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          Korallenbank im Meer Das, was die Malediven zu einem der begehrtesten Reiseziele für Taucher macht, ist vom Land aus lediglich zu erahnen. Die Farbe des Wassers reicht in der Lagune von hellem Türkis bis zu dunklem Schwarzblau, wo das offene Meer liegt. Dazwischen liegen Bereiche, die dunkelblau sind und sich deutlich von den sie umgebenden helleren Gebieten der Lagune abheben. An solchen Stellen sowie an der Abbruchkante um die Inseln herum befinden sich Korallenbänke, das Pendant zum tropischen Regenwald unter Wasser. Die Abbildung rechts zeigt einen solchen dunkleren Bereich mit Korallenbewuchs in der Lagune der Ferieninsel Dhigufinolhu. Rund um die in der obigen Abbildung gezeigte Insel beträgt die Wassertiefe überall maximal zwei Meter, und der Boden der Lagune ist sandig. Der vordere, dunkle Bereich ist nicht tiefer, sondern lediglich mit Korallenstöcken bewachsen, deren wahre Farbenpracht man über Wasser nicht erkennen kann, die jedoch die helle Untergrundfarbe des Sandes verdecken.

Riffe, wie man sie rund um die Malediveninseln bestaunen kann, werden von Korallen aufgebaut. Solche riffbildenden Korallenarten können jedoch nur in warmen, lichtdurchfluteten Gewässern gedeihen, weshalb man sie ausschließlich in den Tropen findet. Oft werden Korallen irrtümlich für Gestein gehalten. In Wirklichkeit handelt es sich bei der vermeintlich harten Substanz jedoch um die Skelette winziger Tiere, der Korallenpolypen. Generation für Generation lebt auf den Überresten (dem Kalkskelett) ihrer Vorgänger, und bildet so in mühevoller Kleinarbeit die filigranen Gebilde, die man am Riff beobachten kann.

Korallen und Fische Es kommen zwei Arten von Korallen an den Riffen vor: harte und weiche. So genannte Hartkorallen bestehen aus massivem Kalziumkarbonat; zu ihnen gehört beispielsweise die Hirnkoralle. Diese relativ harten Korallen sind die eigentlichen Riffbildner. Ihre Wachstumsrate liegt je nach Art zwischen fünf bis 25 Millimeter pro Jahr. Weichkorallen sind wie der Name bereits vermuten lässt von weicher Konsistenz und erinnern in ihrer äußeren Erscheinung oft an Pflanzen oder Bäume. Zu ihnen gehört unter anderem die Blasenkoralle. Im Unterschied zu den riffbildenden Hartkorallen sind die Weichkorallen vergängliche Wesen, die nicht zur dauerhaften Bildung eines Riffs beitragen. Zudem benötigen sie weniger Licht als die Hartkorallen und leben daher auch in dunkleren und kühleren Meeresregionen sowie in größerer Tiefe.

Als Nahrung dient den Korallenpolypen das Zooplankton, zu dem unter anderem Krebslarven gehören. Nachts stülpen sich die Polypen aus ihrem Skelett und strecken Tentakel aus, um das vorbeidriftende Zooplankton zu fangen. Viele Hartkorallen haben spezielle Ernährungsgewohnheiten entwickelt. In den Skeletten der harten Korallen leben neben den Polypen einzellige Algen, die so genannten Zooxanthellen. Diese Algen nutzen das im flachen Wasser einfallende Sonnenlicht zur Photosynthese und versorgen dadurch die Korallenpolypen mit bis zu 90 Prozent ihres Nahrungsbedarfs. Auf diese Weise ist es Hartkorallen überhaupt möglich, in Meeresgebieten zu leben, die arm an Zooplankton sind.

