Für die meisten Menschen sind die Malediven das Tauchrevier
schlechthin. Es ist jedoch (zum Glück!) keineswegs so, dass man die
artenreiche Unterwasserwelt nur tauchend erkunden kann. Beim Schnorcheln
bieten sich einem mindestens ebenso spannende Einblicke in das Leben der
tropischen Meerestiere. In den Gewässern rund um die maledivischen
Hotelinseln gibt es unzählige phantastische Schnorchelreviere.
Allerdings sieht es unter Wasser nicht überall gleich aus, denn je
nachdem, auf welcher Hotelinsel man seinen Urlaub verbringt, können die
Einblicke in die Unterwasserwelt grundverschieden sein, was man bei der
Reiseplanung unbedingt berücksichtigen sollte, wenn man beispielsweise
Wert auf ein spektakuläres Hausriff legt.
Die Inseltypen und ihre Eigenschaften
Jede der rund 1190 Malediveninseln ist einzigartig in ihrer Form.
Dennoch lassen sich alle Eilande grob in drei grundsätzliche
Kategorien einteilen: der Halbmondtyp,
der Handtuchtyp (siehe Foto rechts) und
der Rundformtyp, der in manchen
Literaturquellen auch als Spiegeleityp
bezeichnet wird.
Handtuchtyp-Inseln
sind meist lang und schmal (einige Beispiele: Dhigufinolhu, Kuramathi,
Ari Beach). Neben ihnen liegt an mindestens einer Seite eine Lagune, also
ein Bereich, in dem das Wasser relativ flach ist. Im Falle von Sun Island
(Süd-Ari-Atoll) beispielsweise befindet sich im Süden der
lang gezogenen Insel eine riesige Lagune, die vom Strand bis zur Riffkante
einige hundert Meter breit ist.
Nur wenige Meter von der Riffkante der Handtuchtyp-Inseln entfernt kann
man in aller Regel noch immer bequem stehen, bei Ebbe reicht einem das
Wasser etwa bis zur Hüfte, wenn man etwa 1,70 Meter groß ist. Der
äußere Bereich einer Lagune, der an ein Riff grenzt, wird
Riffdach genannt. Dort stehen meist sehr viele
Korallen, man sollte sich niemals auf diese stellen! Wenn man sich unbedingt
hinstellen muss, dann bitte stets auf einen sandigen Fleck, um nichts zu
zerstören.
Spiegeleityp-Inseln haben meist keine oder wenn nur sehr kleine
Lagunenbereiche, dafür jedoch in aller Regel schöne Riffkanten,
die meist recht steil abfallen (einige Beispiele: Soneva Fushi, Banyan Tree,
Embhoodhoo). Die meisten Halbmondtyp-Inseln liegen in Großatollen.
Sie haben meist eine große Lagune auf der einen Seite und ein leicht
erreichbares Hausriff an der anderen Seite (einige Beispiele: Mirihi,
Athuruga, Machchafushi).
Im Rausch der Tiefe: Schnorcheln an der Riffkante
Wer gern an spektakulären, steil abfallenden Riffkanten schnorchelt und
diese in unmittelbarer
Nähe haben möchte, der sollte auf einer Spiegeleityp-Insel seine
Ferien verbringen. Riffkanten sind etwas Wundervolles. Den Anblick der
schier bodenlosen Tiefe und das intensive Blau des Ozeans lässt einem
den Atem stocken. An solchen Riffkanten patrouillieren oft einige
Großfische oder auch Haie, Meeresschildkröten sind dort ebenfalls
keine Seltenheit. An die steilen Wände des Riffs schmiegen sich
unterschiedliche Korallenarten, die zahllose kleine und mittelgroße
Fische anziehen. Um so manche Geweihkoralle schwimmen einige Dutzend kleine
Riffbarsche und zwischen den einzelnen Korallenbereichen ziehen manchmal
große Schulen farbenfroher Doktorfische ihre Bahnen. Man fühlt
sich, als wäre man mitten in einem großen Aquarium gelandet,
in dem hunderte Bewohner um einen herumwuseln. Foto in diesem Absatz:
Riffkante von Sun Island, leider durch den El Nino von 1998 stark zerstört.
Egal wo man hin blickt, es gibt immer etwas zu sehen: Eine Seegurke stopft
sich mit ihren langen Tentakel Nahrung in die Mundöffnung, ein
großer Papageifisch beißt deutlich vernehmbar in das
Korallensubstrat, ein flinker, kleiner Putzerlippfisch erledigt seine
Arbeit an einem Drückerfisch und in den nesselnden Anemonen jagen
kleine Anemonenfische einander hin und her. Diese vielfältigen
visuellen - und beispielsweise im Falle der Papageifische teils auch
akustischen - Eindrücke werden jedoch hin und wieder durch die Tatsache
getrübt, dass der Seegang an der Riffkante recht hoch sein kann. Je
nach Wetterlage kann es relativ stark schaukeln, was für ungeübte
Schnorchler sehr unangenehm sein kann, denn nicht selten schwappt einem
Wasser ins Atemrohr. Man sollte nie weit von der Riffkante entfernt im
Ozean schwimmen, da es dort zuweilen zu heftigen Strömungen kommen
kann, die einen binnen Sekunden von der Insel weg aufs offene Meer ziehen!
Foto in diesem Absatz:
Blaustreifen-Doktorfisch
an Korallen, Hausriff Dhigufinolhu.
