze Familie ein
lohnendes Ausflugsziel sein.
Weitere Ziele zum
Entdecken, Erkunden und Erwandern
Wer
den angeblich schönsten Sandstrand Mallorcas besuchen
möchte, muss sich auf den Weg nach Es
Trenc begeben. Ich war von diesem zugegebenermaßen
feinen, hellen Strandabschnitt jedoch eher entsetzt als begeistert. Im
Februar 1999 glich der Naturstrand von Es Trenc mehr einer
Müllhalde als einem beschaulichen Traumstrand, siehe Abbildung
rechts. Der Abfall, den die sonnenhungrigen Touristenmassen
hinterlassen, wurde zumindest damals offenbar nicht
regelmäßig entfernt, was den Strand unansehnlich
gemacht hat. Schade, dass viele Urlauber und vermutlich auch
Einheimische zwar echtes Strand-Feeling schätzen, aber ihren
Lieblingsort dennoch vollkommen ungeniert mit Unrat verschmutzen.
Das landschaftliche Kontrastprogramm zum mit
Zivilisationsspuren übersäten Strand von Es Trenc ist
das beschauliche Bóquer-Tal,
dem ich ein eigenes Kapitel gewidmet habe,
weil es mir so viel Vergnügen bereitet hat, dort zu wandern.
Noch
dramatischere Felsformationen als im Bóquer-Tal findet man
in der Schlucht, die sich in der Nähe der Ortschaft Sa Calobra
ins Landesinnere hinein erstreckt. Diese Schlucht namens Torrent de Pareis ist
wohl den meisten Mallorcaurlaubern ein Begriff und viele haben dieses
Wunderwerk der Natur mindestens einmal besucht. Enttäuschte
Berichte habe ich bislang von niemandem gehört, denn die raue
Schönheit der Landschaft vermag offenbar nicht nur mich zu
verzaubern.
Außerdem
möchte ich denjenigen Zeitgenossen, die
gern urtümliche Landschaften bewundern, einen Ausflug zum Cap de Formentor
beziehungsweise zur gesamten Formentor-Halbinsel empfehlen, da sich
dort ebenso faszinierende wie malerische Eindrücke miteinander
vermischen. Sollten Sie jemand sein, der stets eine perfekte Frisur
hat, so müssen Sie sich übrigens damit abfinden, dass
der Wind am Kap Ihre Haarpracht mächtig zerzausen wird.
|