Unter Tauchern ist Teneriffa als Reiseziel relativ beliebt. Aber nicht nur
in einigen Meter Tiefe hat der Atlantik bezaubernde Ansichten zu bieten.
Wer mit einer Schnorchelmaske die Küste erkundet, kann erstaunlich bunte
Fische in großer Zahl sehen. Je nach Witterung und Seegang ist das Wasser
recht klar und man kann auch in zwei, drei Meter Entfernung noch etwas erkennen.
Während meiner Teneriffareise im Juni 2004 war ich in einem natürlichen
Gezeitentümpel schnorcheln, der direkt vor der Stadt Puerto de la Cruz
liegt (siehe Foto oben rechts). Jener Bereich, der sich bestens zum ungefährlichen, entspannten
Schnorcheln eignet, ist nur wenige Meter von der Kapelle San Telmo entfernt. Bis auf
zwei Aufnahmen entstanden alle auf dieser Seite gezeigten Fotos an jenem
Küstenabschnitt. Einige Fotos habe ich mit meiner Canon Prima AS-1 unter Wasser
aufgenommen, die restlichen Fotos fertigte ich mit meiner Minolta Dynax 505 si super
durch die Wasseroberfläche hindurch mit einem 300-mm-Teleobjektiv an.
Leider habe ich bisher nicht alle in diesem Kapitel gezeigten Spezies bestimmen
können. Sollte jemand die unbestimmten Arten kennen, so würde ich mich
über eine Nachricht per E-Mail
sehr freuen. Bei der Bestimmung habe ich mich auf die Datenbank von
Fishbase.org gestützt, Irrtümer
sind aber nicht ausgeschlossen.
Bänderbrasse (Zebra Seabream, Diplodus cervinus cervinus)
Ausgewachsene Bänderbrassen erreichen eine Körperlänge von bis zu 55 Zentimeter,
die meisten Tiere sind etwa 40 Zentimeter groß. Das rechts gezeigte, leider aus recht
großer Entfernung abgelichtete Jungtier war etwa 15 Zentimeter lang. Bänderbrassen
kommen in Tiefen zwischen zehn und 300 Meter vor, ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich im
Ostatlantik vom Golf von Biscaya bis nach Südafrika. Zu erkennen sind die Fische an ihren
vier oder fünf dunklen Querstreifen, die sie auf dem silbrig gefärbten Körper
tragen. Manche Literaturquellen bezeichnen diese Fischart als
Fünfbindenbrasse. (Puerto de la Cruz)
Dicklippige Meeräsche (Thick-lipped Grey Mullet, Chelon labrosus)
Bis zu 60 Zentimeter lang und an die zwei Kilogramm schwer können Dicklippige
Meeräschen werden. Diese Schwarmtiere schwimmen meist dicht unter der Wasseroberfläche.
Sie sind erstaunlich resistent gegen Verschmutzungen im Wasser, weshalb sie auch in
Hafenbecken in großer Zahl anzutreffen sind. Die untere der beiden Abbildungen entstand
an einem Hafen, in dessen Becken nicht nur Unrat schwamm, sondern auch an einigen Stellen
Ölfilme auf der Wasseroberfläche zu sehen waren. Den Meeräschen, deren
Verbreitungsgebiet sich im Atlantik von Norwegen bis zum Senegal sowie über das Mittelmeer
erstreckt, scheint dies nichts ausgemacht zu haben. (Foto oben: Puerto de la Cruz, Foto unten:
Hafen von Los Gigantes durch die Wasseroberfläche fotografiert)
Geißbrasse (Moroccan White Seabream, Diplodus sargus cadenati)
Geißbrassen erreichen eine Körperlänge von bis zu 45 Zentimeter, das rechts
gezeigte Tier maß etwa zwölf Zentimeter vom Maul bis zur Schwanzspitze. Diese Fischart
ist leicht an ihrem zarten Streifenmuster sowie dem schwarzen Saum ihrer Schwanzflosse zu
erkennen. Besonders auffällig sind auch die schwarzen Punkte an der Schwanzwurzel, die sie
auf beiden Körperseiten tragen. Im Ostatlantik kommen rund um die Kanaren Individuen
der Unterart Diplodus sargus cadenati vor, im Mittelmeer leben ebenfalls Geißbrassen.
Bis in 150 Meter Tiefe kommen rund um die Kanaren Geißbrassen vor, die Fische bilden
meist Schulen. Sie ernähren sich von kleinen Krustentieren und Mollusken, aber auch von
Seegras und Korallenstückchen. (Puerto de la Cruz)
Meerpfau (Ornate Wrasse, Thalassoma pavo)
Etwa zehn Zentimeter lang war der rechts gezeigte Jungfisch dieser Spezies. Er war recht
scheu und verschwand wie seine Artgenossen bei der kleinsten Störung in Felsspalten.
Ausgewachsene Exemplare dieser langen, schlanken Fischart erreichen eine Körpergröße
von bis zu 25 Zentimeter. Meist trifft man die Tiere einzeln an, nur selten finden sie sich
zu kleinen Gruppen zusammen. Sie ernähren sich von kleinen Mollusken und Krustentieren.
Der Meerpfau kommt in Tiefen von ein bis 150 Meter vor, sein Verbreitungsgebiet
erstreckt sich über den subtropischen Ostatlantik und das Mittelmeer. (Puerto de la Cruz)
Neon-Riffbarsch (Canary Damsel, Abudefduf luridus)
An der felsigen Küste Teneriffas kommen die Neon-Riffbarsche in großer Zahl vor.
