Ein besonders schöner Ausflug ist eine Fahrt zur kleinen Insel
La Dragonera ("die Dracheninsel"). Sie wird beispielsweise von Sant Elm und
Paguera aus mit Booten angesteuert und steht unter Naturschutz. Auf
Dragonera existiert eine endemische, das heißt nur dort vorkommende
Eidechsenart: die Dragoneraeidechse (Podarcis lilfordi gigliolii).
Die Tiere verstecken sich in den Sträuchern, flitzen
behände über die Wege oder sonnen sich in den Mauerritzen. Während meines Besuchs
Ende Februar 1999 war das Inselchen voller
Mittelmeermöwen, die
erfreulich zutraulich sind und sich durch Spaziergänger nicht leicht
aus der Ruhe bringen lassen. Da macht das Fotografieren richtig Spaß!
Die 4,2 Kilometer lange und an ihrer breitesten Stelle 900 Meter messende
Insel gehört zur Gemeinde Andratx. An ihrer höchsten Stelle
(360 Meter) erhebt sich der Leuchtturm von Na Popi (siehe Abbildung rechts).
Obwohl in manchen Reiseführern geschrieben steht, dass Boote La Dragonera
lediglich während der Hauptsaison ansteuern, kann man auch während der
Nebensaison zur Insel schippern. Die Abfahrtszeiten in Sant Elm mit
Crucero Margarita waren im Februar 1999: 10:15, 11:15, 12:15 und 13:15
Uhr, die Zeit für die Rückfahrt konnte man an Bord des Bootes
mit dem Personal vereinbaren, wobei die letzte Möglichkeit
für eine Rückkehr nach Mallorca 15:15 Uhr war. Vermutlich
hat sich daran in der Zwischenzeit wenig geändert.
Abgeholt wird man am Hafen von La Dragonera, der bei Cala Lladró zu
finden ist. Auf Deutsch heißt dieser Bereich der Insel
"Räuberbucht", weil dort in der Vergangenheit Räuber und Piraten
anlandeten. Während man auf das Boot wartet, kann man im
Hafenbecken Anemonen, kleine Fische und Quallen beobachten (siehe
Abbildung rechts). Der Preis für die Überfahrt Mallorca-Dragonera
und zurück belief sich Anfang 1999 auf 1.200 Peseten für Erwachsene. Im Spätsommer 2006 berichtete mir eine Mallorca-Urlauberin, dass man nunmehr zehn Euro für die Überfahrten berappen muss. Im Preis
enthalten war bei unserer Überfahrt im Jahre 1999 eine kleine, deutschsprachige Broschüre
über La Dragonera. Im besten Fall hat man mehrere Stunden Aufenthalt
auf der Insel. Nicht zu empfehlen sind die Kurztrips ab Paguera.
Gerade einmal 30 Minuten verweilt man bei einer solchen Tour auf Dragonera
- viel zu kurz für meinen Geschmack.
Da auf Dragonera keinerlei Einkehrmöglichkeiten vorhanden sind, muss man
seinen Proviant selbst mitbringen. Nehmen Sie ausreichend Getränke
mit, denn selbst im Februar wird es mitunter schon ziemlich heiß an
den windgeschützten Stellen im Südwesten Dragoneras. Bitte
lassen Sie keinen Müll auf der seit 1995 als Naturpark ausgewiesenen
Insel zurück! Schauen Sie bei der Überfahrt aufmerksam aufs Meer
hinaus, dann sehen Sie vielleicht einen der vielen Seevögel
beim Fischen. Ich beobachtete beispielsweise Kormorane (Great Cormorant,
Phalacrocorax aristotelis) bei der Nahrungssuche. Auf der Insel selbst sind diese
schwarzen Vögel schwer auszumachen, ich sah dort keinen einzigen
von ihnen, obwohl ich die Küste aufmerksam abgesucht habe.
