Neben der atemberaubend schönen Unterwasserwelt beherbergen die
Malediven auch an Land einige interessante Tiere. Zwar ist die
Fülle der Inselfauna erheblich geringer als die Meeresfauna,
aber es lohnt sich dennoch, während eines Spaziergangs über
die Hotelinsel nach Tieren Ausschau zu halten. Manche der tierischen
Inselbewohner sind nicht zu jeder Tageszeit sichtbar. Vor allem
während der sehr heißen Mittagsstunden verkriechen sich
die meisten Tiere in den Schatten, um dort ein Nickerchen zu machen. Die
besten Zeiten für die Beobachtung maledivischer Landtiere sind
der frühe Morgen sowie die Stunde vor Sonnenuntergang.
Asiatischer Hausgecko (House Gecko, Hemidactylus
frenatus)
Auf den Malediven sind einige Reptilienarten beheimatet.
Man bekommt diese Tiere vor allem auf dicht bewachsenen, größeren
Inseln zu Gesicht. Am Abend kommen zahllose Asiatische Hausgeckos,
siehe Abbildung rechts, aus ihren Verstecken. Sie
verbergen sich am Tage im Gebälk der Bungalows und in den
Pflanzen. Diese flinken Insektenfänger vertilgen mit Vorliebe
Moskitos, was sie zu angenehmen Mitbewohnern macht. Als Mensch
braucht man sich vor Geckos in keiner Weise zu fürchten. Sie
übertragen keine Krankheiten und können uns auch anderweitig
nicht gefährlich werden. Meist fliehen sie, wenn man sich ihnen
nähert, sie haben demnach Furcht vor dem Menschen. Asiatische
Hausgeckos sind rund zehn Zentimeter lang und man kann sie gelegentlich ihre
Rufe äußern hören, die wie ein Zungenschnalzen
klingen. Das Foto rechts entstand auf Sun Island im Süd-Ari-Atoll.
Neben den Asiatischen Hausgeckos bevölkern auch die
Indischen Hausgeckos (Hemidactylus flaviviridis) die Inseln
der Malediven. Sie sind insgesamt dunkler gefärbt und noch
erheblich scheuer als ihre nahen Verwandten, weshalb es mir nicht
gelang, ein Foto dieser Art anzufertigen.
Blutsaugeragame (Bloodsucker Lizard, Calotes versicolor)
Anders als die nachtaktiven Geckos lieben die farbenprächtigen männlichen
Blutsaugeragamen die Sonne (siehe Foto rechts). Diese auffällig
gefärbten Tiere sitzen gern auf Baumstämmen
oder auf gut einsehbaren, freien Bodenflächen, um sich ausgiebig
zu sonnen. Leider sind Schönechsen relativ scheu, so dass man
sie nicht aus der Nähe beobachten kann. Das Foto recht zeigt
ein etwa 30 Zentimeter langes Tier, das ich auf Sun Island beim mittäglichen
Sonnenbad "erwischt" habe. Der Name Blutsaugeragame klingt ein wenig erschreckend.
Woher er rührt, ist mir leider nicht bekannt. Diese Reptilien stellen für den
Menschen jedoch trotz des merkwürdigen Namens keine Gefahr dar.
Auf Sun Island habe ich zwei Blutsaugeragamen dabei beobachtet, wie
sie sich um einen großen Käfer stritten, den eines der
beiden Tiere erbeutet hatte. Sie gingen aufeinander los, wobei der
Käfer aus dem Maul des Angegriffenen fiel. Das Insekt lag eine
Weile auf dem Boden, während sich die beiden Echsen gegenseitig
attackierten. Nach einem etwa zehn Sekunden andauernden Kampf rannte
der Angreifer davon, der Sieger des Kampfes war derjenige, der zuvor
bereits den Käfer gefangen hatte. Nachdem der Kontrahent im
Pflanzendickicht verschwunden war, verleibte sich der erfolgreiche
Jäger seinen Käfer ein.
Während meines Urlaubs beobachtete ich auf Sun Island nicht nur
männliche Blutsaugeragamen, auch den Rest der Familie traf ich nahezu
täglich an. Die nebenstehend gezeigten Vertreter dieser Art waren ein wenig
kleiner als das oben abgebildete Männchen. Die Abbildung ganz rechts
zeigt ein Jungtier, das etwa 20 Zentimeter lang war. Direkt neben diesen Zeilen
ist ein rund 25 Zentimeter langes Weibchen zu sehen.