Diese bis zu 15 Zentimeter langen Fische sind nahezu am gesamten Körper dunkelbraun
bis schwarz gefärbt. Sie tragen leuchtend blaue Streifen an der Unterseite sowie
an der Wurzel der Brustflosse, die ebenfalls bläulich schimmert. Die nebenstehende
Abbildung zeigt eines der Tiere, das ich durch die Wasseroberfläche fotografiert habe.
Unter Wasser gelang mir bedauerlicherweise keine brauchbare Aufnahme dieser scheuen Fischart.
Neon-Riffbarsche leben in Tiefen bis zu 25 Meter. (Puerto de la Cruz)
Schwarzgrundel (Black Goby, Gobius niger)
In Tiefen zwischen einem und 75 Meter lebt die Schwarzgrundel. Diese Fischart, deren
Verbreitungsgebiet sich über den östlichen Atlantik, das Mittelmeer und auch das
Rote Meer erstreckt, hält sich gern auf sandigen Böden, Seegraswiesen oder mit
Algen bewachsenem Untergrund auf. Auf dem Speisezettel der bis zu 18 Zentimeter langen
Fische stehen kleine Tiere wie
Krabben oder Mollusken, aber hin und wieder auch kleine Fische. Schwarzgrundeln liegen
bäuchlings auf dem Untergrund und beobachten aus dieser Position heraus aufmerksam
ihre Umgebung. In kleinen Gezeitentümpeln kann man durch die Wasseroberfläche
besonders gut beobachten. Die nebenstehende Abbildung zeigt ein Männchen. (Puerto
de la Cruz)
Unbestimmte Fischart Nr. 1
In den Gezeitenbecken von San Telmo, Puerto de la Cruz und rund um die schwarzen Lavafelsen
in jenem Gebiet hielten sich die rechts abgebildeten Fische auf. Sie schwammen in Schulen
umher, die etwa 30 bis 50 Mitglieder hatten. Die Körperlänge der Fische betrug in etwa
zwölf bis 15 Zentimeter. Ihre Körper waren silbrig glänzend und die Augen
wirkten gelblich, wie auch auf dem Foto zu erkennen ist. An den Seiten verliefen parallele
Linien in jeweils einem hellem, leicht gelblichen und einem dunkleren Silberton. An der Schwanzwurzel war
ansatzweise ein leicht bräunlich-rötlicher Punkt an jeder Seite zu erkennen. (Puerto
de la Cruz)
Unbestimmte Fischart Nr. 2
Mehrere Exemplare dieser etwa zehn Zentimeter langen Fische saßen in einem Gezeitentümpel
auf mit Algen bewachsenen Steinen. Bei der kleinsten Störung schwammen sie in Felsspalten
und kamen erst nach gut einer Minute wieder zum Vorschein. Der Körperbau und auch ihre
Nähe zu den weiter oben beschriebenen Schwarzgrundeln lässt mich vermuten, dass es
sich eventuell um weibliche Exemplare dieser Fischart handelt, ich bin mir jedoch nicht sicher.
(Puerto de la Cruz)
Krabben
Dort, wo das Meer auf Felsen und vom Menschen errichtete Wellenbrecher trifft, tummeln sich
unzählige Krabben. Viele von ihnen sind sehr dunkel bis schwarz gefärbt, siehe
linkes Foto, aber auch eine rötliche Spezies sowie gesprenkelte Krabben kommen vor.
Die größten Exemplare sind etwa 15 Zentimeter breit. Sie halten sich
stets in einem Bereich auf, der gelegentlich vom Wasser benetzt wird. Werden sie allerdings
von einer Welle erfasst und auf die Felsen geschleudert, so ist dies sehr wahrscheinlich ihr
Todesurteil. Auf den Felsen und Wellenbrechern finden sich ständig tote Krabben, deren
hartschalige Panzer durch die Wucht des Aufpralls auf dem Gestein aufgeplatzt sind. Sie sind
ein gefundenes Fressen für Möwen und
Seidenreiher, die auf der Suche nach
Nahrung ständig an den Küstenstreifen entlanglaufen. (Puerto de la Cruz)
Umweltverschmutzung an der Küste
Ein trauriges Thema ist die Umweltverschmutzung an der Küste. Als ich im Juni 2004
in Puerto de la Cruz meinen Urlaub verbrachte, gab es an der Kapelle von San Telmo eine
Fiesta. Die vielen Besucher warfen ihren Müll - darunter zahllose Zigaretten- und
Zigarrenstummel - achtlos in die Gezeitentümpel, die nach drei Festtagen einem riesigen
Aschenbecher glichen. Das Wasser in diesen Gezeitentümpeln war dermaßen stark mit
Nikotin durchsetzt, dass die durch die Gezeiten in den Tümpeln gefangenen Fische
einen qualvollen Vergiftungstod starben. Ich fand es zutiefst bedauernswert, die wunderschönen
Geschöpfe ein solch tragisches und vor allem sinnloses Ende nehmen zu sehen. Es ist
einfach nur erschreckend, dass die Verursacher dieses Fischsterbens grinsend mit den
Schultern gezuckt haben, für sie ist das Meer offenbar nichts anderes als eine
riesengroße Müllkippe ...
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