Eine gemächliche Wanderung zum südwestlichen Leuchtturm an der
Cala Llebeig bzw. Cala Llebeitx, siehe Abbildung rechts, dürfte
für Menschen, die nicht gern waghalsig klettern, genau das Richtige
sein. Die Steigungen des Weges sind kaum spürbar und auf dieser Seite
der Insel herrscht oft Windstille. Schaut man unterwegs nach rechts und links, so
sind die unzähligen
Rosmarinsträucher
(Rosmarinus officinalis) nicht zu übersehen, die man vor allem dann, wenn die
Sonne scheint, auch riechen kann. Durch die Sonnenstrahlen aufgeheizt, verströmen
ihre Blätter den typischen würzig-aromatischen Kräuterduft.
Ein Spaziergang auf La Dragonera ist demnach nicht nur
ein Erlebnis für die Augen, sondern auch für die Nase - sofern
man den Duft von Rosmarin mag.
Praktisch auf der gesamten Insel trifft man auf rastende
Mittelmeermöwen
(Larus michahellis, siehe Abbildung rechts). Viele dieser Vögel
ziehen zudem ihre Kreise durch den Luftraum über La Dragonera.
Ihre Spannweite von etwa 1,50 Metern ist recht beeindruckend. Die Tiere sind
wenig scheu, ihre Fluchtdistanz lag bei weniger als zwei Metern, als ich
mich ihnen zum Fotografieren vorsichtig näherte. Zwischen den
vielen Altvögeln finden sich im Frühjahr jugendliche Möwen,
die im Jahr zuvor geschlüpft sind. Man erkennt sie an ihrer leicht
unterschiedlichen Zeichnung mit den bräunlichen Flecken in den
weißen Bereichen des Gefieders.
Neben den Möwen kommt auf La Dragonera noch eine Reihe weiterer
Vogelarten vor. Die meisten von ihnen hört man lediglich oder sieht
sie allenfalls kurz, wenn sie zwischen den niedrigen Büschen hin und her
fliegen. Besonders häufig anzutreffen sind
Rotkehlchen
(European Robin, Erithacus tubecula), aber auch
Samtkopfgrasmücken (Sardinian Warbler,
Sylvia melanocephala) konnte ich ausmachen. Eleonorenfalken
(Eleonora's Falcon, Falco eleonorae) bekam ich
hingegen leider nicht zu Gesicht, dafür ist der Frühling die
falsche Jahreszeit. In den steilen Hängen Dragoneras soll sich die
größte Kolonie dieser Vogelart von ganz Spanien befinden. Vor allem
im Herbst kann man die schönen Greifvögel auf der Insel beobachten.
Nicht zu übersehen sind die Heerscharen von
Balearen-Eidechsen (Podarcis lilfordi,
siehe Abbildungen rechts), die auf dem Eiland heimisch sind. Man sollte sich ihnen
möglichst vorsichtig nähern, damit sie nicht sogleich in das
nächste Versteck verschwinden, weil sie sich gestört fühlen.
Besonders gut kann man sie in den Ritzen der vielen Mauern beobachten. Mit ein wenig
Glück kann man sie bei der Nahrungsaufnahme sehen, wenn sie beispielsweise vom
Nektar einer Rosmarinblüte trinken. Viele Spaziergänger bringen Obst als Proviant
mit und beispielsweise über kleine Apfelstücke machen sich die Eidechsen meist
eilends her. Die saftigen Früchte sind für sie nicht nur Nahrung, sondern stillen
auch ihren Durst, denn auf La Dragonera ist Süßwasser rar.
In der Nähe des Hafenbeckens von La Dragonera liegt ein kleiner
Olivenhain, den man erreicht, wenn man vom Anleger aus nach rechts geht und
sich in Richtung der kleinen Landzunge hält. Zwar wird dieser Hain
heutzutage nicht mehr bewirtschaftet. Die Bäume stellen jedoch
herrliche Fotomotive dar und an jener Stelle der Insel trifft man nur
wenige andere Tagesbesucher. Im Frühling glichen Teile der Wiese zwischen
den Olivenbäumen einem gelben Blütenmeer.
Bevor Sie sich von der hübschen, kleinen Insel verabschieden, sollten
Sie unbedingt eingehend die Küstenlinie Mallorcas betrachten. Die
steile Felsenküste bei Sant Elm sieht von La Dragonera aus besonders eindrucksvoll
aus - lassen Sie diese Szenerie einfach auf sich wirken (siehe Abbildung rechts).
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