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          Übersichtskarte Mallorca Im nördlichen Teil Mallorcas liegt S'Albufera, das größte Feuchtgebiet der Balearen. 1985 erklärte man es zum Naturschutzgebiet und sicherte damit über 200 Vogelarten, vielen Tierarten (darunter Amphibien und Reptilien) sowie zahlreichen Sumpfpflanzen einen weitestgehend unberührten Lebensraum auf der Insel. Für Besucher steht das Schutzgebiet vom 1. April bis zum 30. September täglich von 9 bis 19 Uhr und vom 1. Oktober bis zum 31. März von 9 bis 17 Uhr offen. Weil S'Albufera direkt ans Mittelmeer grenzt, genauer gesagt an die Bucht von Alcúdia, existieren dort ein Salzwassermarschbereich und gleich dahinter ein Süßwasserbereich. Beide Areale haben ihre eigenen Reize und ziehen damit jeweils unterschiedliche Pflanzen-, Tier- und Vogelarten besonders an.

Stelzenläufer Wer S'Albufera erkunden möchte, sollte auf alle Fälle zunächst dem Besucherzentrum einen Besuch abstatten. Dort liegen Infoblätter in mehreren Sprachen bereit, die gleichzeitig als Erlaubnis dafür gelten, das Schutzgebiet betreten zu dürfen. Auf Wunsch dort erklärt, nach welchen Vogelarten man besonders Ausschau halten sollte, da die Sichtungen mancher Arten äußerst selten sind und deshalb der Verwaltung von S'Albufera gemeldet werden sollten. Foto rechts: Stelzenläufer

Das Feuchtgebiet S'Albufera Um die Wanderung durch das Feuchtgebiet richtig genießen zu können, sollten Sie ein Fernglas, genügend Proviant, eine gute Kameraausrüstung mit einem starken Teleobjektiv und gegebenenfalls ein Vogelbestimmungsbuch im Gepäck haben. Wem es nicht zu schwer oder zu sperrig ist, der sollte außerdem ein Stativ für die Kamera mitnehmen. An sonnigen Tagen ist zwar der größte Teil des Naturschutzgebiets bestens ausgeleuchtet. Sitzen die tierischen Fotomodelle jedoch irgendwo im Schatten, kann es mit der Belichtungszeit problematisch werden, sofern man mit einer konventionellen Spiegelreflexkamera fotografiert und keinen besonders empfindlichen Film verwendet.

Ich selbst habe meist mit 200-ASA-Filmen gearbeitet, an manchen relativ schlecht beleuchteten Stellen S'Albuferas kamen sogar die noch lichtempfindlicheren 400-ASA-Filme zum Einsatz. An bedeckten Tagen ist es grundsätzlich empfehlenswert, mindestens 400-ASA-Filme griffbereit zu haben. Moderne digitale Spiegelreflexkameras sind den konventionellen Geräten übrigens in diesem Bereich weit überlegen, weil sie erheblich lichtempfindlicher sind und somit auch unter den teils nicht ganz optimalen Beleuchtungsverältnissen im Schutzgebiet sehr gute Resultate liefern.

Blick über ein Schilfgebiet Während meines ersten Mallorcaurlaubs habe ich S'Albufera zu einer relativ ungünstigen Jahreszeit besucht, was die Beobachtung von Vögeln anbelangt. Im dichten, teils vertrockneten Schilf (Phragmites communis) des Vorjahres halten sich so früh im Jahr nahezu keine Singvögel auf, was während des Sommerhalbjahres gänzlich anders ist. Dann wimmelt es in diesem Bereich S'Albuferas nur so von Vögeln. Es ist allerdings keineswegs so, dass man im Winter auf jegliche Vogelsichtung verzichten muss, weil sich eine Reihe gefiederter Überwinterungsgäste in dem Schutzgebiet aufhält.

Blick in die feuchte Landschaft An den seichten Ufern der zahllosen Kanäle und Lagunen suchten unter anderem Regenpfeifer, Blässhühner (Black Coot, Fulica atra) und etliche Watvögel sowie Enten nach Nahrung. Von einem Beobachtungsversteck aus konnten wir die scheuen Tiere beobachten, ohne sie durch unsere Anwesenheit zu stören. In dieser Beobachtungshütte befinden sich auf einer Tafel einige Zeichnungen der wichtigsten Arten, die in den umliegenden Gewässern vorkommen, was die Identifizierung der Spezies auch Laien ohne Bestimmungs-Fachliteratur ermöglicht. Im Schutzgebiet finden sich noch weitere Beobachtungshütten, die ebenfalls hervorragende Möglichkeiten zum Fotografieren der Tiere bieten.

