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Das Umweltzentrum Caput Insulae

Achtung: Seit dem Herbst 2013 existiert das Umweltzentrum zum Schutz der Gänsegeier leider nicht mehr. Das Team um Goran Susic setzt seine Aktivitäten nun an anderer Stelle fort, siehe Website "Birds of Prey Conservation Centre".

Ein Hinweisschild zeigte den Weg zum einstigen UmweltzentrumIm Jahr 1993 haben einige Idealisten und Naturschützer das Umweltzentrum Caput Insulae in Beli gegründet. Der hinter dem Zentrum stehende, nicht staatliche Verein setzte sich vor allem für den Schutz der auf Cres in freier Natur lebenden Gänsegeier ein. Darüber hinaus trat das Team von Caput Insulae für die Bewahrung des natürlichen und kulturhistorischen Erbes des Nordteils der Insel, der Tramuntana, ein. Den Namen Caput Insulae haben die Umweltschützer vom römischen Namen für Beli übernommen. Damit wollte der Verein seine Bemühungen um einen ganzheitlichen Natur- und Kulturschutz unterstreichen. Foto: April 2001

Das einstige Umweltzentrum Caput InsulaeLediglich einige wenige Mitarbeiter waren fest angestellt, außerdem gab es in dem Umweltzentrum meist einen für ein Jahr dort arbeitenden Öko-Freiwilligen. So war es auch während unseres Aufenthalts im Frühjahr 2001 gewesen. Das Team stellte sich täglich einer Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben. Im Umweltzentrum wurden Besucher empfangen, die sich die Ausstellung rund um die Natur und vor allem die Gänsegeier ansehen wollten. Meist begleitete mindestens ein Mitarbeiter des Vereins diese Gäste durch die Ausstellungsräume, die mit erlesenem Bildmaterial ausgestattet waren. Foto: April 2001

Das einstige Rehabilitationsgehege des UmweltzentrumsFerner zeigten die Umweltschützer ihren Besuchern gern das Rehabilitationsgehege mit den gefiederten Pflegegästen, das sich ebenfalls auf dem Gelände des Umweltzentrums befand. Als wir in Beli gewesen sind, haben vier Gänse- und ein Ohrengeier in jener Voliere gesessen. Die von den Umweltschützern beherbergten Vögel mussten regelmäßig versorgt und die Voliere gereinigt werden, was in den Aufgabenbereich der Helfer und der Vereinsmitglieder fiel. Außerdem mussten die Umweltschützer ständig das Haus in Stand halten. Weil das Gebäude recht alt war, gab es immer etwas zu tun. Hinzu kamen administrative und bürokratische Dinge, denn der Verein erhielt nur dann Geld für seine Projekte, wenn sich die einzelnen Mitglieder nach Kräften um Sponsoren und Fördergelder bemühten. Foto: April 2001

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Vogelbeobachter bei der 'Arbeit'Neben diesen Aufgaben in und um das Umweltzentrum stand klassische Feldforschung auf dem Programm der Vogelschützer. Vor allem im Frühjahr fanden regelmäßig Zählungen der Gänsegeierbrutpaare statt, für die kleine Teams mit Booten aufs Meer hinaus fuhren, um mit Hilfe von Ferngläsern die Klippen nach Horsten abzusuchen. In unwegsamen und steilen Waldstücken kletterten die Naturschützer Hänge hinab, um von bestimmten Stellen aus das Brutgeschäft der großen Greifvögel beobachten zu können, ohne die Tiere zu stören. Sobald die Jungvögel alt genug waren, wurden sie beringt. Dies stellte eine enorme körperliche Anstrengung für die Vogelschützer dar, denn die Horste sind in den Steilwänden nur dann zu erreichen, wenn man sich mit einer professionellen Kletterausrüstung zu ihnen abseilt - eine gefährliche Aufgabe, die nur von geübten Kletterern ausgeführt werden konnte. Dagegen waern die Beobachtungstouren zu einer extrem windigen und im Winterhalbjahr deshalb sehr kalten Bergkuppe bei Sv. Bartholomej, siehe Foto oben rechts, vergleichsweise harmlos. Foto: April 2001

Der Ausstellungsraum des einstige UmweltzentrumsDa es sich um einen nicht staatlichen Verein handelte, haben die Mitarbeiter damals, als wir das Umweltzentrum besucht haben, keine festen Gehälter bezogen. Sie haben von dem gelebt, was sie an Fördergeldern für die Projekte erhalten haben - was mitunter sehr wenig war. Nur echte Idealisten halten es an diesem abgeschiedenen Ort ohne Heizung im Schlafzimmer, ohne kulturelle Unterhaltungsmöglichkeiten und ohne Großstadt in der Nähe sowie ohne festes Einkommen über einen längeren Zeitraum aus. Deshalb habe ich beispielsweise für die permanenten Mitarbeiterinnen Tea und Nadia und ihr Durchhaltevermögen tiefste Bewunderung empfunden. Foto: April 2001

