Im Jahre 1993 gründeten einige Idealisten und
Naturschützer das Umweltzentrum Caput Insulae in Beli. Der
hinter dem Namen steckende, nicht staatliche Verein setzt sich vor
allem für den Schutz der auf Cres in freier Natur lebenden
Gänsegeier ein. Darüber hinaus tritt das Team von
Caput Insulae für die Bewahrung des natürlichen und
kulturhistorischen Erbes des Nordteils der Insel, der Tramuntana, ein.
Den Namen Caput Insulae übernahmen die Umweltschützer
vom römischen Namen für Beli. Damit will der Verein
seine Bemühungen um einen ganzheitlichen Natur- und
Kulturschutz unterstreichen.
Eine Hand voll ständiger Mitarbeiter und ein für ein
Jahr anwesender Öko-Freiwilliger stellten sich
während unseres Aufenthalts im Frühjahr 2001
täglich einer Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben. Im
Umweltzentrum wurden Gäste empfangen, die sich die Ausstellung
rund um die Natur und vor allem die Gänsegeier ansehen
wollten. Mindestens ein Mitarbeiter des Vereins begleitete die Besucher
durch die Ausstellungsräume, die mit erlesenem Bildmaterial
ausgestattet sind.
Ferner zeigten die Umweltschützer ihren Besuchern gern das
Rehabilitationsgehege mit den gefiederten Pflegegästen, das
sich ebenfalls auf dem Gelände des Umweltzentrums befindet.
Als wir in Beli waren, saßen vier Gänse- und ein
Ohrengeier in jener Voliere. Diese Vögel mussten versorgt und
die Voliere gereinigt werden, was in den Aufgabenbereich der Helfer und
der Vereinsmitglieder fiel. Nicht zuletzt müssen sie
ständig das Haus in Stand halten, da die Besucher nicht gleich
angesichts einer wenig einladenden Optik entsetzt auf dem Absatz
kehrtmachen sollen. Hinzu kommen administrative und
bürokratische Dinge, denn der Verein erhält nur dann
Geld für seine Projekte, wenn sich die einzelnen Mitglieder
nach Kräften um Sponsoren und Fördergelder
bemühen.
Neben
diesen Aufgaben in und um das Umweltzentrum steht klassische
Feldforschung auf dem Programm der Vogelschützer. Vor allem im
Frühjahr finden regelmäßig
Zählungen der Gänsegeierbrutpaare statt, für
die kleine Teams mit Booten aufs Meer hinaus fahren, um mit Hilfe
starker Ferngläser die Klippen nach Horsten abzusuchen. In
unwegsamen und steilen Waldstücken klettern die
Naturschützer Hänge hinunter, um von bestimmten
Stellen aus das Brutgeschäft der großen
Greifvögel beobachten zu können, ohne die Tiere zu
stören. Sobald die Jungvögel alt genug sind, werden
sie beringt. Dies stellt eine enorme körperliche Anstrengung
für die Vogelschützer dar, denn die Horste sind in
den Steilwänden nur dann zu erreichen, wenn man sich mit einer
professionellen Kletterausrüstung zu ihnen abseilt - eine
gefährliche Aufgabe. Dagegen sind die Beobachtungstouren zu
einer extrem zugigen, kalten Bergkuppe bei Sv. Bartholomej (siehe Foto
oben rechts) vergleichsweise harmlos. Dies und vieles mehr
gehört zum Alltag der Umweltaktivisten von Caput Insulae.
Da es sich um einen nicht staatlichen Verein handelt, beziehen die
ständigen Mitarbeiter keine Gehälter. Sie leben von
dem, was sie an Fördergeldern für die Projekte
erhalten - was mitunter sehr wenig ist. Nur echte Idealisten halten es
an diesem abgeschiedenen Ort ohne Heizung im Schlafzimmer, ohne
kulturelle Unterhaltungsmöglichkeiten und ohne
Großstadt in der Nähe sowie ohne festes Gehalt
über einen längeren Zeitraum aus. Deshalb empfand ich
beispielsweise für die permanenten Mitarbeiterinnen Tea und
Nadia und ihr Durchhaltevermögen tiefste Bewunderung.
Viele der oben beschriebenen Aufgaben und etliche weitere
Tätigkeiten können von freiwilligen Helfern
ausgeführt werden. Meine Freunde und ich sind als solche
Helfer zum Umweltzentrum gereist. Man wies uns ein einfaches
Schlafzimmer zu und wir nutzten gemeinsam mit anderen sogenannten
Ecovolunteers, also Ökofreiwilligen, die sanitären
Einrichtungen sowie die Küche. Auch die fest angestellten
Umweltschützer hatten keinen separaten Bereich, sie nahmen uns
in ihren Kreis auf. Wenn wir in der geräumigen Küche
für uns alle eine warme Mahlzeit improvisierten und diese
später gemeinsam am großen Tisch aßen,
kamen bei mir Jugendherbergsgefühle auf. Leider war es im
April 2001 empfindlich kalt, als wir im Umweltzentrum verweilten.
