Könnte man in die Vergangenheit reisen, würde man Teneriffa im späten
Tertiär, also vor ungefähr vor 40 bis 15 Millionen Jahren, nicht wieder erkennen.
Im Zentrum der Insel erhob sich zu dieser Zeit ein riesiger Vulkan, der den heutigen
Gipfel des Teide weit überragte. Der Durchmesser dieses Vulkankegels war gewaltig,
er betrug etwa 15 Kilometer, seinen Umfang beziffern Geologen auf etwa 75 Kilometer. Dieser
Feuerberg formte mit seinen Eruptionen die Insel und zerstörte sich schließlich
selbst. Dadurch, dass er flüssiges Gestein ausspie, entstanden unterirdische
Hohlräume. Der Vulkan wurde instabil und seine Spitze sackte - vereinfacht formuliert
- in sich zusammen.
Übrig blieben die noch heute sehr imposant wirkenden, bis zu 500 Meter über das
Zentrum der Umgebung im Nationalpark emporragenden Steilwände, die die
"Las Cañadas" umgeben. Diese Steilwände tragen Namen wie Montaña de
Guajara oder Montaña de Colmenas. Zwischen diesen hoch aufragenden Steilwänden
liegt die sogenannte Caldera, ein halbrunder Einsturzkessel, der in etwa 15 Kilometer
groß ist.
Nachdem der einstige Vulkan eingestürzt war, brodelte es noch immer unter der Insel.
Weitere Eruptionen türmten in der Caldera neue Vulkankegel auf, unter ihnen den
3.134 m hohen Pico Viejo ("alter Gipfel") und natürlich das heutige Wahrzeichen
Teneriffas: den Pico del Teide, siehe Foto rechts. Der 3.717 hohe Vulkan ist nicht nur
der höchste Berg der Kanareninsel, sondern zugleich auch der höchste Berg Spaniens.
Auf dem Foto sind die Pylonen der Seilbahn zu erkennen, mit deren Hilfe man innerhalb von
nur acht Minuten ohne jede Anstrengung von 2.356 bis auf 3.555 Meter Höhe fahren kann.
Am Gipfel des Berges ist man dann allerdings noch nicht, sondern 162 Höhenmeter darunter.
Dem Besucher bieten sich im Nationalpark Anblicke, die in aller Welt
ihresgleichen suchen. Steinerne Strukturen das Landschaftsbild: Bizarr geformte
Basaltstrukturen, Basalt, erkaltete Lavaflüsse, so weit das
Auge reicht, Schlackehalten und Bimssteinflächen sind nur einige der geologischen
Sehenswürdigkeiten der Cañadas. Erstaunlich sind die vielen Farben, die das
Gestein und Geröll dort aufweist, die Palette reicht von schwarz über rotbraun
bis hin zu türkis-grün. Einlagerungen von Mineralien beziehungsweise deren
Verwitterungsprodukte sind für dieses Farbenspiel verantwortlich. Darüber hinaus
beherbergt der Nationalpark eine einzigartige Pflanzenwelt sowie etliche Tiere, die ihr Leben
zwischen dem Geröll und den Felsen führen. Insbesondere im späten Frühling
und Frühsommer stehen die meisten der teils nur an diesem Ort vorkommenden Pflanzen
in Blüte und ein imposantes Heer von Bienen schwirrt geschäftig zwischen den
einzelnen Nektarquellen umher.
Möchte man den Nationalpark erkunden, so ist dies entweder allein oder in geführten
Wandergruppen möglich, für eine Besteigung des Teide-Gipfels benötigt man eine
behördliche Genehmigung, die in der Inselhauptstadt Santa Cruz ausgestellt wird.
Tagestouren durch den Nationalpark, in den man entweder per Mietwagen, in einem gecharterten
oder mit einem öffentlichen Bus (Linie 348, siehe
Fahrplan) anreisen kann, sind ebenso möglich wie Wanderurlaube,
bei denen man direkt im Nationalpark Quartier bezieht - es gibt dort nämlich ein
Hotel: das Parador de Cañadas del Teide, das in der Nähe der Roques de
García liegt. Ganz in der Nähe befindet sich auch eine kleine Kapelle.