Seidenreiher Vom Besucherzentrum kommend, erreicht man nach wenigen Schritten die oben erwähnte Beobachtungshütte am Lagunenufer. Im Schlamm dieses flachen Gewässers, das man von der Hütte aus überblicken kann, suchen meist einige Watvögel nach Nahrung. Auch Möwen und etliche Enten schwimmen auf dem spiegelglatten Gewässer und suchen dort nach etwas Essbarem. Meist hinter leichtem Dunst verborgen, liegt im Hintergrund dieser Szenerie die Bergkette Sierra de Llevant, der östliche Bergrücken Mallorcas. Weil es sich in dem Unterstand gut aushalten lässt (es gibt sogar Sitzbänke), kann man dort so manche Stunde mit der Beobachtung teils seltener Vogelarten verbringen, sofern man Lust und ausreichend Sitzfleisch hat. Das Foto in diesem Absatz zeigt einen Seidenreiher (Little Egret, Egretta garzetta) bei der Nahrungssuche. Weitere Abbildungen der Vögel, die ich in S'Albufera fotografiert haben, sind in den Kapiteln über Mallorcas Vogelwelt zu sehen.

Iberischer Wasserfrosch Neben scheuen Vogelarten finden auch andere Tiere in den Schilfarealen sichere Verstecke und Brutplätze. Besonders zahlreich kommt die Europäische Sumpfschildkröte in S'Albufera vor. Vor allem in den Vormittagsstunden kann man die Tiere in den Sommermonaten an den Ufern oder in dichten Ansammlungen von Wasserpflanzen dabei beobachten, wie sie sich von der Sonne aufwärmen lassen. Das Konzert der Frösche ist im Frühling vielerorts deutlich vernehmbar, da sie im Feuchtgebiet in großer Zahl anzutreffen sind. Die Abbildung rechts zeigt einen Iberischen Wasserfrosch (Iberian Frog, Rana perezi).

Canal de Siurana in S'Albufera Die vielen Vögel, Reptilien und Amphibien von S'Albufera können nur deshalb überleben, weil das Nahrungsangebot für sie so reichhaltig ist. Sämtliche Gewässer im Feuchtgebiet sind voller Fische und anderer Wasserbewohner. In dem zum Teil brackigen Wasser der Kanäle (siehe Abbildung rechts, Canal de Siurana) leben unter anderem Meeräschen, verschiedene Forellenarten und Flussaale. Foto © Monika Brandstetter

Sa-Roca-Brücke am Gran Canal Brücke über einen schmalen Kanal Über die vielen Kanäle des Feuchtgebiets führen kleinere und größere Brücken. Auf ihnen stehend, kann man teils herrliche Ausblicke genießen. Die Abbildung ganz rechts zeigt die Sa-Roca-Brücke, die sich über den Gran Canal spannt. Das linke der beiden Fotos zeigt eine der kleineren Holzbrücken, die über die schmalen Kanäle führen, die das Feuchtgebiet S'Albufera wie Lebensadern durchziehen.

Seidenreiher Salzwassermarsch mit einem Kanal In der Salzwassermarsch im unmittelbar an die Küste grenzenden Teil S'Albuferas wachsen hauptsächlich Binsen und Queller. Wer gern die anmutigen Seidenreiher beobachten möchte, der sollte vor allem in jener salzwasserhaltigen Region des Naturschutzgebiets Ausschau nach diesen Vögeln halten, weil sie sich bevorzugt dort aufhalten (siehe Abbildung ganz rechts). Aufgrund ihres weißen Gefieders fallen sie zwischen den grünen Pflanzen besonders auf und lassen sich gut beobachten.

Grünfink In der Süßwassermarsch, in der vor allem Schilf und Riedgras gedeihen, tummeln sich im Frühjahr und Sommer zahllose kleine Singvögel. Insbesondere während des Frühlings tragen die Männchen vieler Vogelarten ausdauernd ihre melodischen Balzgesänge vor. Dabei klammern sie sich an den Stängeln der Pflanzen fest und sind im dichten Bewuchs oft nur schwer auszumachen. Etliche der im Schilf lebenden Vogelarten tragen ein bräunliches Gefieder, weshalb sich Spezies wie der Mariskensänger (Moustached Warbler, Acrocephalus melanopogon) und der ebenfalls in S'Albufera vorkommende Seidensänger (Cetti's Warbler, Cettia cetti) von den meisten Menschen nur am voneinander abweichenden Gesang unterscheiden lassen. Aber auch vergleichsweise bunte Singvögel wie der Grünfink (Western Greenfinch, Carduelis chloris, siehe Abbildung in diesem Absatz) halten sich gern im dichten Bewuchs der Süßwassermarsch auf.

Egal, wann man das Naturschutzgebiet besucht, es lässt sich dort stets etwas Neues entdecken. Insbesondere im Frühling und Herbst sind viele Zugvögel in S'Albufera zu Gast, da sie auf ihren langen Reisen einen Zwischenstopp einlegen und sich satt fressen, bevor sie den Rest ihrer langen Reisen antreten.

Versäumen Sie es auch nicht, das kleine Museum neben dem Informationszentrum zu besuchen. In diesem Museum befinden sich einige informative Schautafeln sowie ein Modell des Schutzgebietes. Eine Sammlung typischer Geräusche, die man in S'Albufera hören kann, ergänzt diese Exponate. Wenn Sie die Taste "Lied eines Reisbauern" drücken, sorgt der Anblick der entsetzten bis verwirrten Gesichter anderer Museumsbesucher garantiert dafür, dass Sie sich bestens amüsieren ...

 
                 

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