Viele Quellen berichten, Malta sei eine karge Insel. Ich dachte deshalb,
dort würden praktisch keine Pflanzen wachsen. Dem ist jedoch nicht so, was
mich positiv überraschte, als ich während meiner Wanderungen zahlreiche
Pflanzenarten vorfand. Größtenteils standen die Büsche, Sträucher
und sonstigen Pflanzen in Blüte, als ich im Juni 2001 Malta bereist habe.
Das Vorurteil der trostlosen Insel sah ich jedenfalls nicht bestätigt, obwohl ich
gestehen muss, dass ein paar Bäume mehr der Insel in der Tat gut stehen würden.
Denn Bäume wachsen dort in der Tat fast nirgendwo.
Sämtliche Beschreibungstexte in diesem Kapitel basieren auf einer Identifizierung
der Arten anhand von Fachliteratur beziehungsweise mit der freundlichen
Unterstützung von Experten. Irrtümer sind dabei freilich
nicht ausgeschlossen. Hinter den Beschreibungstexten finden Sie in
Klammern einen Vermerk darüber, wo die jeweiligen Aufnahmen entstanden sind.
Amerikanische Agave (Agave, Agave americana)
Im gesamten Mittelmeerraum und auf den Kanaren findet man an vielen Stellen
die Amerikanische Agave. Diese stattliche Pflanze bevorzugt als Standorte
vornehmlich trockene und steinige Böden, die starker Sonneneinstrahlung
ausgesetzt sind. Insbesondere während sie in Blüte steht, ist diese
Pflanzenart weithin sichtbar, weil der Blütenstand bis zu zwei Meter und mehr
empor ragt. Auch die am Boden in Rosetten angeordneten Blätter der Agave erreichen
eine Länge von bis zu zwei Metern. Auf Malta wächst die überaus robuste
Pflanzenart im Hinterland. Ihre bodenständigen Rosetten sind sogar ohne die
hohen Blütenstände ein imposanter Anblick. (Buġibba)
Asphaltklee (Pitch Trefoil, Bituminaria bituminosa)
Im Mittelmeerraum kommt an vielen Stellen der Asphaltklee vor. Diese Pflanzenart wird 20 bis 100 Zentimeter hoch und gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler. Ihren Namen hat diese Art deshalb erhalten, weil die gesamte Pflanze intensiv nach Teer riecht. Werden Blätter oder andere Pflanzenteile zwischen den Fingern zerrieben, verstärkt sich dieser Geruch. Daran ist die Pflanzenart recht gut zu erkennen. In den Blütenständen befinden sich sieben bis 30 einzelne Blüten, sie sind blau bis rosaviolett gefärbt. In der Zeit von April bis August steht der Asphaltklee in Blüte. Zu finden ist er an Wegrändern, auf trockenen Wiesen sowie auf Brachflächen und in Gebüschen. Weitere Namen dieser Pflanzenart sind Pechklee und Harzklee. (Buġibba)
Echter Feigenkaktus (Edible Tree Cactus, Opuntia ficus-indica)
Diese stark verzweigte, bis zu fünf Meter hohe Kaktusart gedeiht in und auf Malta
praktisch überall. Der Echte Feigenkaktus wird von den Menschen
kultiviert, da seine Früchte, die Kaktusfeigen, echte Delikatessen
sind. Als Mitglied der Familie der Kakteen bevorzugt diese Pflanze trockene
und steinige Standorte mit starker Sonneneinstrahlung.
Vor allem im Frühling stehen die Feigenkakteen in Blüte.
Ihre gelben Blüten locken etliche Insekten an. Es lohnt
sich, an einer blühenden Pflanze zu verweilen, denn man
bekommt dort einen Einblick in die Insektenwelt Maltas. Auffällig ist, dass die
meisten auf Malta kultivierten Feigenkakteen keine oder nur wenige Stacheln tragen.
(Buġibba)
Eibischblättrige Winde (Bindweed, Convolvulus althaeoides)
An den Stängeln ist diese ausdauernde, genügsame Pflanze leicht behaart.
Jeder einzelne Stängel der Eibischblättrigen Winde
kann eine Länge von bis zu einem Meter erreichen.
