Im Unterschied zu vielen Landvogelarten, die auf anderen tropischen
Inseln der Welt vorkommen, sehen die meisten der auf den Seychellen
lebenden Spezies eher unauffällig und schmucklos aus. Keine knallbunten
Federkleider wie bei den Loris Indonesiens oder leuchtend gemusterte
Riesenschnäbel wie die der Tukane Südamerikas blitzen zwischen
dem Grün des Pflanzendickichts hervor. Die dezenten
Gefiederfarben sind eine Folge der Evolution. Schon über
100 Millionen Jahre bilden die Seychellen eine Inselgruppe, die
weit entfernt vom Festland lag. Sämtliche
auf den Seychellen angesiedelten Landvogelarten - und das sind nur
wenige - mussten keine ausgeprägten Farben oder
Körpermerkmale ausbilden, um vom anderen Geschlecht im
Durcheinander vieler Vogelspezies erkannt zu werden. Folglich
entwickelten sich mit der Zeit eher schmucklose, blass gefärbte
Vogelarten auf den isolierten Eilanden.
Foto: Sperbertäubchen
Im Laufe der Evolutionsgeschichte
wurden nur selten viele Individuen derselben Vogelart aus großer
Entfernung zum Beispiel durch einen heftigen Sturm auf die Inseln
verdriftet. Die wenigen Vögel unterschiedlicher Spezies, die auf
den Seychellen strandeten, konnten meist keine stabilen Populationen
aufbauen. So erklärt sich die relativ geringe Anzahl der
auf den Seychellen beheimateten Landvogelarten. Foto: Seychellenfalke
In den folgenden Abschnitten stelle ich einige der von mir beobachteten
Spezies vor. Neben den abgebildeten Arten sah ich auf Mahé, La
Digue und Praslin die akrobatisch fliegenden Seychellensalanganen
(Seychelles Cave Swiftlet, Aerodramus elaphra), eine nur auf den Seychellen beheimatete
Seglerart. Die ebenfalls nur auf den Seychellen lebende, leuchtend blaue
Warzenfruchttaube (Seychelles Blue Pigeon, Alectroenas
pulcherrima) flog mir lediglich ein einziges Mal auf Mahé
über den Weg. In den Klammern hinter der einzelnen Kurzbeschreibungen
in diesem Kapitel finden Sie jeweils den Namen der Insel, auf der die entsprechende Aufnahme
entstanden ist.
Dickschnabelbülbül
(Thick-billed Bulbul, Hypsipetes crassirostris)
Echte Schreihälse sind die Dickschnabelbülbüls, die in
manchen Büchern auch Dickschnabel-Fluchtvögel genannt werden.
Meist sieht man die zwar sehr neugierigen, aber leider ebenfalls
recht scheuen Vögel zu zweit. Durch krächzende Laute
halten die Tiere untereinander ständigen Rufkontakt.
Je nach Lichteinfall erscheint ihr Schnabel mal bräunlich und mal in
einem knalligen Orange. Auf dem Kopf tragen die bis zu 25 Zentimeter großen
Vögel eine kleine, schwarze Federhaube, die sie bei Aufregung
aufstellen. (Mahé)
Haushuhn
Auf jeden Bewohner
der Insel La Digue kommen mehrere Hühnervögel. Das sieht man, wenn
man dort spazieren geht oder morgens nicht buchstäblich mit den Hühnern aufstehen möchte. Ab etwa halb
vier in der Früh krähen die Hähne ausdauernd der (erst etwa zwei Stunden später) aufgehenden Sonne
entgegen, was durchaus ein wenig nervtötend sein kann. Die Hühner führen auf La
Digue ein recht artgerechtes Leben. Auf den Grundstücken der Einheimischen
laufen sie ständig frei herum und können nach Lust und Laune im Staub
baden oder den Boden nach Nahrung durchsuchen. Irgendwann landen sie
zwar im Kochtopf, aber sie haben mit Sicherheit ein um Klassen besseres
Leben als ihre europäischen Artgenossen auf Hühnerfarmen oder
Legebatterien. (La Digue)
Hirtenmaina (Common Mynah, Acridotheres tristis)
Allgegenwärtig auf den Seychellen sind die vom indischen Subkontinent
stammenden Hirtenmainas oder Hirtenstare. Unter Artenschützern sind sie auf den Seychellen nicht sonderlich beliebt, weil sie eine sogenannte invasive Spezies sind. Das heißt, sie erobern den für sie einstmals fremden Lebensraum und wurden wie es scheint vom Menschen eingeführt. Leider scheinen sie in direkter Konkurrenz zu einigen einheimischen Arten zu stehen, weshalb nachvollziehbar ist, dass die Tierschützer diese Vögel mit gemischten Gefühlen sehen. (La Digue)
Hirtenmainas sind auf den Seychellen sehr scheu und sie flüchten vor Menschen, die sich ihnen auf weniger als etwa fünf Meter nähern. Beispielsweise in Sri Lanka sind diese Vögel vielerorts so sehr an den Menschen gewöhnt, dass sie einem fast aus der Hand fressen. Ihre Verwandtschaft mit
den Beos steht den 25 Zentimeter großen Tieren quasi ins Gesicht
geschrieben, denn sie tragen einen ähnlichen, gelben unbefiederten Bereich
am Kopf. Das Gefieder der Vögel ist braun gefärbt. Auf der Flügelunterseite und
um die Kloake herum sind die Federn weiß, was man
allerdings oft nur dann sieht, während die Tiere fliegen. In Sri
Lanka gelangen mir bessere Aufnahmen von dieser Vogelart. (Mahé)
Madagaskarturteltaube
(Madagascar Turtle Dove, Streptopelia picturata)
Die ursprüngliche Heimat dieser Vogelart liegt auf Madagaskar, sie gelangte jedoch auf die Seychellen und breitete sich dort aus. Inzwischen gehört sie zu den häufigsten Vögeln der inneren Seychellen. Die einheimische
Unterart Streptopelia picturata rostrata, deren Kopf rot gefärbt ist,
wurde in ihrem ursprünglichen Hauptverbreitungsgebiet nahezu
vollständig von der madegassischen, blauköpfigen Unterart
verdrängt. Die unverfälschte Seychellen-Unterart kommt heute nur noch auf
einigen äußeren Inselgruppen wie Cosmoledo
oder Aldabra in nennenswerten Stückzahlen vor.