Wanderung an den Roques de García, Anfahrt mit dem öffentlichen
Bus
Während meiner Teneriffareise Anfang Juni 2004 fuhr ich mit dem öffentlichen Bus
von Puerto de la Cruz aus in den Nationalpark. Von der Endhaltestelle (Mirador) aus begab ich
mich auf eine mehrstündige Wanderung, die mich um die Roques de García und
später durch einen Teil der Ucanca-Hochebene (siehe
unten) führte. Ich unternahm
diese nicht geführte Wanderung zusammen mit einem Ehepaar, das ich am Tag meiner Anreise
nach Puerto de la Cruz im Bus kennen gelernt hatte. Wir hatten uns im Besucherzentrum des
Miradors den kostenlosen Übersichtsplan der Gegend geholt, bevor wir uns auf den Weg
machten. Unterwegs boten sich uns atemberaubend schöne Ansichten und Panoramen, aber auch
viele Details wie blühende Pflanzen am Rande des Wanderweges zogen unsere Blicke auf
sich.
Der Teide thront über der Landschaft
Der Roque Chinchado aus verschiedenen Perspektiven betrachtet
Landschaftliche Details und Weite
Erreicht man während der Wanderung die Südwestseite der Gesteinsformationen von
Los Roques, sollte man als Vogelfreund den Blick aufmerksam auf die hohen Felswände
richten. In den steilen Wänden legen die in den Cañadas beheimateten
Turmfalken ihre Horste
an. Oft hört man die schrillen Rufe der Greifvögel bereits lange, bevor man
sie majestätisch an den Felswänden entlang fliegen sieht.
Die Südwestseite der Roques de García
Folgt man von Los Roques aus weiter der Straße oder umwandert man die Felsendome
weitläufig, gelangt man nach zu einigen besonders auffällig gefärbten
Lavafelsen. Sie erstrahlen durch Mineraleinlagerungen türkis-grün, was einen
hübschen Kontrast zu den sonst überwiegend schwarzen Brocken in
der Caldera darstellt. Diese grünlichen Lavafelsen tragen den Namen
Los Azulejos. Mineraleinlagerungen wie oxidiertes
Kupfer geben der erstarrten Lava ihre charakteristische Farbe.
Türkis-grünes Gestein bei "Los Azulejos"
Im nordöstlichen Teil der Caldera ist die Landschaft von
Geröllbrocken unterschiedlicher Größe in dunkler Farbe
geprägt. Ein recht abrupter Wechsel der Szenerie zeichnet sich unterhalb der
Gesteinsformation Los Roques im südwestlichen Teil des Nationalparks ab.
Auf der rechten Seite der Straße erstreckt sich eine weite Hochebene namens
Llano de Ucanca,
deren Boden mit hellem Sand und unzähligen kleinen Büschen bedeckt ist.
Wer sich auf den Boden legt, wird überrascht feststellen, wie plan die Ebene ist
Zwischen kleinen Grasbüscheln und den versprenkelten Sträuchern schwirren
Insekten herum und unter den Steinen verstecken sich tagsüber große Spinnen
vor der starken Sonneneinstrahlung. Einige hoch aufragende Zweige der Büsche dienen
den Raubwürgern,
einer der wenigen im Nationalpark vorkommenden Vogelart, als Sitzwarten.