Von diesen Stängeln zweigen Stiele ab, die maximal sechs Zentimeter lang
werden und an deren Ende jeweils eine Blüte wächst. Die Färbung der
Blüten liegt zwischen rosa und lila, wobei in der Mitte ein deutlich
dunklerer Bereich mit radial verlaufenden Farbausläufern liegt; die
Staubblätter sind gelb. Die Pflanzenart ist an vielen Stellen Maltas zu finden,
oft trifft man sie an Wegrändern und auf Brachland an. (Tal Qarbuni)
Gemeiner Oleander (Oleander, Nerium oleander)
In Maltas Landschaft finden sich an manchen Wegesrändern und auf Brachland sowie
in Gärten Oleandersträucher. Auch in Deutschland ist dieser Strauch als
Zierpflanze in Gärten anzutreffen. Die buschig wachsende Pflanzenart erreicht
eine Größe von zwei bis vier Metern. Ihre länglichen, dunkelgrünen
Blätter sind sechs bis 15 Zentimeter lang. Meist sind die Blüten des Oleanders
leuchtend rosa gefärbt, in seltenen Fällen tragen die Büsche auch weiße
Blüten. (Tal Qarbuni)
Gestrichelte Winde (Bindweed, Convolvulus lineatus)
Neben der weiter oben beschriebenen
Eibischblättrigen
Winde kommt in Malta eine zweite, sehr häufig anzutreffende Windenart
vor: die Gestrichelte Winde. Diese weiß bis zart rosa
blühende Pflanzenart gehört zu den häufigsten Pflanzen der Inseln.
Sie gedeihen an Wegrändern auch auf kargen, steinigen Böden, also beispielsweise
auf Brachflächen. Ihre Blätter sprießen wechselständig, stehen dicht
und linealisch bis elliptisch. (Tal Qarbuni)
Hasenfuß-Wegerich (Hare's-foot Plantain, Plantago lagopus)
Auf Ödland, trockenen Weiden und an Wegrändern trifft man in Malta den
genügsamen Hasenfuß-Wegerich an. Diese zweijährige Pflanze
wird bis zu 40 Zentimeter hoch und ist an ihren flauschigen Blüten leicht zu erkennen.
Ihre Blätter wachsen wie beim in Deutschland weit verbreiteten Spitzwegerich häufig
grundständig, sie sind wechselständig am Stängel angeordnet. Ihre
Färbung ist dunkelgrün, sie sind relativ schmal und bis zu 15 Zentimeter lang.
(Tal Qarbuni)
Jasmin (Pink Jasmine, Jasminum polyanthemum)
Ursprünglich stammt dieser Zierstrauch aus Texas, USA. Von den Menschen wurde
der Jasminstrauch in andere Teile der Erde gebracht. Deshalb findet er sich auch
auf Malta an vielen Stellen, ihm bekommt das relativ heiße Klima der Insel
bestens. Die Blüten der immergrünen Pflanzenart verströmen einen
betörend süßen Duft und sind daher unverkennbar. Ihre weiße Farbe
steht in schönem Kontrast zum dunklen Grün der Blätter. Manche der
Blüten sind nicht rein weiß, sondern rosa gefärbt - eine Eigenschaft, der
die Pflanze ihren englischen Namen verdankt. (Tal Qarbuni)
Kapernstrauch (Caper, Capparis spinosa)
Überall im Hinterland wachsen auf Malta Kapernsträucher,
die hübsche, feingliedrige Blüten haben. Rechts im Bild
sieht man ferner einige Knospen. Die Einheimischen sammeln sie
und legen sie ein. In einer Marinade werden die Knospen mit der
Zeit zu den berühmten Gewürzkapern, die in einer Reihe typisch
maltesischer Gerichte Verwendung finden. Zwischen 60 und 150 Zentimeter hoch
werden die Sträucher, deren eiförmigen bis kreisrunden
Blätter unverwechselbar sind. (Tal Qarbuni)
Kardonie oder Kardunkel-Artischocke (Artichoke Thistle, Cynara cardunculus)
Allenthalben findet man entlang der Wege oder auf verwilderten
Feldern kleine, distelähnliche Pflanzen mit violett gefärbten
Blüten. Es handelt sich dabei um Kardonien, die Wildform der
vom Menschen kultivierten Artischocke. Vor allem bei den Insekten ist
diese Pflanzenart wegen ihres Nektars überaus beliebt, aber auch
Eidechsen turnen zuweilen an ihnen herum, um an den süßen
Saft zu gelangen. Kardonien lieben warme Böden und werden bis zu 1,5
Meter groß. (Tal Qarbuni)
Kopfthymian (Mediterranean Thyme, Thymbra capitata)
In der Zeit von Mai bis August bildet der Kopftyhmian viele rosa-violett gefärbte Blüten. Die Pflanzenart wird zwischen 20 und 50 Zentimeter groß und sie ist an vielen Stellen auf Malta zu finden. Bevorzugte Standorte sind felsige, trockene Stellen wie Garriguen. Auch auf manchen Hügeln ist sie zu finden. Besonders auffällig ist der starke Duft des Kopftyhmians. (Buġibba)
Kristall-Mittagsblume (Common Ice Plant, Mesembryanthemum crystallinum)
Diese Pflanzenart wächst meist in Gruppen, die bis zu 60 Zentimeter breit werden
können. Kristall-Mittagsblumen speichern in ihren fleischigen Blättern Wasser,
diese sind grün gefärbt und mitunter rot überhaucht. Ich fand diese Pflanzen
sehr attraktiv, weil die Blüten mit den kleinen, glitzernden Flüssigkeits-Kügelchen
übersät sind, was zu schillernden Brechungseffekten des Sonnenlichts führt.