Aufgrund der nahezu identischen Zeichnung im Gesicht und rund um die Augen kann
man bei Weibchen und Jungtieren leicht erkennen, dass es sich um dieselbe Tierart
handelt, die Färbung der Männchen weicht davon stark ab und ist zudem
variabel.
Landeinsiedlerkrebse
Landeinsiedlerkrebse hinterlassen im Sand ihre charakteristischen Spuren mit einem breiten
Streifen in der Mitte, der von ihrer Muschel herrührt, und kleinen
Fußabdrücken zu beiden Seiten. Das Tier auf dem Foto rechts war
inklusive Gehäuse nur zwei Zentimeter groß.
An den Stränden der Malediveninseln liegen viele schöne
Muscheln und Schneckengehäuse, die man sich am liebsten
als Reiseandenken mit nach Hause nehmen würde. Dies ist jedoch
auf den meisten Inseln verboten. Der Grund dafür sind die
vielen Einsiedlerkrebse. Diese kleinen Krabbler benötigen
regelmäßig eine neue "Wohnung". Sie leben bevorzugt in
schicken Gehäusen von Meeresschnecken, wie sie auch von
Touristen gern als Staubfänger mit nach Hause genommen werden.
Bitte lassen Sie intakte Gehäuse dort, wo sie sind, damit
die Einsiedlerkrebse nicht obdachlos werden!
Leider gibt es immer wieder einige besonders skrupellose Urlauber,
die es einfach nicht lassen können und fleißig
Schneckenhäuser sammeln. Wenn in einem Objekt ihrer Begierde
bereits ein Einsiedlerkrebs wohnt, so schrecken manche Menschen
nicht davor zurück, das arme Tier brutal aus seinem Zuhause
zu zerren. Diese Tierquälerei ist nicht akzeptabel und Sie
sollten einschreiten, falls Sie jemanden dabei beobachten, einen
Einsiedlerkrebs gewaltsam seiner Wohnung zu berauben.
Wenn Sie sich auch Zuhause noch an der Schönheit der maledivischen
Muscheln und Schneckenhäuser erfreuen möchten, dann
sollten Sie sie einfach fotografieren. Die meisten Kameras
verfügen über eine brauchbare Makroeinstellung, mit der
die filigranen Muster und Strukturen der Motive gut zur Geltung
kommen (siehe Abbildungen unten).
Krabben
An den feinen, weißen Stränden flitzen tagsüber
unzählige, weniger als einen Zentimeter große
Krabben durch die Gegend. Ihre Körper sind hell wie der Sand
und sie sind sehr scheu. Wenn man sich ihnen nähert, rennen
sie so schnell sie können in ihre Verstecke, also von ihnen
gegrabene Höhlen im Sand. Das rechts abgebildete Tier ist etwa
einen Zentimeter breit, die Abbildung ist also stark
vergrößert. Je näher der Sonnenuntergang rückte,
desto weniger der kleinen Krabben bevölkerten den Strand.
Sie wurden von erheblich größeren Exemplaren abgelöst.
Während der Nacht gehören die maledivischen Strände
den größeren Krabben, von denen ich auf Sun Island eine
am frühen Morgen kurz vor Sonnenaufgang fotografierte (siehe
Abbildung rechts). Das gezeigte Tier war etwa zwölf Zentimeter breit und
wie fast alle Krabben sehr scheu. Ihre extreme Wachsamkeit ist für
diese Tiere überlebenswichtig, denn sie stehen nicht nur
auf dem Speisezettel der
Glanzkrähen. Obwohl sie
an Land leben, droht ihnen Gefahr aus dem Meer. Auf Sun Island
beobachtete ich eine
Gemalte
Muräne dabei, wie sie nachts an Land ging, um den Krabben
nachzustellen.
Mancherorts sind Stege oder Fundamente von Gebäuden durch
Steine vor der Brandung geschützt. Auch die Hotelinsel
Sun Island weist eine solche steinerne Befestigung im Bereich der
Tauchschule auf. An jener Stelle kann man einige unterschiedliche
Krabben und Krebse beobachten, deren Lebensraum offenbar die
Brandungszone ist. Sie sind teilweise sehr auffällig gefärbt
wie das Tier in der Abbildung ganz rechts. Andere Spezies zeigen
ein Körpermuster, das sie förmlich mit ihrem Untergrund
verschmelzen lässt (siehe linke der beiden Abbildungen). Leider
weiß ich nicht, um welche Arten es sich bei den nebenstehend
gezeigten Tieren handelt.