Impressionen aus der Ucanca-Hochebene (Llano de Ucanca)
Mietwagentour, Anfahrt aus Richtung Nordosten
Beginnt man die Fahrt in die Cañadas in La Laguna, nähert man sich
dem Nationalpark aus nordöstlicher Richtung. Während meiner Urlaube in den
Jahren 1995 und 1997 wählte ich jene landschaftlich ausgesprochen reizvolle Route,
um in den Nationalpark zu gelangen. Eine geologische Besonderheit der Insel liegt
direkt am Wegesrand, wenn man diese Strecke in die Cañadas wählt: das
"größten Tortenstück Teneriffas". Hierbei handelt es
sich um übereinander liegende Schichten unterschiedlich gefärbten vulkanischen
Gesteins, das wie ein riesiges Stück Kuchen aussieht (siehe Abbildung unten).
Beim Bau der Straße, die heute zum Nationalpark führt, legte man diese
interessante geologische Struktur frei. Da an jener äußerst fotogenen Stelle oft
Reisebusse Halt machen und sich entsprechend viele Touristen dort aufhalten, um die "Torte"
zu fotografieren, muss man sich etwas in Geduld üben, falls man sie ohne Menschen
im Vordergrund ablichten möchte. Nähert man sich den mehrfarbigen Gesteinsschichten,
erkennt man Pflanzen, die sich mit ihren Wurzeln auf dem nackten Gestein halten können
(siehe Abbildung in diesem Absatz).
Folgt man der Straße weiter in Richtung Nationalpark, wird die
Vegetation nach dem Passieren des "Tortenstücks" zusehends
spärlicher, bis in der Nähe des Observatoriums von
Izaña (siehe unten) nur
noch Grasbüschel und der Höhenlage angepasste Pflanzen wie
der Teideginster (Teide broom, Spartocytisus supranubius)
heimisch sind. An dieser Stelle befindet man sich bereits mehr als 2.000 Meter über
dem Meeresspiegel.
Nicht ohne Grund wurde an dieser Stelle Teneriffas das
Observatorium
von Izaña errichtet (siehe Abbildung rechts). Auf dem Bergrücken ist
kaum störendes Stadtlicht vorhanden und die Luft ist äußerst klar. Das
Band der Milchstraße leuchtet nachts so intensiv, dass man verstehen kann, weshalb
es die amerikanischen Ureinwohner "das Rückgrad der Nacht" nannten. Die meisten
Menschen besuchen den Nationalpark allerdings tagsüber, so dass sie nicht in den
Genuss dieses phantastischen Anblicks kommen.
Fährt man weiter auf der Straße in Richtung Nationalpark,
erreicht man bald in einer bizarren Lavalandschaft, in der das einst
flüssige Magma zu erstaunlichen Formationen erstarrte, die
die Phantasie des Betrachters anregt. Das Foto rechts zeigt einen
Bereich in den Cañadas, das viele Leute an eine frech herausgestreckte Zunge
erinnert. Man kann an dieser Stelle bestens erkennen, wie abgekühltes,
zähes Gestein von nachfließender, noch deutlich beweglicherer und wärmerer
Lava gestaucht und zu Wülsten aufgeworfen worden ist.
Viele weitere erstarrte Lavaformationen fordern die Phantasie des Menschen
geradezu heraus. Eine besonders schöne "Skulptur" erinnert in ihrem
Aussehen an einen Schmetterling, der halb im Schuttberg steckt (siehe
Abbildung rechts in der Bildmitte). Meiner Erfahrung nach hat man bei einer
selbst organisierten Tour durch den Nationalpark im eigenen Mietwagen
viel mehr Zeit, die interessantesten Stellen in den Cañadas
zu bestaunen.
Nimmt man an einer von einem Reiseveranstalter organisierten
Tour teil, hält der Reisebus nur kurz an den schönsten Stellen,
so dass einem kaum Zeit bleibt, die urtümliche, raue Landschaft auf
sich wirken zu lassen. Auch ist es während einer solchen organisierten
Tour leider nicht möglich, unterwegs an einer Stelle anzuhalten, die
einen interessiert, obwohl sie nicht zu den Hauptattraktionen des
Nationalparks gehört.