Aufgrund ihrer hohen Toleranz gegenüber Salz kommt die Kristall-Mittagsblume
bestens mit Böden in Salzsümpfen sowie mit sandigem und
felsigem Untergrund in Küstennähe zurecht; auch direkte Sonneneinstrahlung
kann ihr nichts anhaben. (Dingli-Klippen)
Kronen-Süßklee (French Honeysuckle, Hedysarum coronarium)
Bis zu einem Meter hoch kann diese ausdauernde, kräftige Pflanzenart
werden. Die Stängel des Kronen-Süßklees sind teils zart behaart,
die Blätter wachsen unpaarig an ihnen. Zwischen zwölf und 15 Millimeter lang
sind die einzelnen Blüten; ihre Farbpalette reicht von Karminrot bis Purpurrot.
Zwischen zehn und 35 aufrecht abstehende Einzelblüten sind dicht beieinander in Trauben
angeordnet. Diese sind von länglicher bis eiförmiger Gestalt. Auf Kultur- und
Brachland, an Wegrändern sowie im Anbau als Futterpflanze ist der
Kronen-Süßklee in Malta zu finden. (Tal Qarbuni)
Löwenmäulchen (Snapdragon, Antirrhinum sp.)
Eine genaue Bestimmung ist mir bislang nicht gelungen, sehr wahrscheinlich handelt es sich
bei der auf dem Foto rechts gezeigten Pflanze um eine Löwenmäulchen-Art
(Antirrhinum sp.). Die breiten Blätter in Bodennähe sprechen dafür,
dass es sich um Antirrhinum majus handeln könnte, ich bin mir dessen aber nicht
sicher. Diese Pflanzenart müsste mit den klimatischen Bedingungen, der recht
hohen Sonnenintensität und der Bodenbeschaffenheit am Standort, an dem diese Aufnahme
entstanden ist, prinzipiell recht gut zurechtkommen. Die Blüten der gezeigten
Pflanze waren etwa acht Millimeter breit und einen Zentimeter hoch. (Tal Qarbuni)
Nizza-Fetthenne (Tree Sedum, Sedum sediforme)
An den Klippen von Dingli wachsen diese ausdauernden, basal verholzten
Pflanzen, die auf Malta bereits im Frühsommer in Blüte stehen.
Insgesamt wirkt diese Fetthennenart krautig und kahl, ihre blühenden
Triebe werden je nach Standort bis zu 60 Zentimeter hoch, sterile
Triebe sind einige Zentimeter kleiner. An ihrer Spitze tragen nicht-sterile Triebe
weißliche bis leuchtend gelbe Blüten, die anfangs kugelig
sind und später gabelige, zurück gebogene Ästchen ausbilden. Die Blüten
sind einige Millimeter groß. Sie bilden einen farblich ansprechenden Kontrast zu den
hellroten Stängeln der Nizza-Fetthenne. (Dingli-Klippen)
Rundblättrige Königskerze (Round-leaved Mullein, Verbascum rotundifolium)
An Wegrändern und auf Trockenrasen fühlt sich die
Rundblättrige Königskerze besonders wohl. Diese Wärme liebenden Pflanzen
können eine stattliche Wuchshöhe von bis zu 1,5 Meter erreichen und
werden in aller Regel maximal zwei Jahre alt. Viele kleine Härchen
überziehen die Unterseite der dunkelgrünen Blätter der Pflanze und verleihen
ihr dadurch ein filziges Aussehen. Die Blüten sind leuchtend gelb gefärbt,
die dunkelroten Staubgefäße stehen dazu farblich in auffälligem
Kontrast. (Dingli-Klippen)
Salz-Alant (Golden Samphire, Inula crithmoides)
Zwischen zehn und 90 Zentimeter hoch wird diese am Grund verholzende Küstenpflanze.