Papageifisch frisst Korallen Wo es Korallen gibt, siedeln sich Fische an. Die kleinsten von ihnen leben zwischen den Korallenarmen und verstecken sich dort vor größeren Fressfeinden, die man am Riff patrouillieren sehen kann. Einige Fischarten haben sich darauf spezialisiert, Algen von den Korallen abzuschaben. Des weiteren leben am Riff Korallenfresser wie die Papageifische (siehe Foto rechts), die mit ihrem mächtigen Gebiss Stücke aus Hartkorallen brechen, diese zermalmen und nach dem Verdauen der Algen und Polypen feinen Sand ausscheiden, der an Land gespült idyllische Sandstrände bildet. Viele der am und vom Riff lebenden Fischarten stehen auf dem Speiseplan größerer Raubfische wie Barrakudas. Diese wiederum ziehen Haie an, die man in den tropischen Meeren gelegentlich als Schnorchler und Taucher zu Gesicht bekommt. So hängen Großfische indirekt von Algen und Korallenpolypen ab. Am Hausriff von Dhigufinolhu, meinem Feriendomizil im Süd-Malé-Atoll, beobachtete ich die typischen Riffbewohner. Zutiefst beeindruckten mich die vielen Papageifische mit ihren starken "Schnäbeln". Da Wasser ein guter Schallleiter ist, waren das laute Knirschen beim Biss in eine Koralle und das anschließende Kauen der Papageifische deutlich zu vernehmen.

Ausgebleichte Korallen Die Korallen auf den Malediven waren bei meinem Besuch im Juni 1998 zum Teil schon in einem erschreckend schlechten Zustand. Korallenblöcke nahe der Uferzone waren zerbrochen, weil Touristen sich mit den Schwimmflossen achtlos auf sie gestellt hatten. In den tieferen, gerade noch sichtbaren Bereichen der Riffkante konnte man alte Ölfässer, Müllbeutel sowie verlorene Anker erkennen. Auf den Malediven war es bedauerlicherweise lange Zeit üblich, den Zivilisationsmüll einfach im Meer zu versenken. In dieser Hinsicht findet zwar nun ein Umdenken statt, was jedoch einen großen Teil der in den Gewässern um die Malediven heimischen Korallenwelt nicht vor einer anderen Gefahr bewahren kann: der Korallenbleiche.

Korallenstock mit Fischen Als das natürliche Klimaphänomen El Niño 1998 in Erscheinung trat, geschah dies mit bislang nie beobachteter Intensität. Die zerstörerischen Auswirkungen des durch den Einfluss des Menschen verstärkten Klimaphänomens vor der Südamerikanischen Westküste waren selbst im fernen Indischen Ozean zu spüren. Das Oberflächenwasser heizte sich stark auf, und Wasserströmungen änderten leicht ihre Fließrichtung. Dadurch wurde das Wasser an den Riffen der Malediven durchschnittlich ein Grad wärmer.

Zum Teil ausgebleichter KorallenstockDie in den Korallen lebenden Algen produzierten durch die höhere Außentemperatur aggressive Moleküle, die den Korallenpolypen schadeten. Deshalb stießen die Polypen ihre Symbionten ab und starben schließlich an Nahrungsmangel. Die Skelette der Korallen verloren im weiteren Verlauf der Korallenbleiche ihre Farben. In den geisterhaft weißen Korallenriffen verschwanden mit der Zeit einige Fische, weil ihre Nahrungsgrundlage nicht mehr existierte. Zur großen Verwunderung der Forscher blieben die meisten Fischarten jedoch in der Nähe ihrer ehemaligen Nahrungsquellen und erschlossen sich innerhalb kürzester Zeit nahrhafte Alternativen, indem sie beispielsweise die Algen auffraßen, die die abgestorbenen Korallen überwucherten.

Intakte Koralle Kurze Zeit später begannen sich die Korallenriffe zu regenerieren, und zwar schneller und umfangreicher, als die Wissenschaft dies für möglich gehalten hätte. Die Selbstheilungskräfte des Ökosystems Korallenriff scheinen enorm zu sein. Trotzdem wäre es leichtsinnig, diese Kräfte zu sehr zu strapazieren, indem man die Riffe in Zukunft noch stärker belastet. Noch ein derart starker El Niño würde vermutlich einen Großteil der Korallen für immer töten.

 
                 

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