Die Küche des einstige UmweltzentrumsViele der oben beschriebenen Aufgaben und etliche weitere Tätigkeiten konnten damals von freiwilligen Helfern ausgeführt werden. Meine Freunde und ich sind als solche Helfer zum Umweltzentrum gereist. Man hat uns ein einfaches Schlafzimmer zugewiesen und wir haben gemeinsam mit anderen sogenannten Ecovolunteers, also Ökofreiwilligen, die sanitären Einrichtungen sowie die Küche genutzt. Auch die fest angestellten Umweltschützer hatten keinen separaten Bereich, sie haben uns herzlich in ihren Kreis aufgenommen. Wenn wir in der geräumigen Küche für uns alle eine warme Mahlzeit improvisiert und diese später gemeinsam am großen Tisch gegessen haben, sind bei mir Jugendherbergsgefühle aufgekommen. Leider ist es im April 2001 empfindlich kalt gewesen. Abends haben wir daher mit den anderen Ökofreiwilligen und dem Team von Caput Insulae vor der einzigen wirklich funktionstüchtigen Heizung im Haus gesessen: dem Ofen im Aufenthaltsraum. Dort haben heißen wir heißen Tee bei Gesprächen über Natur- und Artenschutz genossen - es ist für mich wirklich eine etwas andere Reise gewesen. Foto: April 2001

Gänsegeier Bonk im einstige RehabilitationsgehegeSollten Sie an einem solchen ebenso spannenden wie nützlichen Ferienaufenthalt als freiwilliger Helfer interessiert sein, können Sie sich auch heute noch an die Greifvogelschützer wenden, denn es werden nach wie vor Helfer gesucht, auch wenn es nun an anderer Stelle in Kroatien eine Schutzstation gibt. Es ist immer sinnvoll, sich für Tiere einzusetzen. Seinen Urlaub damit zu verbringen, ist ein sehr erfüllend und ich habe es als eine wertvolle Erfahrung erlebt. Zudem hatte ich niemals zuvor die Gelgenheit, den majestätischen Gänsegeiern so nah zu kommen wie auf Cres. Vermutlich wird sich eine solche Chance wohl auch in Zukunft nicht mehr so leicht ergeben. Insofern lohnt es sich für Tierfreunde und Naturbegeisterte doppelt, als Ökofreiwilliger bei Schutzprojekten wie diesem mitzuhelfen. Ich würde es gern in Zukunft wieder tun, dann vielleicht bei einer anderen Tierart. Foto: April 2001

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Skulptur am Wegesrand im Norden der Insel CresDoch nun zurück zur damaligen Station auf Cres und unserem Aufenthalt in Beli. Da meine Freunde und ich generell großen Spaß an der Beobachtung von Wildvögeln haben und uns darüber hinaus darauf verstehen, Arten auch akustisch bestimmen zu können, hat man uns an mehreren Tagen losgeschickt, um die von der Umweltschutzgruppe markierten Wanderwege durch die Tramuntana zu erkunden. Auf unseren Wanderungen haben wir an den Skulpturen, siehe Foto rechts, Halt machen sollen, die in unregelmäßigen Abständen die Routen säumen. Dort haben wir jeweils 15 bis 20 Minuten verweilen sollen, um sämtliche Vogelarten zu notieren, die wir in der näheren Umgebung gesehen oder gehört haben. Diese Aufgabe hat der Vorbereitung einer Wanderbroschüre mit Informationen zu den jeweils an den einzelnen Stellen vorkommenden Vogelarten gedient.

Darüber hinaus haben wir entlang der Wege ständig auf Schlangen oder andere Tiere achten sollen, da das Team von Caput Insulae stark daran interessiert gewesen ist, eine möglichst vollständige Liste der auf Cres vorkommenden Spezies zu erstellen. Uns ist in diesem Zusammenhang zweimal die Sichtung eines Teichhuhns (Gallinula chloropus) an einem Tümpel gelungen, an dem diese Art bis zu diesem Zeitpunkt nicht heimisch gewesen ist.

Wann immer wir wilde Gänsegeier zu Gesicht bekommen haben, haben wir nach eventuell vorhandenen Flügelmarkierungen Ausschau gehalten. Leider haben wir kein markiertes Tier, obwohl viele Geier über unseren Köpfen am Himmel ihre Kreise gezogen haben. Ohne Ferngläser sind solche Beobachtungen nicht durchführbar, deshalb sollten Naturbegeisterte eine gute Optik mit in den Urlaub nehmen. Ferner haben wir von der bereits erwähnten windigen Bergkuppe aus die Geierhorste in den Steilwänden mit dem Spektiv (Fernrohr) beobachtet. Dabei haben wir unter anderem gesehen, wie ein Altvogel sein Jungtier gefüttert hat.

Höhle am MeerEin besonderes Erlebnis hat für mich die Bootsfahrt zu den Klippen dargestellt. Seefest sollte man allerdings schon sein, wie ich leider feststellen musste. Mir ist bedauerlicherweise übel geworden, da das Meer nicht gerade ruhig gewesen ist. Aber der Anblick der fast senkrecht vor uns empor ragenden Klippen, in denen sich Geierhorste befunden haben, ist alles andere als alltäglich  gewesen und er hat mich die Übelkeit schnell vergessen lassen. Auch unsere Stippvisite per Boot in einer kleinen Höhle in einer der Steilwände, siehe Foto oben rechts, hat für mich persönlich zu den Höhepunkte meiner Reise nach Cres gehört. Das smaragdgrüne bis türkblaue Wasser unter uns wirkte, als würde es in seiner verschwenderischen Farbenpracht regelrecht explodieren. In der Höhle leben einige überaus scheue Felsentauben (Columba livia), die hastig die Flucht ergriffen haben, als wir uns ihnen mit unserem Boot genähert haben. Sie sind einige der wenigen noch in ihrem ursprünglichen Lebensraum beheimateten Vorfahren der Stadttauben.

Nachtrag März 2014: Ich bin noch immer sehr traurig darüber, dass das Umweltzentrum geschlossen werden musste. Wenn Sie Interesse am Greifvogelschutz haben, wenden Sie sich bitte an das Team um Goran Susic, siehe Website.

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