Ich habe es genossen, beispielsweise an jener Stelle ein wenig spazieren zu gehen,
wo der "Schmetterling" auf dem Gestein thront. Man kann im Nationalpark eine Menge
faszinierender Dinge beobachten. Es ein unvergessliches Erlebnis, das Farbenspiel der Lava
ausgiebig auf sich wirken zu lassen. Zudem fasziniert das geschäftige Treiben der
Insekten, die - zumindest im Frühling - überall anzutreffen sind. Eidechsen
flitzen zwischen den Steinen umher, immer auf der Suche nach schmackhaften Insekten.
Und wenn man großes Glück hat, kann man einem der scheuen Vögel, die im
Nationalpark leben, abseits der Haupttouristenorte bei der Nahrungssuche zuschauen.
Vor allem der Bereich des Nationalparks, der Tabonal
Negro genannt wird, gehört zu den bemerkenswertesten
Sehenswürdigkeiten der Cañadas. Dort dominiert sehr dunkles,
fast schwarzes Gestein die Landschaft. Hierbei handelt es sich um relativ junge Lava, die
noch nicht durch Sonne, Wind und Wasser zersetzt und aufgehellt worden ist.
Diese dunklen Brocken sind mit vielen Luftblasen durchsetzt, so dass sie erheblich
leichter sind als sie aussehen. Das Panoramafoto unter diesen Zeilen zeigt das
äußerst fotogene Areal.
Am westlichen Ende der Hochebene von Ucanca teilt sich die von vereinzelten Lavasäulen
gesäumte Straße (siehe Abbildung rechts). Dort kann man zum einen nach links
in Richtung Vilaflor abbiegen, was die meisten Reisebusse mit geführten
Besuchergruppen tun. Die zweite Möglichkeit, also nach rechts Richtung Los
Gigantes oder Santiago del Teide abzubiegen, wählen die wenigsten Touristen.
Ein Abstecher in diese Richtung ist für all jene besonders lohnenswert, die sich
gern grandiose Landschaften anschauen. Von der Straße aus hat man einen
phantastischen Blick auf den alten Krater des Vulkans, auf den
Pico Viejo, also den alten Gipfel des Teide. Hinter ihm erhebt
sich majestätisch der erdgeschichtlich jüngere und größere
Teide-Gipfel. Die Lava, die aus dem alten Krater geflossen ist, hat das Terrain tief
schwarz eingefärbt, was in starkem Kontrast zum rötlich-braunen
Geröll des neuen Gipfels steht.
Wer im westlichen Bereich aus dem Nationalpark fährt, gelangt
nach einigen Kilometern Wegstrecke in die Ortschaft Santiago del Teide.
Entlang der Straße bieten sich spektakuläre Aussichten auf eine grandiose
Landschaft. Vor allem die im Hintergrund emporragenden Gipfel des Teide
sowie des Pico Viejo sind von diesem Teil der Insel aus schöne
Motive für die Landschaftsfotografie.
Nächtliche Tour in den Nationalpark
Während meiner Teneriffareise im Jahre 1997 fuhren mein
Mitreisender und ich mit dem Mietwagen nicht nur am Tage in den
Nationalpark, sondern auch am späten Abend. Der Park ist dann
menschenleer und auf den Parkplätzen sieht man
im Scheinwerferlicht völlig ausgehungerte wilde Hunde in den
Mülltonnen nach Essbarem suchen. Ein Stück hinter dem
Touristeninformationszentrum stoppten wir den Wagen und bestaunten
den überwältigenden Sternenhimmel. Zuvor hatten wir von
einer unbewaldeten Stelle aus einen wundervollen Blick auf den
Teide im Gegenlicht der Abenddämmerung Dämmerung. Über ihm
strahlte der Planet Venus weithin sichtbar als Abendstern (siehe Abbildung oben rechts).
In der Spätsommernacht 1997 flogen zahllose Fledermäuse durch
den Nationalpark, als wir uns dort aufhielten. Dort brodelt also auch nachts
das Leben - unbemerkt von den vielen Touristen, die sich im Dunkeln lieber
an der Küste aufhalten.
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