Es empfiehlt sich, zu unterschiedlichen Tageszeiten an einer Riffkante zu
schnorcheln, da nicht immer gleich gute Sichtbedingungen herrschen. Befindet
sich viel Plankton im Wasser, so kann man mitunter nur wenige Meter weit
sehen und die Riffkante verschwindet quasi im Nebel. Zu sehen ist dann kaum
etwas, man sollte sich die Uhrzeit merken und zu dieser Zeit in den
nächsten Tagen lieber ein gutes Buch lesen oder anderen Tätigkeiten
an Land nachgehen.
Das seichte Vergnügen: Schnorcheln in der Lagune
Auch die Lagunen der Handtuch- und Halbmondtyp-Inseln
haben für Schnorchler ihre Reize. Vom Strand aus kann man sich direkt
in die Fluten stürzen, was man am besten bei Flut tun sollte, da man
ansonsten Gefahr läuft, stellenweise auf Sandbänken aufzusetzen,
weil das Wasser so flach ist. Direkt am Strand ist auf dem Boden noch nicht
viel zu sehen außer Sand, Sand, Sand. Einige Korallentrümmer
liegen auf dem Untergrund, hin und wieder findet sich ein Seeigel (beim
Baden deshalb immer Gummisandalen tragen!). Wer genau hinsieht, kann jedoch
in der Nähe solcher Korallentrümmer kleine Löcher im Boden
erkennen, vor deren Eingängen beispielsweise Partnergrundeln wachen und
ihre Krebse warnen, sobald man sich ihnen nähert. Auch die zierlichen
Seenadeln sind in diesem Lebensraum zu Hause. Da sie klein und schmal sind,
muss man sehr genau hinschauen, um sie zu erkennen. Mit etwas Glück
sieht man eventuell sogar ein Exemplar mit einem geschwollenen Bauch - die
nächste Seenadel-Generation lässt grüßen. Foto in diesem
Absatz: Lagune von Sun Island.
Innerhalb der Lagune gibt es an einigen Stellen kleine Korallenblöcke,
die man als Schnorchler unbedingt ansteuern sollte. Dort hat man sehr gute
Chancen für die Beobachtung junger Fische. In der Lagune von Sun Island
konnte ich an solchen Korallen beispielsweise junge Falterfische,
Drückerfische, Papageifische und etliche kleine Riffbarscharten
beobachten. Zwischen manchen Korallenzweigen verstecken sich tagsüber
nachtaktive Fische wie etwa Weißsaum-Soldatenfische.
Besonders interessant sind alte Riffplatten, die aus Kalk bestehen und meist
irgendwo in einer Lagune - manchmal sogar in Strandnähe wie im Fall von
Sun Island - liegen. Solche Riffplatten sind mit Höhlen durchsetzt,
in denen nicht selten einige kleine Muränen den Tag verbringen. Aber
auch jugendliche Zackenbarsche oder Doktorfische kann man dort antreffen.
Mit etwas Glück sieht man am Eingang solcher Höhlen Feuerfische,
die den Tag verschlafen.
Je weiter man sich dem sogenannten
Riffdach nähert, also dem äußeren
Bereich der Lagune, desto dichter wird der Korallenwuchs. Man sollte nach
Möglichkeit nicht zu weit auf das Riffdach schnorcheln, da man dort
im flachen Wasser Gefahr läuft, sich selbst und vor allem die Korallen
zu verletzen beziehungsweise zu zerstören. Es ist meiner Erfahrung nach
vollkommen ausreichend, am Rand des Riffdachs zu schnorcheln, da man dort
bereits einen phantastischen Einblick in das Ökosystem bekommt. Kugel-
und Kofferfische, Flötenfische, große Drückerfische und
Grabende Riesenmuscheln sind nur einige der Tiere, die sich dort bevorzugt
aufhalten.
Lagunen eignen sich aufgrund des sehr niedrigen bis gar nicht vorhandenen
Seegangs bestens als Schnorchelplatz für Anfänger oder
ängstliche Zeitgenossen, da man innerhalb der Lagune überall
stehen kann, ohne dabei Korallen oder sich selbst zu gefährden. Mit
Strömungen ist praktisch nicht zu rechnen, da das Riffdach als
schützendes Bollwerk zwischen der Lagune und dem offenen Ozean steht.
Nicht nur Schnorchler fühlen sich in den warmen, ruhigen Lagunen wohl.
Sie sind ein bevorzugter Aufenthaltsort für Rochen und junge Haie. In
der Nähe des Strandes kann man vor allem in den Morgenstunden kleine
Haie schwimmen sehen. Meist handelt es sich dabei um Schwarzspitzen-Riffhaie,
die dem Menschen nicht gefährlich werden. Auch beim Schnorcheln muss
man sich vor den Tieren nicht fürchten, sie flüchten meist so
schnell, dass man sie nur in seltenen Glücksfällen aus der Nähe
zu Gesicht bekommt. Dasselbe gilt übrigens auch für die Rochen.
Ganz anders verhalten sich die kleinen
Dreibinden-Preußenfische,
siehe Foto in diesem Absatz.
Sie sind dermaßen neugierig, dass sie einem die Finger oder gar die
Schnorchelmaske ablutschen, was mich beim Schnorcheln regelmäßig
zum Schmunzeln bringt. Achtung: Allzu heftiges Lachen kann beim Schnorcheln
zu plötzlich auftretenden, ungemein salzigen Geschmacksempfindungen
führen ... ;-)
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