Maledivischer Flughund (Pteropus giganteus ariel)
Wer nach Einbruch der Dunkelheit auf einer Malediveninsel spazieren
geht, dem fallen vermutlich die recht großen fliegenden
Geschöpfe am Nachthimmel auf. Dabei handelt es sich in den
meisten Fällen um den Maledivischen Flughund, eine
Unterart des Indischen Flughundes (Indian Flying Fox). Tagsüber
findet man die Tiere, die kopfüber in ihren Schlafbäumen
hängen, mit etwas Glück allerdings auch. Sie beginnen am
späten Nachmittag damit, ihre Ruhequartiere zu verlassen.
Die Hauptnahrung der Maledivischen Flughunde sind Früchte wie
Mangos oder Papaya. Angriffe auf den Menschen sind nicht bekannt,
man braucht sich demnach nicht vor den Fledertieren zu fürchten.
Neben den Maledivischen Flughunden gibt es eine zweite Fledertierart,
die man mit etwas Glück auf den Malediven beobachten kann. Es
handelt sich hierbei um Pteropus hypomelanus maris (Island
Flying Fox). Der Körper dieser Tiere ist deutlich dunkler als
derjenige der Maledivischen Flughunde.
Graureiher (Grey Heron, Ardea cinerea)
Auch einige Vögel hat es in den Luftraum der Malediven verschlagen.
Je nach Quelle sollen es insgesamt 143 beziehungsweise 145 Arten
sein, die von Ornithologen nachgewiesen worden sind. Viele dieser
Vögel sind lediglich Durchzügler oder Irrgäste, die
durch starke Stürme verdriftet wurden und auf den Inseln
buchstäblich gestrandet sind.
Nahezu jede Ferieninsel hat ihre(n) eigenen Graureiher,
siehe Abbildung rechts. Nicht überall sind die Vögel
zutraulich, auf Sun Island war es deutlich schwieriger, sich den
Tieren zu nähern, als dies auf Dhigufinolhu der Fall war.
In den sehr frühen Morgenstunden, am besten noch vor Sonnenaufgang,
kann man die Graureiher am Strand beobachten. Besonders interessant
finde ich es, den maledivischen Graureihern nachts beim Fischen in
der Lagune zuzusehen. Wenn der Mond hoch am Himmel steht und die
Lagunen gut ausleuchtet, stehen die Reiher in Lauerstellung am
Strand, um sich hin und wieder einen Fisch einzuverleiben. Ein Klick auf
die nebenstehende Abbildung führt Sie zu weiteren Graureiher-Fotos.
Glanzkrähe (House Crow, Corvus splendens)
In großer Zahl bewohnen Glanzkrähen die Inseln. Diese
cleveren Vögel versuchen ständig etwas Essbares zu stibitzen. Neben Brotkrümeln
und Essensresten steht vor allem Zucker hoch in der Gunst der
Rabenvögel. Auf Sun Island stahlen sie bei jeder sich bietenden
Gelegenheit einen Schnabel voller Zuckerbeutelchen von den Tischen
der Touristen. Einige Meter entfernt landeten sie und rissen
geschickt die Papiertüten auf, um an den begehrten Leckerbissen
im Innern zu gelangen. Früh morgens kann man die Glanzkrähen
dabei beobachten, wie sie ihre natürliche Nahrung jagen: Krabben.
Mehrere Vögel gehen dabei auf ein einzelnes Opfer los, das
praktisch keine Chance mehr hat, in sein schützendes Loch zu
flüchten, wenn es einmal von den Vögeln eingekreist wurde,
siehe Abbildung unter diesen Zeilen. Weitere Fotos dieser Vogelart
finden Sie in meinem
Sri-Lanka-Reisebericht.
Indischer Koel (Common Koel oder Asian Koel, Eudynamys scolopacea)
Ein echter Charaktervogel der nördlichen Atolle ist der Indische
Koel, eine Kuckucksart. Diese Vögel sind recht scheu, aber dafür
umso lauter. Man hört sie ständig rufen, vor allem morgens
und abends schreien Paare aufgeregte Duette über die Inseln.
