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          Verwundeter Bulle Dass Tiere empfindsame Lebewesen sind, hat sich zum größten Teil der Südeuropäer noch nicht herumgesprochen. Die meisten Kreter bilden von dieser Regel bedauerlicherweise keine Ausnahme. Wer wie ich ein Herz für Tiere hat, für den ist es zuweilen ziemlich hart, auf Kreta einen unbeschwerten Urlaub zu verleben. Ein typisches Beispiel für die pragmatische, wenig sentimentale Einstellung zu Tieren war nur wenige hundert Meter vom Hotel zu sehen, in dem ich während meines Kreta-Urlaubs wohnte. Auf der Abbildung rechts ist ein Bulle zu sehen, der an einer schweren Kette lag und den ganzen Tag ohne Schatten in der Sonne ausharren musste. Eines Tages fand ich ihn in einem desolaten Zustand vor. Er hatte sich von der Kette losreißen wollen und sich dabei den Nacken aufgerissen. Die Wunde war übel entzündet und eiterte, Fliegen und Wespen krabbelten darin herum. Letztere rissen kleine Fleischstücke aus der infizierten Verletzung. Der Besitzer des Bullen hatte lediglich die Kette um die Hörner gelegt, ansonsten hat er dem armen Tier nicht geholfen. Ich konnte dieses Elend nicht mit ansehen und versuchte die Wunde über den Zaun hinweg zu desinfizieren. Der Bulle ließ mich gewähren, und nach drei Tagen hörte die Wunde endlich auf zu eitern. Was inzwischen aus dem Tier geworden sein mag, daran mag ich gar nicht denken ...

Erschreckende Souvenirs aus dem Meer

Horrorkabinett In der Markthalle von Chaniá und auch an vielen anderen Orten auf Kreta gab es während meines Urlaubs in mehreren Geschäften ganz besonders widerliche Souvenirs zu kaufen. In den Auslagen der Läden fanden sich mit Klarlack überzogene Kugelfische, die sich in ihrem grausamen Todeskampf zur vollen Größe aufgebläht hatten. Sehr wahrscheinlich enden sie massenhaft als Staubfänger in Touristenwohnungen, anstatt friedlich weiter im Meer leben zu dürfen. Meine Bitte an Sie lautet daher, keine Kugelfische und am besten auch keine lackierten Seepferdchen oder Seesterne zu kaufen. Es würde sich doch vermutlich auch niemand einen mit Klarlack "verschönerten" toten Hund in seine Wohnung stellen ...

Aqua World, das Aquarium von Liménas Chersonísou

Am Rochenbecken In der Touristenhochburg Liménas Chersonísou findet sich in einer Seitenstraße ein kleines, aber feines Aquarium, in dem nur einheimische Meeresbewohner sowie einige Reptilien und Amphibien zu bestaunen sind. Als John McLaren, der Erbauer und Inhaber von Aqua World, 1991 nach Kreta kam, wollte er eigentlich nur ein Aquarium für seine Wohnung haben. Da fertige Aquarien jedoch unbeschreiblich teuer waren, schritt er zur Tat und baute selbst eins. Dieses Aquarium bereitete ihm aber wenig Freude, denn einige Wochen später ging es zu Bruch und überflutete sein Schlafzimmer. Seine Fische konnte er retten, er brachte sie in Eimern zum Meer und schenkte ihnen die Freiheit. Die Tiere hatten Glück, denn sie konnten in den kretischen Gewässern überleben, da sie dort heimisch waren, denn John McLaren hatte nur einheimische Arten in seinem selbst gebauten Aquarium gehalten.

Bunte Bewohner des Aquariums John gab aber nicht auf. Bald fand er den Konstruktionsfehler, baute ein neues Aquarium und setzte einen kleinen Oktopus hinein, den er bei einem Spaziergang am Strand gefunden hatte. Das Tier blieb nur für einige Wochen, dann ließ John es wieder frei. Aber in ihm war ein Traum geboren: Ein Salzwasseraquarium zu bauen, mit dem er seinen Besuchern die einheimische Unterwasserwelt näher bringen konnte.

Stephania, die Grüne Meeresschildkröte Bis zum heutigen Tage hat John sein Ziel konsequent verfolgt und in die Tat umgesetzt. Sein Aquarium zeigt viele verschiedene Fischarten und andere Meerestiere in mehrere Becken, sogar Rochen sind dabei. Fast alle Tiere hat er aus den Netzen von Fischern gerettet, sie waren nur "Beifang" und man hätte sie am Strand liegen lassen, wo sie qualvoll gestorben wären. Tierschutz wird in der kleinen Anlage wirklich groß geschrieben. Das sieht man unter anderem sehr eindrucksvoll daran, wie sich John und seine Frau um Stephania kümmern. Sie ist eine Grüne Meeresschildkröte, der unvorstellbares Leid zugefügt worden ist. Nachdem ihr Kinder die Augen ausgestochen hatten, griff man die arme Schildkröte am Strand auf. In freier Natur wäre Stephania nicht mehr überlebensfähig. John und seine Frau kümmern sich liebevoll um sie und bei den Besuchern ist sie der heimliche Star.

Süßwasserschildkröten (Mauremys caspica) Neben den Meeresbewohnern stellt Aqua World auch Tiere wie den Gefleckten Walzenskink und die scheuen Süßwasserschildkröten (Mauremys caspica, siehe Foto rechts) vor, die man normalerweise als Urlauber in freier Natur eher nicht zu Gesicht bekommt. Nicht nur für Kinder lohnt sich ein Besuch des kleinen Aquariums, da man dort schöne Einblicke in die kretische Tierwelt erhält.

Aquaworld Aquarium
Filikis Etirias 7
L. Hersonissou
Crete 70014
Greece
Telefon: (++30)2897029125
Internet: Aqua World

Schildkrötenschutz

Kaum jemand weiß, dass sich auf Kreta mehrere Nistplätze bedrohter Meeresschildkröten befinden. Für den Schutz der Tiere werden ständig freiwillige Helfer gesucht, unter anderem in Chaniá gibt's einen Info-Stand der Tierschützer. Aber auch im Internet kann man etwas über das Projekt nachlesen: Archelon.gr. Wer sich für Öko-Ferien auf Kreta interessiert und sein Herz an die Meeresschildkröten verloren hat, der kann außerdem über die Organisation Ecovolunteer dorthin reisen. Ich selbst habe über diese Organisation meine Teilnahme am Gänsegeier-Schutzprojekt auf der kroatischen Insel Cres organisieren lassen. Es war ein unvergessliches Erlebnis, den Urlaub mit aktivem Tierschutz zu verbringen.

Weitere Tierschutz-Adressen auf Kreta

Cretan Animal Welfare Group
Tel: +30 6944 690368
Internet: http://www.cawg-greece.com/

Förderverein Arche Noah Kreta e.V.
Kerstin Meinecke (Kassenwartin)
Gierkezeile 29
10585 Berlin
Internet: Archenoah-kreta.com

 
                 

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