Ihre Hauptblütezeit liegt in der Zeit von August bis Oktober, vereinzelt blühen
die Pflanzen offenbar jedoch auch schon früher, sonst hätte ich sie nicht im Juni
bereits in Blüte auf Malta angetroffen. Typisch für den Salz-Alant sind die kahlen,
fleischigen linealischen und ganzrandigen oder an der Spitze dreizähnigen Blätter.
Bevorzugte Standorte dieser Pflanzenart sind Küstenfelsen, Sandstrände und
Sümpfe. Sie ist hervorragend an den hohen Salzgehalt der Küstennähe
angepasst. Für den Menschen ist die Pflanze durchaus nützlich: roh oder gekocht
eignen sich ihre Blätter als Salat. (Dingli-Klippen)
Spritzgurke (Squirting Cumcumber, Ecballium elaterium)
Diese niedrige Pflanze trägt ihren Namen nicht grundlos. Wenn
man eine reife Frucht berührt, springt diese vom Stiel ab
und verspritzt explosionsartig ihr flüssiges Inneres samt der
darin enthaltenen Samenkörner. Bis zu einem Meter werden die
Triebe dieser krautartigen Pflanze lang; ihre Blätter sind
behaart. Bevorzugte Standorte der Spritzgurke sind Schuttplätze,
sandige Flächen und Brachland. (Qawra)
Wilde Malve (Mallow, Malva sylvestris)
Vielerorts auf Malta findet sich diese hübsch blühende
Pflanze, die etwas mehr als einen Meter hoch werden kann. Die
wilden Malven wachsen vor allem an Wegrändern im Innern der
Insel und werden aufgrund ihrer zahlreichen violett gefärbten Blüten oft
von Fluginsekten besucht. Leicht lässt sich diese Pflanzenart mit der im selben
Verbreitungsgebiet, also im gesamten Mittelmeerraum, vorkommenden
Kretischen
Strauchpappel verwechseln! Diese Pflanze habe ich selbst jedoch nicht auf Malta gesehen,
sondern bislang nur auf Mallorca. (Buġibba)
Wilder Fenchel (Fennel, Foeniculum vulgare)
Im gesamten Mittelmeerraum ist der Wilde Fenchel eine recht häufig anzutreffende
Pflanzenart. Auf Malta sah ich ihn vor allem im Hinterland und nicht in der Nähe der
Küste. Trockenes Kultur- und Brachland sowie Straßenränder sind in Malta
sind die Lieblingsstandorte dieser aromatischen Gewürzpflanze, im restlichen
Mittelmeergebiet trifft man sie ebenfalls an. Bis zu 2,5 Meter kann der gelb blühende
Fenchel hoch werden. Die reifen Samenkörner schätzt man auch hier zu Lande als
Gewürz oder Grundstoff für einen bekömmlichen Tee. (Buġibba)
Zweifarbiges Greiskraut (Dusty Miller, Senecio bicolor)
Eine Wuchshöhe von bis zu einem Meter kann das Zweifarbige Greiskraut erreichen.
Wächst es an Stellen, die starkem Wind ausgesetzt sind, bleibt es jedoch meist
erheblich niedriger. Der Name dieser Spezies bezieht sich auf die Tatsache, dass die
Unter- und Oberseite der Blätter unterschiedlich gefärbt sind. Vom
Hochsommer bis in den Spätherbst liegt die Hauptblütezeit dieser das
Sonnenlicht liebenden
Pflanzenart. In Deutschland findet sich das Zweifarbige Greiskraut in Gärtnereien,
es wird auch unter dem Namen Silberstrohblume als Zierpflanze
verkauft. (Buġibba)
Linktipp zum Thema Pflanzen:
Wild Plants of Malta
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