Beide Geschlechter sind etwa gleich groß (rund 40 Zentimeter). Die
Männchen, siehe linke der beiden Abbildungen, haben ein
glänzendes, schwarzes Gefieder und leuchtend rote Augen, was
man jedoch nicht bei jedem Lichteinfall erkennen kann. Auch die
Weibchen haben rote Augen. Ihr Körpergefieder ist mit hellen
Flecken übersät, wie man in der Abbildung ganz rechts
erkennen kann. Der Indische Koel legt seine Eier wie alle Kuckucke
in die Nester anderer Vogelarten. Auf den Malediven sind es meist
die Glanzkrähen, die als unfreiwillige Adoptiveltern herhalten
müssen. Fotos: Sun Island, Süd-Ari-Atoll
Weißbrust-Kielralle (White-breasted Water Hen,
Amaurornis phoenicurus)
Im dichten Bodenbewuchs der Malediveninseln und im Unterholz sowie
zwischen den Stelzen der Schraubenbaumgewächse und in Gebüschen
fühlen sich die etwa 30 Zentimeter langen Weißbrust-Kielrallen
besonders wohl. Diese schönen Vögel sind sehr scheu, so dass
man sie nur schlecht beobachten kann. Man muss sich sehr ruhig verhalten,
wenn man sie nicht zur Flucht veranlassen will. Beide Geschlechter
sehen gleich aus. Gesicht, Brust und Bauch sind weiß, der
Rücken, die Flügel und der Schwanz sind dunkel rötlichbraun
gefärbt. Die langen Beine sind gelblichgrün; der Schnabel
zeigt auf seiner Oberseite einen dunkelroten Sattel, der Rest ist
grünlich-gelb gefärbt. Hört man mitten in der Nacht
ein Gezeter von scheinbar total verrückt gewordenen Hühnern,
dann handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die
Kontaktrufe und den Gesang der Weißbrust-Kielrallen, die
ziemlich laut sein können. Fotos: Sun Island, Süd-Ari-Atoll
Eine Reihe weiterer Vogelarten, die man auch aus Mitteleuropa
kennt, verbringen den hiesigen Winter auf den Malediven, darunter
Knäckenten, Brachvögel, Krickenten, Mongolen-,
Wander-, Wüsten- und Kiebitzregenpfeifer,
Zwergstrandläufer, Flussseeschwalben und Bekassinen. Auch
Greifvögel fehlen auf den Inseln nicht. Mit
etwas Glück begegnet man im Winter der Nordhalbkugel
Wiesenweihen, Sumpfohreulen, Turm- und Rötelfalken.
Seevögel wie Seeschwalben und Möwen sind ebenfalls mit
einigen Arten vertreten. Auf den südlich des Äquators
liegenden Inseln brüten die wunderschönen
Feenseeschwalben (Gygis alba, siehe
Beschreibung im
Seychellen-Reisebericht) an einsamen, ruhigen Küstenabschnitten.
Insekten
Auf Inseln, die dichten Pflanzenbewuchs aufweisen, findet man
viele Insekten, darunter beispielsweise die nebenstehend abgebildete,
von mir bislang leider nicht bestimmte Schmetterlingsart. Diese etwa
2,5 bis drei Zentimeter breiten
Schmetterlinge (bei aufgeklappten Flügeln)
kamen auf Sun Island im Süd-Ari-Atoll relativ häufig
vor. Ihre Flügel waren cremeweiß und dunkelbraun gemustert.
An der Flügelunterseite trugen sie einige Flecke, wie man sie
in der ganz rechten Abbildung erkennen kann.
Neben einigen kleinen Spinnen, vielen Ameisen, Asseln (?), Käfern,
Baumwanzen und Grashüpfern sah ich auf Sun Island sehr viele
der rechts abgebildeten Fluginsekten. Ich vermute, es handelt sich
bei den Tieren um eine Wespenart. Die Größe des gezeigten
Tiers entspricht der Originalgröße. Glücklicherweise
waren diese Fluginsekten nicht aggressiv. Ihre orangegelbe
Färbung kam mir instinktiv wie ein Warnsignal vor, weshalb
ich stets gebührenden Abstand von den Tieren hielt, obwohl sie
nie Anstalten machten, mich anzugreifen.
Eine weitere Gruppe von Tieren kann man auf den Malediven beobachten:
Meeresschildkröten. Weibliche Tiere kommen in aller Regel
im Schutze der Nacht an den Strand, um dort ihre Eier abzulegen. Rund 50
Tage später schlüpfen ihre Nachkommen, was für einen
Urlauber sicher ein unvergessliches Erlebnis ist. In den
Gewässern um die Malediven leben folgende Arten:
Lederschildkröte (Dermochelys coriacea, siehe auch
Beschreibung
im Trinidad-und-Tobago-Reisebericht),
Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas, siehe
auch Beschreibung im Sri-Lanka-Reisebericht),
Pazifische Bastardschildkröte (Lepidochelys olivacea),
Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata) und
Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta).
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