Madagaskarturteltauben werden bis zu 28 Zentimeter lang und sind
verhältnismäßig scheu. (Mahé)
Madagaskarweber
(Madagascan Red Fody, Foudia madagascariensis)
In Gruppen von mehr als zehn Tieren
streifen die nur 14 Zentimeter großen Madagaskarweber umher und suchen nach Nahrung. Auf ihrem Speisezettel stehen vor allem feine Sämereien wie Grassamen. Während der Brutzeit
tragen die Männchen dieser Vogelart ein leuchtend rot gefärbtes Prachtgefieder, das sie mit der nächsten Mauser wieder verlieren. Auf dem linken Foto sieht man ein Männchen, das nur noch zum
Teil dieses Prachtgefieder trägt, rechts ist ein erheblich schlichteres, braun gefärbtes Weibchen zu sehen. (Beide
Fotos: Praslin)
Seychellenfalke (Seychelles Kestrel, Falco araea)
Wer einen der wenigen Seychellenfalken zu Gesicht bekommt,
die auf den Inseln leben, wird den Vogel wahrscheinlich eher als niedlich bezeichnen und ihn nicht für bedrohlich halten. Für einen Greifvogel ist der Seychellenfalke mit
seinen etwa 20 Zentimeter Körpergröße nämlich ausgesprochen
zierlich. Diese Vogelart ernährt sich
hauptsächlich von Reptilien, Ratten, Mäusen und großen
Insekten. Ihr alter kreolischer Name "Manze
Poul", das heißt "Hühnerfresser", wurde vielen Exemplaren
der schönen Vogelart zum Verhängnis. Die Tiere wurden von den Einheimischen getötet, weil diese völlig zu Unrecht um ihre
Hühner bangten. Auf den inneren Seychellen
leben heute nur noch etwa 300 Paare dieser kleinen Greifvogelart.
(Mahé)
Seychellennektarvogel
(Seychelles Sunbird, Nectarinia dussumieri)
Flink schwirren die Seychellennektarvögel von einer
Blüte zur nächsten, um mit ihrem langen, gebogenen Schnabel den
süßen Saft zu schlürfen, der ihnen ihren
Namen gab. Die kleinen Energiebündel werden nur
zwölf Zentimeter groß.
Durch ihren fröhlichen, sehr leisen Gesang fallen sie
aufmerksamen Zuhörern sicherlich trotzdem auf. Wenn
irgendwo ein verhaltenes Vogelgezwitscher zu vernehmen ist, handelt
es sich meist um den Gesang eines männlichen Seychellennektarvogels, siehe Foto rechts.
In hellem Licht schimmert ihre Kehle
metallisch blau. Übrigens bezeichnen die Einheimischen diese Vögel als
"Kolibris", weil sie lange Schnäbel haben, kurzzeitig an derselben Stelle in der Luft fliegend verharren können und Nektar trinken. Verwandt sind die Nektarvögel mit den echten Kolibris,
die ausschließlich in Amerika leben, jedoch nicht. (Mahé)
Seychellenparadiesschnäpper
(Seychelles Paradise Flycatcher, Terpsiphone corvina)
Laut der von mir verwendeten Fachliteratur soll es weniger als 100 Exemplare der Seychellenparadiesschnäpper auf
der Insel La Digue gegeben haben. Zum Schutz dieser seltenen Vogelart wurde dort ein
Reservat
eingerichtet, in dem man die hübschen
Tiere bewundern kann.
Das Gefieder des Männchens (Foto ganz rechts) ist metallisch schwarz
gefärbt und es trägt zwei ausladende Schwanzfedern, mit denen es 36 Zentimeter
lang ist. Die Weibchen (linkes Foto) sind am Bauch weiß gefärbt,
haben einen rötlichen Schwanz und ebenso gefärbte Flügel
sowie einen metallisch schwarzen Kopf.
Sie erreichen eine Größe von etwa 20 Zentimeter. (La Digue)
Sperbertäubchen
(Zebra Dove, Geopelia striata)
Unter allen Landvögeln der Seychellen gibt es nur eine Art, die überhaupt nicht scheu ist: Das nur
20 Zentimeter große Sperbertäubchen. Den englischen Namen "Zebra Dove", also Zebra-Taube,
erhielt diese Vogelart aufgrund ihres charakteristischen, gestreiften Musters. Der hellblaue Schnabel ist ein unverkennbares Erkennungsmerkmal der
Art. Die Tiere laufen fast ständig
auf dem Boden umher und suchen dort beispielsweise nach Nahrung. (Mahé) |