Abends saßen wir daher mit den anderen
Ökofreiwilligen und dem Team von Caput Insulae vor der
einzigen wirklich funktionstüchtigen Heizung im Haus, dem Ofen
im Aufenthaltsraum. Dort schlürften heißen wir
heißen Tee bei Gesprächen über Natur- und
Artenschutz - es war für mich wirklich eine etwas
andere Reise.
Sollten Sie an einem ebenso spannenden wie nützlichen
Ferienaufenthalt im Umweltzentrum als freiwilliger Helfer interessiert
sein, können Sie sich bei der niederländischen
Dachorganisation "Nature Travel"
über
das Gänsegeierprojekt informieren. Dort werden Sie fündig,
wenn Sie unter Spezies die Geier (vultures) wählen oder unter den
Zielorten Europa und Kroatien. Das Angebot ist nur auf Englisch
verfügbar. Damit Sie in etwa wissen,
was Sie erwarten könnte, möchte ich Ihnen nachfolgend
die Aufgaben beschreiben, mit denen uns das Team vom Umweltzentrum
während unseres Aufenthalts in Beli betraute. Unsere Aufgaben
wurden übrigens der jeweiligen Witterung entsprechend Tag
für Tag neu festgelegt.
Da meine Freunde und ich generell großen Spaß an
der Beobachtung von Wildvögeln haben und uns darüber
hinaus darauf verstehen, Arten auch akustisch bestimmen zu
können, schickte man uns an mehreren Tagen los, um die von der
Umweltschutzgruppe markierten Wanderwege durch die Tramuntana zu
erkunden. Auf unseren Wanderungen sollten wir an den Skulpturen (siehe
Foto rechts) Halt machen, die in unregelmäßigen
Abständen die Routen säumen. Dort verweilten wir
jeweils 15 bis 20 Minuten, um sämtliche Vogelarten zu
notieren, die wir in der näheren Umgebung sahen oder
hörten, denn auch die akustische Identifizierung ist bei
solchen Touren ausgesprochen wichtig.
Außerdem sollten wir entlang der Wege
ständig auf Schlangen oder andere Tiere achten, da das Team
von Caput Insulae stark daran interessiert ist, eine möglichst
vollständige Liste der auf Cres vorkommenden Spezies zu
erstellen. Uns gelang in diesem Zusammenhang zweimal die Sichtung eines
Teichhuhns (Gallinula chloropus) an einem
Tümpel, an dem diese Art bislang nicht heimisch war.
Wann immer wir wilde Gänsegeier zu Gesicht bekamen, sollten
wir nach eventuell vorhandenen Flügelmarkierungen Ausschau
halten. Leider sahen wir kein markiertes Tier, obwohl viele Geier
über unseren Köpfen kreisten.
Wie weiter oben beschrieben, bestand eine unserer
Aufgaben darin, uns auf jene zugige Bergkuppe zu stellen und die
Geierhorste in den einige Kilometer entfernten Steilwänden mit
dem Fernrohr zu beobachten. Dabei sahen wir unter anderem, wie ein
Altvogel sein Jungtier fütterte.
Ein
besonderes Erlebnis stellte für mich die Bootsfahrt zu den
Klippen dar. Seefest sollte man allerdings schon sein, wie ich leider
feststellen musste. Mir wurde mächtig übel, da das
Meer nicht gerade ruhig war. Aber der Anblick der fast senkrecht vor
uns aufragenden Klippen, in denen sich Geierhorste befanden, war alles
andere als alltäglich und ließ mich die
Übelkeit schnell vergessen. Auch unsere Stippvisite per Boot
in einer kleinen Höhle in einer der Steilwände (siehe
Foto oben rechts) gehörte für mich
persönlich zu den Höhepunkte meiner Reise nach Cres.
Das smaragdgrüne bis türkblaue Wasser unter uns
schien in seiner verschwenderischen Farbenpracht regelrecht zu
explodieren. In der Höhle leben einige überaus scheue
Felsentauben (Columba livia), die hastig die Flucht
ergriffen, als wir uns ihnen mit unserem Boot näherten. Sie
sind einige der wenigen noch in ihrem ursprünglichen
Lebensraum beheimateten Vorfahren der Stadttauben.
Falls die oben genannten Aufgaben Sie nicht ansprechen sollten,
können Sie selbstverständlich anderweitig im
Umweltzentrum helfen. Im Sommerhalbjahr werden die Wanderwege neu
markiert und gereinigt, die Tümpel werden gesäubert
und es stehen diverse weitere Dinge an, bei denen das Team von Caput
Insulae dringend Hilfe benötigt. Bei all Ihrem Einsatz
für die Natur haben Sie genügend Freizeit, um die
schöne Insel Cres auf eigene Faust und in Ruhe zu erkunden.
Außerdem lernen Sie vor Ort garantiert nette Leute kennen.
Das Umweltzentrum ist seit Mitte 2001 mit einer eigenen
Site im Internet vertreten, die inzwischen mehrsprachig
vorliegt.
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